Seit Menschengedenken macht Jochen Trapp das bisschen schon am Sportplatz vom SC. Mit 76 könnte er doch den Feierabend seines Lebens genießen – aber Trapp verbringt ihn täglich „aufm Platz“.

von Martin Krehl

Fröndenberg

, 25.08.2019, 04:55 Uhr / Lesedauer: 3 min

Immer ist er da, immer. Es vergeht kein Wochentag, an dem er nicht kommt. „Nein, nicht ganz“, schränkt Jochen Trapp ein: „Samstags um halb vier, da muss die Welt ohne mich zurecht kommen.“ Dann guckt die gute Seele vom Sportplatz an der Graf-Adolf-Straße, was sein BVB so macht. Das tut er entweder im Stadion oder mit anderen Fans am Fernseher.

Und fast immer sonntags, da ist Jochen Trapp auch nur kurz auf dem Platz, um nach dem Rechten zu sehen, denn sonntags reist er mit der ersten Mannschaft zu allen Auswärtsspielen mit. Seit 1961 tut er das, 58 Jahre schon. Wie oft er Linienrichter war, kann er nicht mehr sagen. Viele Hundert mal. Die Zweite vom SC, als es die noch gab, hat Jochen Trapp 35 Jahre ununterbrochen betreut.

Trapp merkt seine 76 Jahre Lebenszeit nun doch immer häufiger, die alten Knochen können nicht mehr so recht wie das flotte Gehirn will. Und das treue Herz, wenn es nach dem ginge. Aber immer noch ist Trapp dem SC Fröndenberg verbunden wie kein Zweiter.


Wenn es nach dem Herzen ging...

Zweiter Kassierer und zuständig für das Spielerpass-Wesen, für alle Einkäufe fürs Vereinsheim und für den Dienst am Tresen dort überhaupt und sowieso. Ach, so – Zeugwart ist er auch: Wenn die Jungs ihre verschwitzten Klüngel dann durcheinander schmeißen statt für die Waschmaschine sortiert ablegen, dann könnte Jochen Trapp schon mal aus der Haut fahren. Tut er aber nicht.

Die grobe Pflegearbeit draußen auf dem städtischen Platz erledigt längst ein Jüngerer im Hauptberuf, aber Jochen Trapp ist trotzdem jeden Tag da, schließt auf, schließt ab und ist zuständig. Er kennt jeden Stromanschluss, jede Wasserleitung, jede Sicherung, jede Tribünenstufe. „Vor jedem Spiel, egal, ob die Erste in der Kreisliga, die vier Jugendmannschaften in der Spielgemeinschaft mit Bausenhagen oder die Alten Herren, vor jedem Spiel bin ich eine Stunde eher da und bleibe als Letzter am Platz“.

Zuhause wartet leider keiner mehr auf ihn, seine längst verstorbene Lebensgefährtin hatte ihn immer gewähren lassen. Den Haushalt in der Wohnung hat ver fix erledigt, dann ist Jochen Trapp wieder voll und ganz für den SC da. Ob's stürmt, ob's schneit, bei Wind und Wetter.

Wer st für Sie
eine gute Seele?

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Ob's stürmt, ob's schneit

An der Eckfahne kommt Trapp ins Sinnieren: „Ich bekäme die Linie heute noch gerade abgekreidet, immer auf die nächste Fahne gucken, so geht das.“ Für die Torräume gibt es Markierungen, früher hatte er sich mal eine Schnur gelegt, aber das wurde ihm dann auch zu mühsam. Heute, nein, heute macht all' das ein Jüngerer. Spricht's und wandert über den frisch abgezogenen Ascheplatz. „Zur Kontrolle.“

Nächstes Jahr soll ja ausgebaut werden, dann wird das Schmuckstück von einem picobello gepflegten Stadion zu einem Sportpark erweitert. Dann kommt Kunstrasen und Tartan – „das wird nicht weniger Arbeit als früher“, meint Trapp. Aber das wird er dann nicht mehr machen, das machen Maschinen und die Jüngeren.

Die Linien werden dann nicht mehr gezogen, die werden aufgedruckt sein. Nein, die Kilometer Keidestriche all die Jahrzehnte, die hat er nicht gezählt. Vielleicht käme er einmal um den Äquator rum, vielleicht. Gefühlt ganz sicher.

Der gelernte Betriebselektriker ist seit 1961 Vereinsmitglied, Fußball gespielt hat er aber tatsächlich nie. „Ich hatte dafür kein Talent“, resümiert er heute. Aber interessiert at ihn Fußball immer schon. Und die Vereinsfamilie, das Zugehörigkeitsgefühl, vor allem die Anerkennung für ihn, den unermüdlichen ehrenamtlichen Rackerer.

Heute will jeder Papa Trainer sein

Heute verlieren sich mal zehn oder 20 Zuschauer auf den Stufen am Sportplatz, vielleicht mal 50 bei den Jugendspielen. In der Spitze hatte man früher mal 2600 Zuschauer bei einem Klasse-Spiel, lange ist das her.

Weil es bei ihm immer ordentlich und korrekt sein muss, kann er mutwillige Spielabbrüche nicht leiden. Immer öfter passiert das in der Jugend: „Die Eltern sind ja immer mit, dann will jeder Papa Trainer sein, das artet dann immer öfter aus und es gibt Krach.“

Jochen Trapps Treue zum Vereinssport ging soweit, dass er den Wechsel in die digitale Spielverwaltung am PC auch mitmachen musste, sonst hätte er das drangeben müssen. Mannschafteh einladen, Schiedsrichter bestellen und so weiter. „Aber ich habe auch das noch hingekriegt, im Büro hinten im Vereinsheim.“

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