Nicht immer mahnte der Volkstrauertag zum Frieden. Schon vor dem Nationalsozialismus nutzten Kriegstreiber den Heldengedenktag, um das Volk zu neuen Taten anzustacheln. Auch in Fröndenberg.

Fröndenberg

, 18.11.2018, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

An verschiedenen Orten in der Stadt treffen sich heute wieder Bürgerinnen und Bürger, um an die Opfer der beiden Weltkriege und des Nationalsozialismus zu denken und sie zu ehren. Der Tag soll zum Frieden mahnen, indem er daran erinnert wie viel Leid die Kriege brachten.

Doch für den Frieden stand der vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge nach dem Ersten Weltkrieg vorgeschlagene Volkstrauertag nicht immer. Im Nationalsozialismus wurde er Heldengedenktag genannt, wie der Stadtarchivar Jochen von Nathusius erklärt. Die Nationalsozialisten nutzten den Tag, um aus Opfern des Ersten Weltkriegs Helden zu machen, die es im Zweiten Weltkrieg zu rächen galt.

Der Stadtarchivar beschäftigt sich mit einer heiklen Rede am Ehrenmal

Aktuell beschäftigt von Nathusius sich mit einer Rede, die am Vorabend der 700-Jahr-Feier Fröndenbergs dort gehalten wurde, wo auch heute wieder der Kriegsopfer gedacht wird – am Ehrenmal an der Eulenstraße. Sie stehe sinnbildlich für die Umdeutung der Trauer wie sie in der damaligen Zeit aufkam. Gehalten hat sie Ernst von Oven (1859-1945), Sohn einer Schwägerin des Pfarrers Friedrich von Bodelschwingh, der bis 1872 Pfarrer in Dellwig war.

Wie aus Trauer Kriegsverherrlichung wurde

Das Ehrenmal wurde am 12. Juli im Jahr 1930 von einer Festgesellschaft eingeweiht. General Ernst von Oven hielt eine Rede, die Fröndenbergs Stadtarchivar Jochen von Nathusius in diesem Jahr beschäftigt.

Bereits die Geschichte des Ehrenmals als Bauwerk ist nicht unumstritten. Standen doch die Sozialdemokraten der Errichtung kritisch gegenüber: 1924 plante die politische Gemeinde Fröndenbergs ursprünglich, ein Ehrenmal für die Gefallenen des Ersten Weltkriegs im Stiftspark nördlich der Stiftskirche zu errichten. Doch das Projekt wurde nicht verwirklicht. Bereits für das Projekt gesammelte Spenden vernichtete die Inflation, so der Stadtarchivar.

Der Grundstein für das höchst umstrittene Ehrenmal wurde 1930 gelegt

Am Volkstrauertag, der im Jahr 1930 am 16. März begangen wurde, wurde der Grundstein für das Ehrenmal an der damaligen Schulstraße und heutigen Eulenstraße gelegt. Es sollte bis zur 700-Jahr-Feier der ersten urkundlichen Erwähnung Fröndenbergs fertiggestellt sein. „Ein Denkmal soll es werden, wuchtig und ernst, würdig der Taten der gefallenen Helden“, verlas der Vorsitzende des Kriegervereins, Kaufmann Hermann Scheve, zur Grundsteinlegung.

Wie aus Trauer Kriegsverherrlichung wurde

Das Ehrenmal an der Eulenstraße war bei seinem Bau umstritten, hier kurz vor der Fertigstellung im Jahr 1930.

Erst elfeinhalb Jahre nach dem Ende des Ersten Weltkriegs konnte an diesem Tag mit dem Bau begonnen werden. Die SPD und die freien Gewerkschaften hätten die Baukosten lieber für den Wohnungsbau ausgegeben.

„Pazifismus ist Untergang“ rief der Redner den Gästen 1930 zu

Am 12. Juli 1930 war das Ehrenmal fertiggestellt. Der General der Infanterie, Ernst von Oven, hielt seine Festrede zur Einweihung, an der abzulesen war, wie sich die Stimmung in Deutschland in den folgenden Jahren entwickeln würde: „Ein Volk, das sich dem Pazifismus ergibt“, so heißt es darin, sei „untrennbar dem Untergang geweiht“. Wer „voll edelster Begeisterung“ in den Tod gegangen sei, „wen die Kugel ins Herz traf, als der Mund das Hurra des Sieges rief“, der sei nicht zu beklagen, sagte von Oven. Deutschland müsse aufrüsten, um Feinde abzuschrecken. Wo der Geist von 1914 geblieben sei, fragte er die Festgesellschaft. Nach dem Ersten Weltkrieg sei das Volk verweichlicht, selbst- und genusssüchtig geworden, was die Kriegsmoral verderbe. „Sollen dafür zwei Millionen unserer Kameraden das Leben geopfert haben“, fragt von Oven weiter. Alle müssten jetzt an einem Strang ziehen, um „das Testament der Gefallenen zu vollstrecken“. Dazu gehöre es auch, die Jugend im „Geist der Wehrhaftigkeit und des Machtwillens als zukünftige Streiter für Deutschlands Freiheit und Ehre“ zu erziehen.

Schon kurz nach dem Zweiten Weltkrieg, Ende der 1940er-Jahre, wurde eine zum Frieden mahnende Spruchtafel an der Front des Denkmals angebracht.

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