Werden die Funklöcher in der Region nun endlich gestopft?

dzAktion der Telekom

Es klingt, als würden endlich Funklöcher gestopft: Ob die Aktion der Deutschen Telekom am Ende nicht doch nur eine Marketingkampagne ist, muss sich zeigen. Das Kleingedruckte macht skeptisch.

Fröndenberg

, 23.08.2019, 14:18 Uhr / Lesedauer: 2 min

Bei Facebook macht sich schon Hoffnung breit. Die Telekom ist auf der Jagd nach Funklöchern – „wäre das nicht etwas für unsere Stadt?“, fragt ein Fröndenberger mit Verweis auf eine Aktion des Netzanbieters. In der Ruhrstadt weiß man nur zu gut, wo man besser erst gar kein Telefonat beginnt, weil der Empfang ohnehin abbricht. Entlang der Ostbürener Straße etwa, aber auch entlang der Palzstraße zwischen Siddinghausen und Bausenhagen. An anderer Stelle kommentiert ein User unseren Bericht über das Telefonnetz schnippisch, die Telekom nicht zu kennen – „wohne in Frömern ...“

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Eine Ironie, die ein drängendes Alltagsproblem im ländlichen Raum beschreibt: Große weiße Flecken in der Netzabdeckung. Und das darf durchaus wörtlich genommen werden.

Weiße Flecken in Frömern und Hohenheide

Geschwindigkeit

Das sagt die Datenrate aus

Die Datenrate gibt die Geschwindigkeit an, mit der Daten heruntergeladen werden können; die Angabe erfolgt in der Regel pro Sekunde. Die kleinste Einheit für Daten ist Bit (entsprechend Bit/s), bei größeren Datenmengen wird die Rate in Mbit/s oder Gbit/s angegeben. Das Herunterladen eines Fotos mit einer Dateigröße von 5 MB dauert bei einer Datenrate von 260 kBit/s (2G) rechnerisch gut zweieinhalb Minuten; bei gutem LTE-Empfang allenfalls ein paar Sekunden.

Die Deutsche Telekom etwa schafft es in diversen Tests zur Netzabdeckung zwar auf Platz 1 vor Vodafone und Teléfonica (O2); in ländlichen Regionen wie Fröndenberg aber gibt es Gebiete ohne UMTS- bzw. LTE-Netzabdeckung. Um beim Beispiel Frömern zu bleiben: 2G und damit eine Bandbreite bis zu 260 kBit/s zeigt der Ausbaustatus des Branchenprimus für den Mobilfunk in dem Fröndenberger Ortsteil an. Gleiches gilt beispielsweise für Hohenheide. Im Stadtkern reicht es dagegen für das Netz der vierten Generation (4G) und damit für LTE-Verbindungen, deren Datenraten mit bis zu 225 MBit/s sogar über normale DSL-Festnetzanschlüsse hinausgehen können. Nicht nur für Fröndenberg noch Zukunftsmusik: 5G, das bis zu 100 Mal schneller als LTE sein und in Deutschland ab 2020 neuer Standard im Mobilfunk werden soll.

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Mehr eine werbewirksame Kampagne als ein echter Lückenschluss

Jetzt also will die Deutsche Telekom Funklöcher stopfen. Wenngleich die Aktion größer klingt, als sie es am Ende tatsächlich ist; nämlich nicht mehr als ein Tropfen auf den heißen Stein. Nur 50 Kommunen werden von der Aktion profitieren. Zum Vergleich: Mit seinem regulären Ausbauprogramm will das Unternehmen nach eigenen Angaben in diesem und im nächsten Jahr 4000 Mobilfunkstandorte errichten. Und weiter heißt es zu der Aktion, dass es Gebiete gibt, die „aus rein wirtschaftlichen Gründen“ nicht mit Mobilfunk versorgt werden könnten. „Die Kosten für den Ausbau sind für uns dort zu hoch. Diese Gebiete haben wir mit der Aktion ‚Wir jagen Funklöcher‘ im Visier.“ In den Teilnahmebedingungen schränkt das Unternehmen jedoch ein, die Auswahl der Standorte „nach eigenem Ermessen unter Berücksichtigung wirtschaftlicher Faktoren wir auch unter dem Aspekt einer bundesweit ausgeglichenen Verteilung“ zu treffen. Auch wenn der Mobilfunkriese sein Projekt selbst für „sehr ambitioniert“ hält; eine Jagd nach Funklöchern ist das sicherlich nicht, vielmehr eine werbewirksame Kampagne.

„Mindestens zehn Haushalte“ im Funkloch

Kommunen, die über die Aktion ein Funkloch stopfen lassen wollen, müssen sich bis zum 30. November bewerben – und einige Voraussetzungen erfüllen. Unter anderem muss die Bewerbung per Ratsbeschluss durch die Politik getragen werden, es muss ein geeigneter Maststandort mit Stromanschluss und marktgerechter Miete vorhanden sein. Und natürlich braucht es ein Funkloch, das am Ende auch geschlossen werden kann: Weder die Telekom noch ein Wettbewerber darf in dem Gebiet eine LTE-Abdeckung haben – und das Funkloch muss „mindestens zehn Haushalte oder Gewerbebetriebe umfassen“.

Große Leseraktion: Wo kann das Handy garantiert in der Tasche bleiben? Und welche mehr oder weniger üblen Erfahrungen haben Sie mit Funklöchern in der Region gemacht? Nennen Sie uns weiße Flecken im Mobilfunknetz und erzählen Sie uns Ihre Geschichten und Erfahrungen rund um die Funklöcher im Kreis Unna. Per Mail an redaktion@hellwegeranzeiger.de.
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