Ein Mann aus Davensberg steht vor Gericht, weil er in über 80 Fällen Marihuana an seine minderjährige Ex-Freundin ausgegeben haben soll. © Symbolbild picture alliance/dpa
Betäubungsmittel-Missbrauch

80 Fälle von Cannabis an Minderjährige: Staatsanwaltschaft geht gegen 900-Euro-Strafe vor

Ein Davensberger soll in 80 Fällen Marihuana an seine damalige, minderjährige Ex-Freundin weitergegeben haben. 900 Strafe sollten es sein, doch die Staatsanwaltschaft forderte Berufung.

Bleibt es bei einer milden Geldstrafe oder geht es ins Gefängnis? Zwischen diesen Polen bewegen sich die Erwartungen für einen 35-jährigen Pakistaner aus Davensberg, der seit Dienstag (16. November) vor der 5. Strafkammer des Landgerichts Münster auf der Anklagebank sitzt. Wegen des Besitzes von Marihuana hatte ihn das Amtsgericht Lüdinghausen im März 2019 zu einer Geldstrafe von 90 Tagessätzen à 10 Euro verurteilt.

Dagegen ging die Staatsanwaltschaft in Berufung. Denn sie wirft ihm außerdem die Abgabe von Cannabis an eine Minderjährige in 80 Fällen vor. Diesen Tatvorwurf hatte das Amtsgericht als nicht erwiesen angesehen und den Mann insofern freigesprochen. Nach dem erstinstanzlichen Urteil ermittelte die Staatsanwaltschaft weiter und stieß dabei auf neue Zeugen.

Davensberger soll Ex-Freundin in Wange und Arm gebissen haben

Laut Anklage soll der Mann seine damalige Freundin aus Herbern von Januar bis März 2017 mit Drogen versorgt haben, während deren Mutter in einer Klinik war. In dieser Zeit wurde das Mädchen 15 Jahre alt. Gestern sagte die mittlerweile 19-Jährige vor Gericht aus und belastete den Angeklagten schwer. Meistens hätten sie gemeinsam Joints gekifft. Doch einmal hätte sie das Cannabis im Zimmer des Angeklagten im Flüchtlingsheim in Davensberg in einer Bong geraucht, einer Wasserpfeife ohne Schlauch. Danach sei ihr fürchterlich schlecht geworden. „Ich hatte das Gefühl, ich muss sterben“, erklärte die 19-Jährige gestern. Außerdem schilderte sie Übergriffe des Ex-Freundes. Er habe ihr die Wange oder den Arm blau gebissen.

Der Angeklagte wies das alles deutlich zurück. Er nehme zwar schon seit seinem 15. Lebensjahr Marihuana. Das begann schon in Pakistan und setzte sich in Griechenland fort, wo er ab 2005 zehn Jahre lang lebte. 2015 kam er nach Deutschland. Aus seiner Heimat sei er wegen politischer Verfolgung geflohen. Sein Asylantrag wurde allerdings abgelehnt. In Davensberg lebt er mit einer Duldung, die ihn derzeit vor Abschiebung schützt.

Auch hier konsumiere er regelmäßig Cannabis. Doch seiner Freundin habe er nie etwas davon gegeben. Sie habe ihr „Gras“ vielmehr von anderen bekommen. Der vorsitzende Richter fragte nach: „Sie haben gekifft, ihre Freundin hat gekifft. Aber sie haben nie zusammen geraucht?“ Der Angeklagte blieb dabei. Die Vorwürfe seiner früheren Freundin seien gelogen. Aus Rache, weil er mit ihr Schluss gemacht habe.

Eine weitere wichtige Zeugin erschien trotz Ladung gestern nicht vor Gericht. Ihre Aussage hält die Kammer aber für unverzichtbar und vertagte sich deshalb auf den 1. Dezember.

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