Ein modernes Kommunikationsmittel machen alteingesessene Dörfler zu ihrem kurzen Draht: Bald jeder Haushalt in Altendorf ist einer WhatsApp-Gruppe angeschlossen – der Zusammenhalt ist seitdem noch stärker.

Fröndenberg

, 10.08.2018, 10:29 Uhr / Lesedauer: 3 min

Susanne Jacob schaut Roland Schwerte an. „Wir haben die drei Ks nicht“, sagt die Altendorferin. Roland Schwerte nickt. „Kirche, Kneipe, Kiosk.“ Die klassischen Orte der Kommunikation fehlen im westlichsten Fröndenberger Stadtteil. Miteinander in Kontakt zu kommen, obwohl man gerade 270 Einwohner und 65 Häuser zählt, wird durch eine geographische Eigenschaft zusätzlich erschwert.

„Wir sind ein Straßendorf“, ergänzt Roland Schwerte – im lang gestreckten Altendorf mit zwei Haupt- und wenigen Nebenstraßen, läuft man sich eben nicht immer über den Weg – erst Recht nicht, wenn man in unterschiedlichen „Stadtteilen“, dem Unterdorf und dem Oberdorf, lebt.

Nachdem im Dorf ein Unbekannter Kinder einmal ansprach, sollte ein „kurzer Draht“ her

Die erste Idee, Groß-Altendorf an einen Tisch zu bekommen, waren die Nachbarschaftstreffen. Eine alte Gulaschkanone schaffte man an und, entweder an der alten Volksschule oder auf Nachbars Hof, kam man beim zünftigen Grünkohlessen mal so richtig ins Gespräch. Denn im Sommer lassen sich Feste meist leicht organisieren. „Im Winter gibt es hier aber gar keine Begegnungsmöglichkeit“, erzählt Susanne Jacob.

Lange zu lamentieren scheint allerdings nicht zum Charakter der Altendorfer zu passen. Nachdem sich einige Vorfälle im Dorf ereigneten, die mal ein leichteres, mal ein stärkeres Unwohlsein auslösten, musste eine Vernetzung der Nachbarn her, die spontan, schnell und praktikabel ist – eine WhatsApp-Gruppe.

Raser auf der Altendorfer Straße – da könnte man doch auch das Kennzeichen notieren

Die Idee kam im vergangenen Herbst gut an. Susanne Jacob, die als Administratorin den Chat-Verlauf kontrolliert, hat mittlerweile mehr als 40 Teilnehmer – in Altendorf heißt das: Zwei Drittel aller Haushalte sind an den „Dorf-Rundfunk“ angeschlossen, jeder Straßenzug sowieso. Ernsthafte Gründe, ganz fix Nachrichten im Dorf kundzutun, gab es seither immer wieder – bloß kann man nun umgehend informieren oder auch warnen. Vor einiger Zeit hatte ein Unbekannter aus dem Auto heraus auffällig oft Kinder im Dorf angesprochen. „Damals haben wir sofort untereinander telefoniert – jetzt geht das schneller“, erzählt Susanne Jacob.

WhatsApp-Gruppe macht Jagd auf ausgebüxte Nandus

In Altendorf waren zwei Nandus aus einem Gehege entlaufen. © privat

Aber auch wenn wieder einmal ein Raser die Altendorfer Straße hochjagt, wird gewarnt nach dem Motto: Leute, holt die Kinder rein – oder, liebe Nachbarn am Ortsausgang, schreibt euch doch mal das Kennzeichen auf. Als schnelles Medium für – ernste – Nachrichten im Dorf hat sich die „Altendorfer Pinnwand“ wie sie ihre WhatsApp-Gruppe nennen, in kürzester Zeit etabliert.

Analog klappt‚s im Dorf aber nach wie vor mindestens so gut wie digital

„Wenn aber zu viel Quatsch gepostet wird, melden sich Mitglieder auch wieder ab“, weiß die Administratorin, die von Roland Schwerte an diesem Nachmittag einen Aufnahmewunsch entgegennimmt: „Dagmar möchte jetzt auch dabei sein.“

Jetzt könnte man meinen, dass es den Digitalsender gebraucht hat, um das Knapp-unter-300-Seelen-Dorf zusammenzuschweißen. Analog geht’s auch noch im Dorf. Nachbarschaft wird noch nach alter Väter Sitte gepflegt. „Einen neuen Nachbarn haben wir kürzlich mit Brot, Salz und einem Centstück begrüßt“, erzählt Susanne Jacob. Und vor einigen Tagen stand das ganze Dorf beisammen am Straßenrand und hat beim Radrennen mächtig angefeuert. Na ja, und die Bürgerinitiative „Sichere Straßen in Altendorf“ hat ja sogar schon gemeinsame verkehrspolitische Kämpfe ausgefochten.

Selbst wenn man nicht nur gut im Dorf aufgenommen wird und bei Frühjahrsputz in den Gassen, Osterfeuer oder Bürgerversammlungen sofort eingeladen wird – Neubürger werden ihr Etikett bei den Alt-Altendorfern nicht los.

Echter Altendorfer ist man frühestens nach 30 Jahren Leben im Ort

„Das liegt daran, dass man Altendorfer erst nach 30 Jahren wird“, behauptet Roland Schwerte steif und fest – kein Scherz, das ist wirklich so. „Wir sind die ,Neuen‘ aus der Bachstraße“, bestätigt Susanne Jacob. Zur Info: Jacobs zogen 1986 in die Ringstraße, die vor der kommunalen Neuordnung 1968 einmal Bachstraße hieß ...

Ansonsten läuft es auch zwischen den Generationen aber sehr harmonisch im Dorf. Und die Altendorfer Pinnwand dürfte noch häufig zum Einsatz kommen. „Hier ist immer irgendetwas Kurioses, Lustiges oder Trauriges – das liebe ich so an Altendorf“, sagt Roland Schwerte.

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