Sollten mit dem Enkel-Trick hinters Licht geführt werden: Johann und Maria Schuller. Doch es kam anders: Das Rentnerpaar erteilte der Betrügerin (30) eine Lektion. © Marcel Drawe
Landgericht Dortmund

88-Jähriger legte Trickbetrügerin rein – jetzt muss sie vor Gericht

Mit dem perfiden Enkel-Trick soll eine Frau im Kreis Unna mehrere Senioren betrogen haben, zumindest bis sie in Holzwickede selbst in eine Falle getappt ist. Jetzt beginnt ihr Prozess.

Die Kreispolizei hat mit dieser Festnahme im vergangenen Jahr einen guten Coup gelandet: Einer inzwischen 31-jährigen Frau wird vorgeworfen, in mehreren Fällen unter anderem in Unna, Fröndenberg und Kamen teils hohe Summen ergaunert zu haben. Ihre Masche war demnach der sogenannte Enkel-Trick, mit dem sie Senioren um ihr Erspartes gebracht haben soll.

Bald wird sie wegen dieser Vorwürfe auf der Anklagebank sitzen. Wie ein Sprecher des Landgerichts Dortmund auf Nachfrage bestätigte, wird der Fall am 19. Mai vor Gericht verhandelt.

So ein Verlauf ist nicht unbedingt die Regel: In vielen Betrugsfällen kann die Polizei erst im Nachhinein etwas unternehmen. Es liegt gewissermaßen in der Natur der Masche. Trickbetrüger suchen sich meist möglichst naive Opfer, versuchen Gefühle wie Angst hervorzurufen. Dann haben sie besonders leichtes Spiel, die Geschädigten erfolgreich um ihr Vermögen zu bringen.

Den Spieß umgedreht: 88-Jähriger stellte gemeinsam mit der Polizei eine Falle

In diesem besonderen Fall ist es zum einen den Beamten der Kreispolizeibehörde zu verdanken, die bei einem Betrugsversuch der damals 30-Jährigen im November 2020 schnell eingegriffen haben. Zum anderen geht die erfolgreiche Festnahme der Beschuldigten aber auch auf das Konto eines Rentners aus Holzwickede, der rückblickend betrachtet nahezu exakt so reagiert hat, wie es sich die Polizei in solchen Fällen wünscht.

Vereitelter Enkeltrick in Holzwickede: Johann Schuller durchschaute den Betrugsversuch im November und stellte der jetzt Angeklagten eine Falle. An dieser Stelle kam es bei der fingierten Geldübergabe zu einem Gerangel mit der aggressiven Täterin.
Vereitelter Enkeltrick in Holzwickede: Johann Schuller durchschaute den Betrugsversuch im November und stellte der jetzt Angeklagten eine Falle. An dieser Stelle kam es bei der fingierten Geldübergabe zu einem Gerangel mit der aggressiven Täterin. © Archiv/Marcel Drawe © Archiv/Marcel Drawe

Johann Schuller, der zu diesem Zeitpunkt 88 Jahre alt war, bekam mit, wie seine Frau mit einem Telefonat etwas überfordert war. Die mutmaßliche Betrügerin hat die Enkel-Masche genauso aufgezogen wie es in den meisten Fällen passiert. Sie gab sich als Schullers Enkelin aus, erzählte von Geldproblemen, die sie ohne Hilfe der Großeltern nicht lösen könne.

Johann Schuller hat in dieser Situation einen kühlen Kopf bewahrt. Der Rentner nahm den Hörer an sich und hat die Masche sofort durchblickt. Er verstellte nach eigenen Angaben seine Stimme, versuchte bewusst schwächer zu klingen als er tatsächlich war. Dann informierte er die Polizei, die ihm weitere Anweisungen gab, um die Betrügerin förmlich bei der Stange zu halten.

Schuller verabredete sich wie mit der Polizei besprochen mit der Fake-Enkelin unweit von seinem Wohnhaus in Holzwickede, wo eine Übergabe von Geld und Schmuck inszeniert wurde. Was die Trickbetrügerin nicht wusste: Die Polizei war auch vor Ort und lauerte auf den geeigneten Moment für eine Festnahme, die nach einer kurzen Verfolgungsjagd (die Beschuldigte versuchte zu Fuß zu flüchten) am Ende auch gelang.

Am Bahnübergang Westfeld/Talstraße in Fröndenberg-Ardey hatte ein Mann einer Betrügerin eine fünfstellige Geldsumme übergeben.
Am Bahnübergang Westfeld/Talstraße in Fröndenberg-Ardey hatte ein Mann einer Betrügerin eine fünfstellige Geldsumme übergeben. © Archiv/Marcus Land © Archiv/Marcus Land

Im Zuge der weiteren Ermittlungen entstand außerdem der Verdacht, dass ein Zusammenhang zu weiteren Taten aus gleich mehreren Nachbarkommunen bestehen dürfte. So werden der Angeklagten auch vergleichbare Betrugsfälle aus Unna, Fröndenberg und Kamen vorgeworfen. Der zur Tatzeit 30-jährigen Frau ohne festen Wohnsitz wird gewerbsmäßiger und bandenmäßiger Betrug in vier Fällen sowie Nötigung und Körperverletzung zur Last gelegt.

Ob sie auch in die übrigen Fälle, die ihr in der Anklageschrift vorgeworfen werden, involviert gewesen ist, soll also am 19. Mai ab 12.30 Uhr vor Gericht geklärt werden. Das Verfahren wird wegen der hohen Summen (die Rede ist von einem mindestens fünfstelligen Eurobetrag), die im Raum stehen, am Landgericht in Dortmund durchgeführt. Normalerweise sind ähnliche Fälle Sache des zuständigen Amtsgerichts.

Über den Autor
Redaktion Unna
1993 in Hagen geboren. Erste journalistische Schritte im Märkischen Sauerland, dann beim Westfälischen Anzeiger in Werne. Spielt in seiner Freizeit gerne Handball und hört Musik.
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Carlo Czichowski
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