Ein Großteil der Helferinnen und Helfer blieb nach dem Abladen am Mittag noch an der Haarstrang-Sportanlage – schließlich gab es noch Erbsensuppe zur Stärkung. Knapp 40 Freiwillige beteiligten sich insgesamt am Dorfputz. © Greis
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80 Hände und vier Trecker: Dorfbewohner machen den Haarstrang sauber

Viele Hände, schnelles Ende und dann warme Erbsensuppe: So läuft der Dorfputz in Hengsen und Opherdicke, bei dem generationenübergreifend vom Enkel bis zum Opa angepackt wird.

Rund 40 Freiwillige haben sich an diesem sonnigen Samstagmorgen im Oktober dazu entschlossen, beim Dorfputz in Hengsen und Opherdicke mitzumachen. Im Vorjahr in ihre Ämter gekommen, organisieren erstmals Volker Schütte (SPD) für Hengsen und Frank Markowski (CDU) für Opherdicke als Ortsvorsteher die Aktion.

Bei frischen 5 Grad wartet denn auch Volker Schütte zehn Minuten vor zehn gespannt am Hengser Kreisel, wie viele Dorfbewohner dem Aufruf der beiden folgen – und wirkt gelöst, als Schlag zehn Uhr für seinen Ortsteil gut 20 Helferinnen und Helfer sowie zwei Traktoren eingetrudelt sind.

Nachdem der Ortsvorsteher vier Teams bildet und auf Hengsen verteilt, geht es gewappnet mit Müllgreifern, Säcken und Eimern direkt los – um 12 Uhr wartet schließlich die Erbsensuppe an der Haarstrang-Sportanlage auf alle Helfer. Bummeln ist nicht drin.

Ein eingespieltes Team sind Dietmar Hilburg und seine Enkel Max und Paul. Letzterer hat Kumpel Alex im Gepäck. Mit Ralf Stockhaus schließt sich zudem der Vorsitzende des Männergesangverein Hengsen den Vieren an. Zusammen sind sie zunächst für die mehr als einen Kilometer lange Brauckstraße verantwortlich, die sie von Nord nach Süd ablaufen.

Die Erbsensuppe hatten sich die Freiwilligen im Anschluss an den Dorfputz redlich verdient – die wurde übrigens in nachhaltige Becher geschöpft und mit Löffeln aus Holz statt aus Plastik verspeist. © Greis © Greis

Schnapsflaschen als Wegwerfprodukt Nummer eins

Dietmar Hilburgs Schlepper fungiert dabei per angehängter Transportbox sowohl als Taxi als auch als Zwischenabladestation für gefundenen Unrat, der an der Front in der Schaufel gesammelt wird. Es stimmt durchaus nachdenklich, dass sich ein handelsüblicher Eimer für Bauschutt, der 20 Liter fasst, innerhalb von Minuten mit Glasflaschen füllen lässt.

Dafür reichen die wachsamen Augen von Max, Paul und Alex, die mit ihren Greifern vornehmlich Schnapsflaschen aus dem Gebüsch ziehen. Da möchte man gar nicht wissen, wer alles auf dem Weg von A nach B während der Fahrt die Pulle ansetzt.

Nicht nur aus Umweltaspekten bedenklich, dass anscheinend Auto- und Lkw-Fahrer vornehmlich ihre Schnapsflaschen am Straßenrand entsorgen. © Greis © Greis

„Es sollte sich einfach jeder zusammenreißen und seinen Abfall im Mülleimer entsorgen oder eben mit nach Hause nehmen.“

Max Hilburg, 13-jähriger Müllsammler aus Hengsen

Aber auch allerlei Verpackungsmüll sowie die Überreste von im Schnellrestaurant georderten Fast-Food-Menüs landen selbst an einer vergleichsweise wenig stark befahrenen Straße in einer dünn bewohnten Gegend in der Natur. Das nervt den 13-jährigen Max, der an der Brauckstraße sein Zuhause hat: „Ich mache hier für den Natur- und Klimaschutz mit, weil es einfach mega lange dauert, bis der Müll verrottet. Es sollte sich einfach jeder zusammenreißen und seinen Abfall im Mülleimer entsorgen oder eben mit nach Hause nehmen.“

Ralf Stockhaus weiß, dass es auch schon Zeiten gab, als am Ende noch mehr Unrat als an diesem Samstag in den Containern landete. „Es ist schon besser geworden. Aber es ist jetzt im Herbst mit dem Laub und Gebüsch auch nicht einfach, alles zu entdecken.“ Dennoch finden sich letztlich auch größere Teile wie Autoreifen, Matratzen oder diverses Sperrgut in den an der Haarstrang-Sportanlage bereitgestellten Containern.

Ralf Stockhaus (r.) zog mit Dietmar Hilburg (l.) und dessen Enkeln Max und Paul sowie Pauls Kumpel Alex durch den Süden Hengsens, um allerlei Müll am Straßenrand einzusammeln. © Greis © Greis

Im nächsten Jahr soll wieder ein Frühjahrsputz folgen

Für Frank Markowski und Volker Schütte war es der erste organisierte Dorfputz. Ihre Vorgänger, Petra Kittl und Friedrich-Wilhelm Schmidt, hatten zuvor bis zum Ausbruch der Corona-Pandemie acht Jahre in Folge zum Saubermachen geladen und waren auch diesmal als „einfache Helfer“ zugegen. Corona geschuldet wurde der Dorfputz dieses Jahr in den Herbst gelegt. 2022 soll sich das ändern: „Wir werden dann wieder in den alten Rhythmus gehen. Der Dorfputz soll wieder im März stattfinden“, sagt Volker Schütte.

Dann hoffen er und Frank Markowski, dass sich die Bewohner wieder so zahlreich für ihre Dörfer einbringen. „Wir hatten heute einen unheimlichen Zulauf. Ich bin wirklich stolz. Das Engagement der Bürgerinnen und Bürger, die aufheben, was andere achtlos wegwerfen, bedeutet uns ein großes Dankeschön.“

Über den Autor
Redaktion Holzwickede
Jahrgang 1985, aufgewachsen auf dem Land in Thüringen. Fürs Studium 2007 nach Dortmund gekommen. Schreibt über alles, was in Holzwickede passiert. 17.000 Einwohner mit Dorfcharakter – wie in der alten Heimat. Nicht ganz: Dort würden 17.000 Einwohner locker zur Kreisstadt reichen. Willkommen im Ruhrgebiet.
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Christian Greis

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