Endlich Freibadwetter: Der vermutlich heißeste Tag des Jahres - und der besucherstärkste - beginnt für Schwimmmeister schon am frühen Morgen. Sie behalten mehr als Wassertemperatur und Beckenrandspringer im Auge.

Holzwickede

, 02.06.2019 / Lesedauer: 4 min

Erst 8.30 Uhr, aber blauer Himmel und knapp über 20 Grad: Ins Wasser springen könnte man eigentlich schon jetzt. Und das denken sich auch die ersten Holzwickeder, die viel zu früh vor der Schönen Flöte warten. „Hat noch zu, hätte ich auch nicht gedacht“, sagt eine Frau im geblümten Kleid, die schon ungeduldig vorm Tor auf und ab geht - während es ein anderer Frühaufsteher ruhiger angehen lässt, ein schattiges Plätzchen auf einer Bank bezogen hat.

Im Eingangsbereich bei den Umkleiden wird noch gewischt: „Chef ist unten“, heißt es. Gemeint ist Michael Hegener. Seit über 30 Jahren steht der Schwimmmeister am Beckenrand. Er kennt die guten Sommer und die schlechten Sommer, erinnert sich an Zeiten, in denen um 8 Uhr morgens schon Familien vor dem Eingang saßen, Würstchen und Kartoffelsalat gegessen haben.

Vorbereitung auf über 1000 Badegäste in der Schönen Flöte

Um 8.30 Uhr am Sonntagmorgen ist das Freibad nicht geöffnet. Liegewiese und Pool sehen in sattem Grün und hellem Blau allerdings schon einladend aus. © Hornung

Am Sonntag werden doppelt so viele Besucher wie am Samstag erwartet

Mit rund 500 Besuchern war der Samstag schon ein guter Auftakt in die Badesaison. Für den Sonntag sind noch ein paar Grad mehr angesagt. Und der Schwimmmeister rechnet mit doppelt so vielen Besuchern. „Samstagvormittags stehen bei den meisten erst noch Einkäufe an“, erklärt Hegener, der sein Klientel dank jahrzehntelanger Erfahrung kennt.

Wenn das Freibad um 9 Uhr öffnet, beginnen er und zwei weitere Kollegen spätestens gegen 8.30 Uhr mit der morgendlichen Kontrolle. Die Wasserqualität muss stimmen. Aber auch alles andere rund um die Becken. „Nachts springen hier schon mal Jugendliche heimlich ins Wasser“, weiß Michael Hegener. Wenn die dann Müll, oder im schlimmsten Fall kaputte Bierflaschen hinterlassen, ist das für Badegäste am nächsten Morgen nicht nur ärgerlich, sondern auch gefährlich.

Vorbereitung auf über 1000 Badegäste in der Schönen Flöte

Ruhe vor dem Sturm: Während die Schwimmmeister die Filteranlage reinigen, ist das Becken noch verwaist. Nur wenige Stunden später werden hier Dutzende Kleinkinder mir ihren Eltern spielen. © Hornung

Technik bestimmt die Wasserwerte - das Reinigen der Filter bleibt Handarbeit

Während über ihm auf der Liegewiese, die bevorzugt von Familien genutzt wird, noch alles still ist, kein vergnügter Nachwuchs kreischt, reinigt der Schwimmmeister eine Etage tiefer die Filter für das Planschbecken. Im Vergleich zu den großen Becken, die jeweils drei Filter haben, ist für das Kinderbecken alles etwas kleiner. In dem kleinen „Maschinenraum“ ist es warm, stickig, es riecht nach Chlor. Hegener und sein Kollege bauen die Haar- und Faserfilter aus. Sie sorgen dafür, dass große Teile nicht mehr in den weiteren Wasserkreislauf gelangen. Das bleibt Handarbeit. Auch wenn inzwischen gute Technik dabei hilft, die Qualität des Wassers aufrecht zu erhalten. Gerade das Planschbecken haben die Schwimmmeister besonders im Blick. Gehe dort doch im wahrsten Wortsinn ab und an etwas in die Hose.

Vorbereitung auf über 1000 Badegäste in der Schönen Flöte

Wie viel Technik nötig ist, um ein kleines Kinderbecken in Schuss zu halten, können sich wohl die wenigsten Badegäste vorstellen. Schwimmmeister Michael Hegener reinigt jeden Morgen die Filter, damit die Anlage später rund läuft. © Hornung

Vorbereitung auf über 1000 Badegäste in der Schönen Flöte

Für Schwimmer- und Nichtschwimmerbecken gibt es jeweils drei Filter, die einmal morgens und regelmäßig während des Badebetriebs gereinigt werden müssen. © Hornung

„pH-Wert, freier Chlorgehalt, es gibt so viele Komponenten, die stimmen müssen, damit alle Leute wieder gesund nach Hause gehen“, sagt der Schwimmmeister. Dass das hierzulande so streng kontrolliert werde, sei richtig und wichtig. In der Nähe der jeweiligen Filteranlage befinden sich Messgeräte. Doch das Freibadpersonal verlässt sich längst nicht nur auf diese Technik. Zur Kontrolle wird auch direkt am Beckenrand nachgemessen. Das Badewasser wird immer wieder aufbereitet. Pro Badegast wird dem Kreislauf allerdings auch eine vorgeschriebene Menge Frischwasser zugeführt.

Das Schwimmerbecken wird nicht beheizt, hat aktuell etwa 20 Grad

Während mit den meisten Wasserwerten nur Experten etwas anfangen können, gibt es einen Wert, der viele Badegäste brennend interessiert und am Sonntag, sowie fast jeden Tag, mehrfach telefonisch erfragt wird: die Wassertemperatur. Stammgäste wissen, dass das Schwimmerbecken gerade zu Beginn der Saison nichts für Warmduscher ist. „Das liegt daran, dass es nicht beheizt wird“, erklärt Michael Hegener. Wenn es eine Zeit lang sonnig bleibt, lässt es sich aber auch dort gut aushalten. 20 Grad beträgt am Sonntag die Temperatur des Wassers für das Kinderbecken, das aber so flach ist, dass das Wasser dort schnell aufheizt. 25,5 Grad sind es am Sonntagmorgen im Nichtschwimmerbecken und 20 Grad im Schwimmerbecken.

Zuletzt werden noch ein paar Sonnenschirme aufgespannt und kaum haben die Schwimmmeister ihre Morgenroutine beendet, stürzen sich auch schon die ersten Badegäste, ohne zuvor ihre Decken auszubreiten, ins Becken. Egal welches Wetter: Wenn die Saison im Freibad Schöne Flöte einmal gestartet ist, dann ist auch geöffnet.

Gegen 13 Uhr sind die Erwartungen der Schwimmmeister bereits übertroffen. Der Parkplatz ist voll, die Schlangen an Eingang und Kiosk sind lang und rund 1200 Badegäste sind schätzungsweise schon da. Bis zum Abend dürften es noch einige mehr geworden sein.

Das Nichtschwimmerbecken ist wieder in Betrieb, das Aktionsbecken wird noch saniert

Seit Donnerstag, 23. Mai, steht auch das Nichtschwimmerbecken, das repariert werden musste, wieder zur Verfügung. Ab jetzt ist das Freibad montags bis samstags von 10 bis 19 Uhr sowie sonn- und feiertags von 9 bis 19 Uhr und für Frühschwimmer werktags von 6.30 bis 9 Uhr geöffnet. Das Aktionsbecken mit Rutsche wird noch repariert.

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