Wo sich Erdkröte, Grasfrosch und Bergmolch wohlfühlen

dzRenaturierung

Große Veränderungen stehen im Naturschutzgebiet Strickherdicker Bachtal an. Nach langer Planung soll die 23 Hektar große Fläche zwischen Langschede und Strickherdicke renaturiert werden.

von Jana Peuckert

Fröndenberg

, 15.09.2018, 20:13 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der unter Schutz gestellte mittlere Abschnitt des Strickherdicker Bachtals umfasst Grünland-, Brache- und Waldflächen im Talkomplex, zählt Falko Prünte, Wissenschaftlicher Mitarbeiter der Biologischen Station Unna-Dortmund, auf. An den Hangkanten herrschen naturnahe Laubwaldbestände vor, während im südlichen Teil große Feuchtbrachen das Landschaftsbild bestimmen. Ideale Bedingungen für Mädesüß (Rosengewächs), Rohrglanzgras, Seggenrieder (Sauergras) und Schilfröhricht. Und auch Tiere fühlen sich dort wohl. So dienen Tümpel als Laichplatz für Erdkröte, Grasfrosch und Bergmolch.

„Die Talaue und der Bachlauf im Naturschutzgebiet unterlagen in den letzten 150 Jahren einem beständigen Wandel“, sagt Prünte. Das Grünland sei als Flößwiese genutzt worden, um ein frühes, gleichmäßigeres und kräftigeres Wachstum des Grases für das Mähen zu erreichen. Flößwiese ist die Wiesenbewässerung beziehungsweise Bewirtschaftung von Wässerwiesen in der Landwirtschaft mit dem Ziel der Düngung und besseren Wasserversorgung der Wiesen. Dafür wurden am Strickherdicker Bach kleine Stauwehre eingebaut.

„1934 hat der Nationalsozialistische Arbeitsdienst (NSAD) den Strickherdicker Bach durch den Einbau von Stauwehren, die Anlage von Quer- und Seitengräben und den Bau von Brücken massiv umgestaltet und in weiten Abschnitten begradigt“, erklärt Prünte. Zwischen Langschede und dem Heideweg sei der Bachlauf in die Talmitte verlegt worden.

Zerstörte Drainage

Die 1950er-Jahre brachten einen erneuten Umschwung. Plötzlich gab es Kunstdünger und die Mechanisierung schritt fort. Das machte Flößwiesen überflüssig. Auch im Strickherdicker Bach kam diese Nutzung kaum noch vor. Die Wiesen wurden zu Brachflächen und die Stauwehre wurden nicht mehr eingesetzt.

Wo sich Erdkröte, Grasfrosch und Bergmolch wohlfühlen

Wo Wasser im Naturschutzgebiet vorhanden ist, finden Tiere wie Erdkröte, Bergmolch und Grasfrosch ideale Bedingungen zum Leben und um sich fortzupflanzen.

Mitte der 1960er-Jahre zerstörten Baufahrzeuge, die einen Abwasserkanal zwischen Strickherdicke und Langschede verlegten, teilweise die Ton-Drainagen der Grünlandflächen. Das führte jedoch keinesfalls zum Austrocknen. Die Flächen wurden trotzdem nass, nämlich durch das Hangdruckwasser der Seitenkanten. Das hatte zur Folge, dass der Einsatz von Landmaschinen in diesem Bereich zunehmend schwieriger wurde, sagt Prünte. Die letzte Begradigung des Bachlaufs zog eine starke Tiefenerosion nach sich. An manchen Stellen lag der Bach plötzlich bis zu vier Meter unter Geländeniveau. Dadurch war kein Wasser mehr für die feuchten Brachwiesen da. Aus Sicht des Naturschutzes eine Entwertung, so Prünte.

Suche nach Weg

Doch dem soll nun abgeholfen werden. Seit Jahren suchen der Kreis Unna und die Biologische Station Unna-Dortmund nach einen finanzierbaren Weg, den Strickherdicker Bach wieder in einem natürlichen Bett verlaufen zu lassen und die angrenzenden Flächen wieder zu vernässen.

Erlösung

Im vergangenen Jahr kam die erlösende Nachricht: Die Bezirksregierung Arnsberg hat Fördermittel zur Renaturierung zugesagt. „Im Südteil des Naturschutzgebietes wird der Kreis Unna die Lauflänge des Baches durch ein neu herzustellendes, mäandrierendes Bachbett erhöhen und die Tiefenerosion damit stoppen“, erläutert Prünte. Mäander ist (laut Wikipedia) eine Flussschlinge in einer Abfolge weiterer Flussschlingen. Als Verbindung zwischen den tiefer und höher gelegenen Bachteilen soll eine Sohlrampe gebaut werden. Dort kann das Wasser herabrieseln. Auch Fische können diese Stelle passieren. Durch die Rampe soll verhindert werden, dass sich das Wasser wieder in die Tiefe frisst. Wenn alles nach Plan verläuft, sollen die Arbeiten zur Renaturierung im Frühjahr 2019 abgeschlossen sein.

Wo sich Erdkröte, Grasfrosch und Bergmolch wohlfühlen

Am Rande des Naturschutzgebietes haben sich vermehrt Brennnesseln angesiedelt.

Ziel der Maßnahme und der Unterschutzstellung des Strickherdicker Bachtals soll es sein, das landschaftstypische Mosaik verschiedener Lebensräume der Bachaue und der angrenzenden Wald- und Grünlandflächen zu erhalten. Zusätzlich anzulegende Kopfbaumreihen und Raine (gehölzfreie, schmale Streifen zwischen Kulturflächen) sollen die Strukturvielfalt erhöhen.

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