Ein Fröndenberger soll am 20. Juni 2020 in Hamm einen schweren Raub begangen haben (Symbolfoto). © Marcus Land
Landgericht Dortmund

Wild-West-Überfall in Hamm: Fröndenberger darf auf Milde hoffen

Im Prozess gegen einen Fröndenberger, der bei einem Raubüberfall in Hamm zwei Messer in die Kassentheke gerammt haben soll, sind die Plädoyers gehalten worden. Der Angeklagte darf hoffen.

Im Normalfall sieht das Gesetz für einen schweren Raub mit Waffen eine Mindeststrafe von fünf Jahren vor. Und der Fall des Fröndenbergers erfüllt tatsächlich alle Grundvoraussetzungen dafür. Der Angeklagte hat die Angestellte eines Tedi-Marktes in Hamm mit zwei Messern bedroht und zur Herausgabe von rund 1000 Euro Bargeld gezwungen.

Bei näherer Betrachtung unterscheidet sich die Tat dann aber doch von einem Regelfall. Und das hat mit der Person des Angeklagten zu tun. Der 44-Jährige ist seit Jahren drogen- und alkoholabhängig. Auch bei dem Überfall will er so zugedröhnt gewesen sein, dass er sich heute kaum noch an etwas erinnern kann.

Keine Erinnerung an die Tat

Vor allem aber hat er das Geld geraubt, um seine Sucht zu befriedigen. „Die Beute habe ich in drei Tagen durchgebracht“, hatte er zu Prozessbeginn erklärt. Das gesamte Geld sei für Heroin, Kokain und Alkohol draufgegangen.

Der vom Gericht eingesetzte Psycho-Gutachter Malik Mbamba attestierte dem Angeklagten am Donnerstag eine so schwere Abhängigkeit, dass man davon ausgehen muss, dass der Fröndenberger zur Tatzeit nur vermindert schuldfähig war. Damit darf der 44-Jährige auf eine deutlich mildere Strafe hoffen.

Der Staatsanwalt beantragte schließlich in seinem Plädoyer zwei Jahre und neun Monate Haft. Wie vom Gutachter empfohlen forderte er außerdem, dass der Angeklagte die Zeit nicht in einem „normalen“ Gefängnis, sondern in einer geschlossenen Klinik verbringen soll, wo er eine Suchttherapie machen muss.

Unterbringung beantragt

Diesen Schritt bewertet der Angeklagte zwar selbst als „kritisch“, er will sich dem allerdings auch nicht verschließen. „Ich weiß ja, dass ich etwas ändern muss“, sagte er den Richtern. Mit 44 Jahren werde er so viele Chancen wahrscheinlich nicht mehr bekommen.

Sein Verteidiger verzichtete darauf, eine konkrete Strafe zu beantragen. Doch auch er hält eine Unterbringung in einer Entziehungsklinik für richtig und sinnvoll. Wie die Richter den Fall bewerten, wird sich am Dienstag nach Ostern zeigen. Dann soll das Urteil gesprochen werden.

Kommt es dann genau wie beantragt, würde der Angeklagte sofort nach der Rechtskraft des Urteils aus dem Gefängnis in eine Therapieeinrichtung verlegt. Die wahrscheinliche Behandlungsdauer bezifferte Gutachter Mbamba am Donnerstag mit zwei Jahren. Schließt der Fröndenberger die Therapie erfolgreich ab, würde er danach in Freiheit kommen.

Über den Autor
Lesen Sie jetzt