Die Bedeutung des Kellerkopfdenkmals im Wandel der Zeit

dzErbaut vor 90 Jahren

Ursprünglich nach dem ersten Weltkrieg als Kriegerehrenmal errichtet, gilt es heute als eher zweifelhafter Treffpunkt für junge Leute und angehende Graffitikünstler: Das Kellerkopf-Denkmal wird 90 Jahre alt.

von Lena Zschirpe

Holzwickede

, 07.09.2019, 04:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wilhelm Hochgräber klärte unter der Woche in der Paul-Gerhardt-Schule auf, warum dieses Jubiläum nicht zwangsläufig ein Grund zum Feiern ist und welche Symbole sich auf dem Denkmal befinden.

Das Kellerkopf-Denkmal ist eines von Tausenden Denkmälern, die in den 1920er-Jahren errichtet wurden. Bei einem Neubau stellte sich vor allem die Frage, welche Aussage das Bauwerk treffen sollte – die Konservativen forderten in der Regel Ehrenmale, während Sozialdemokraten Mahnmale vorzogen.

Das Kellerkopf-Denkmal wurde von einem Veteranenverband privat in Auftrag gegeben und von Anfang an als Kriegerehrenmal erdacht und erbaut. Die Eheleute Pampus überschrieben dem Verband in den 1920er-Jahren ein Grundstück für den Bau des Denkmals – unentgeltlich, aber an die Bedingung geknüpft, künftige Feierlichkeiten in der von ihnen betriebenen Gaststätte auszurichten. Als Bildhauer wurde Fritz Richter-Elsner engagiert, der bereits das Denkmal an der Unnaer Straße entworfen hatte.

Die Bedeutung der Symbolik

Obwohl es oft fälschlicherweise als Mahnmal bezeichnet wird, bleibt das Kellerkopfdenkmal im historischen Sinne ein Kriegerehrenmal. „Das Denkmal soll eben nicht sagen ‚Nie wieder Krieg!‘, sondern viel mehr ‚Das habt ihr gut gemacht, Jungs!‘, drückt es Hochgräber aus.

Der damalige Kult um die Erbauung lässt sich auch aus anderen Quellen erahnen. So ist in der Schulchronik der Kellerschule bewusst von Weihfeier die Rede. „Eine Weihe bedeutet, dass ich einen Gegenstand einem höheren Ziel widme“, erklärt Hochgräber. „Die Weihungsfeier war schließlich ein riesiges Ereignis.“

Die vermeintliche Verbindung zwischen Krieg und Religion setzt sich auch im Denkmal selbst fort. Der Aufbau des Kellerkopfdenkmals soll an den Charakter einer Kirche erinnern. „In einer Kirche betrete ich heiligen Raum und lasse den Alltag hinter mir. So war es auch hier von den Erbauern gedacht“, sagt Hochgräber. Die felsenartige Erhöhung auf der das Denkmal steht, symbolisiert unerschütterte Treue. „Wobei Treue immer auch mit absoluter Gehorsamkeit gleichzusetzen war“, so Hochgräber.

Selbst das Material ist nicht zufällig gewählt: Das Gestein stammt aus einem Krater-Schlund bei Maria Laach in der Eifel. „So tief ein Vulkan in der Erde verwurzelt ist, so tief soll laut diesem Denkmal auch die Verbindung zu den Gefallenen sein“, so Hochgräber.

Heutige Bedeutung des Kellerkopfdenkmals

Auch die Treppen stellen architektonische Besonderheiten dar. Die unterschiedlich geebneten Plattformen verdeutlichen ein „Bestreben zu Höherem“: Zum Status eines Kriegshelden solle und müsse man aufsteigen. „Nur der steinerne Frontsoldat bleibt erhoben, die letzte Höhe erreicht man nach dem Verständnis des Denkmals nur mit dem Tod für das Vaterland“, erklärt Hochgräber.

Das Kellerkopf-Denkmal steht mit all seiner Symbolik, die sowohl Golgatha-Kreuze als auch germanische Radkreuze beinhaltet, in der Tradition der Kreuzzüge.

Seit 1978 steht das Ehrenmal unter Denkmalschutz, der Veteranenverband wurde 1945 verboten und später als Traditionsverband weitergeführt.

Die zweifelhafte Symbolik des Kellerkopf-Denkmals sorgt immer wieder für Kontroversen. Auch in der Vortragsrunde wird die heutige Bedeutung des Denkmals diskutiert. Einig sind sich die Teilnehmer und Teilnehmerinnen aber darin, dass es nicht als Mahnmal verstanden werden darf, sondern als Kriegerehrenmal.

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