110 Jahre alt und gar nicht müde

dzEvangelische Frauenhilfe Holzwickede

110 Jahre ist die Evangelische Frauenhilfe Holzwickede alt. Im Herzen ist sie jung geblieben, leistet noch immer eine wichtige Arbeit, denn die Frauenhilfe lässt niemanden allein.

Holzwickede

, 09.10.2018, 18:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Annemarie Hübbe leitet gemeinsam mit Evelin Hartwich die Evangelische Frauenhilfe Holzwickede. Die beiden Frauen teilen sich den Platz an der Spitze, organisieren das Programm, laden zu Vorträgen ein, unternehmen mit den Mitgliedern Ausflüge, feiern Feste. So wie sie jetzt die Jubiläumsfeier zum 110-jährigen Bestehen der Frauenhilfe organisiert haben. Am 24. Oktober wollen die Vorsitzenden mit den Mitgliedern und Gästen zurückblicken und gemeinsam die Frage beantworten, wie die Zukunft aussehen soll.

Zurückgeblickt auf die Anfänge hat Annemarie Hübbe bereits und dazu auch einen Beitrag geschrieben, der im Gemeindebrief der Evangelischen Kirchengemeinde Holzwickede und Opherdicke abgedruckt wurde.

Mit 80 Frauen fing alles an

Die aus etwa 80 Frauen bestehende Gruppe, die im Jahr 1908 zur Frauenhilfe wurde, traf sich bereits 1906 regelmäßig. Es war die Zeit, als sich die Kirchengemeinde Holzwickede offiziell von der Kirchengemeinde Opherdicke trennte. Am 10. August 1908 schlossen sich die Frauen aus Holzwickede dem Provinzial-Verband der Evangelischen Frauenhilfe in Westfalen an. Die Frauen wollten helfen, wollten sozial-diakonische Arbeit und Bildungsarbeit leisten. Und dafür erhielten sie am 10. August 1908 von Kaiserin Auguste Victoria mit der Gründungsurkunde den Auftrag. Die Frauenhilfe Holzwickede war geboren.

Evangelische Frauenhilfe

Satzung und Arbeitsgrundlage

Die Arbeit der Evangelischen Frauenhilfe Holzwickede richtet sich aus entlang der Satzung der Evangelischen Frauenhilfe in Westfalen: „Die Basis aller Frauenhilfearbeit ist die Botschaft der Bibel – das Evangelium. Die Frauen suchen in der Gemeinschaft Begleitung für ihren Glauben und für ihr Leben, um daraus Verantwortung für Kirche und Gesellschaft zu übernehmen. Die gesamte Arbeit wird bildungsorientiert, gemeindebezogen und sozial-diakonisch gestaltet in der Verpflichtung für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung. Die Gruppe trifft sich 14-tägig immer mittwochs von 15 bis 17 Uhr im Gemeindehaus, Goethestraße 6.

Die Frauen engagierten sich, unternahmen Ausflüge, die nicht allein der Unterhaltung, sondern auch der Bildung dienten. Sie sorgten dafür, dass Bedürftige Weihnachtspakete bekamen, Kranken geholfen wurde – und sie stemmten sich sogar gegen den Nationalsozialismus.

„Krieg und Feuerstürme, Flucht und Vertreibung, politische Abgründe forderten gerade sie heraus“, hat Annemarie Hübbe festgehalten. Und sie berichtet vom Jahr 1934, als sich zehn Frauen weigerten, den „Deutschen Christen“ beizutreten. Mit ihren Unterschriften stellten sie sich öffentlich zur Evangelischen Frauenhilfe und wehrten sich damit gegen die Umwandlung in einen Deutsch-Christlichen Frauenverein. „Die Frauen waren es, die in jedem Chaos immer wieder zur Ruhe und Beständigkeit mahnten, sie waren es, die immer wieder mutig den Neubeginn wagten“, sagt Annemarie Hübbe, deren Mutter und auch Großmutter die Frauenhilfe leiteten. Die Vorsitzender der Frauenhilfe waren und sind: Frau Inspektor Flicker, Frau Rektor Schweer, Anna Ihne, Anni Klingsporn, Aenna Tillmann, Marianne Kiefer, Ursula Rüggen und Annemarie Hübbe und Evelin Hartwich.

1929 waren etwa 450 Frauen als Mitglieder verzeichnet. Nach der Integration der Menschen aus den deutschen Ostgebieten konnten 1955 schon 680 Mitglieder in der Frauenhilfe gezählt werden.

Es gibt viel zu tun auch in der Zukunft

„Heute sind wieder circa 80 Frauen in der Mitgliedschaft der Evangelischen Frauenhilfe in Holzwickede“, sagt Annemarie Hübbe und erklärt, dass das soziale Engagement längst die Hauptamtlichen der freien Wohlfahrtsverbände übernommen haben – und da sei es bestens aufgehoben. „In der heutigen globalisierten Welt gibt es noch genug zu tun – auch in unserer kleinen Gemeinde, auch für die Frauen der Evangelischen Frauenhilfe“, blickt die Vorsitzende mit Optimismus in die Zukunft. Wenn es auch heute nicht mehr die jungen Frauen sind, die in die Frauenhilfe eintreten. „Heute sind wir die Hochaltrigen ab 65 Jahren“, weiß Hübbe, dass die Frauen heute nicht mehr wie früher mit der Heirat, sondern mit dem Ruhestand der Gruppe beitreten. Es ist die dritte Lebensphase, die sie dazu bewegt, nicht in Einsamkeit und Isolation zu versinken. „Wir fordern und wir fördern die Frauen“, sagt Annemarie Hübbe. Dass die Frauen „nur Kaffeetrinken und um den Pfarrer herumhampeln“, das weist sie von sich – und das beweisen die Frauen schon allein mit ihrem umfangreichen Programm. Unvergessen ist zum Beispiel die Podiumsdiskussion mit den beiden Bürgermeisterkandidaten Ulrike Drossel und Michael Klimziak im Jahr 2015.

Was Annemarie Hübbe aber in den vergangenen Jahre mit Freude beobachtet hat: „Wir werden nun wieder mehr Frauen. Für uns bleibt weiterhin viel Arbeit: Alleinstehende, Einsame, die aus dem Netz fallen, Kranke… Wir müssen aufeinander achten“, richtet Hübbe einen Appell an alle Menschen.

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