Wem der Fröndenberger Mietspiegel 2020 wirklich eine Handhabe bietet

dzWohnungsmiete

Ein neuer Mietspiegel gilt seit dem 1. Januar 2020. Zwar ist das Mietniveau in der Stadt relativ gering. Welche Miethöhe tatsächlich akzeptiert wird, hängt aber vor allem von der Angebotsvielfalt ab.

Fröndenberg

, 17.01.2020, 13:16 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ein neuer Mietspiegel ist in Fröndenberg zum 1. Januar 2020 in Kraft getreten. Acht Jahre hat es gedauert, bis Mieter und Vermieter endlich wieder nachschlagen können: So teuer ist es aktuell in der Stadt, eine Wohnung zu mieten.

Der Mietspiegel bildet durchschnittliche Preise pro Quadratmeter Wohnfläche ab. Um zu diesen Werten zu gelangen, haben Experten bestehende Mietverträge ausgewertet. Damit sich die ermittelten Werte möglichst nah an der Realität bewegen, sind ausschließlich Mietverhältnisse herangezogen worden, die nicht älter als vier Jahre sind. Vermieden wird dadurch, dass über viele Jahre nicht erhöhte Mieten in die Berechnungen einfließen und das Ergebnis verfälschen.

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? Sind die Mieten in Fröndenberg denn eher hoch oder niedrig?

Die Frage ist nicht ganz einfach zu beantworten. Der Gutachterausschuss teilt Wohnungen nach sogenannten Baualtersklassen ein. Schon hier unterscheiden sich die Miethöhen untereinander deutlich.
Jeder Altersklasse werden wiederum eigene Ausstattungsklassen zugeordnet, sodass weiter differenziert werden kann.
Mietspiegel sind für sieben Kommunen im Kreisgebiet erstellt worden. Stellt man einen Städtevergleich an, lässt sich zumindest folgende Aussage treffen: „Die Differenzen sind nicht so groß, dass man sich wundern müsste“, sagt Martin Oschinski, Leiter der Geschäftsstelle des Gutachterausschusses, der beim Kreis Unna angesiedelt ist.

? Wie steht Fröndenberg zum Beispiel bei einer Wohnung, Baujahr 1985, da?

Eine Wohnung, Baujahr 1985, fällt in die Baualtersklasse 1978 bis 1994. Die Gutachter haben einen Mittelwert von 5,43 Euro pro Quadratmeter errechnet. Die Spanne in dieser Klasse liegt allerdings zwischen 5,02 Euro und 5,93 Euro.
Die recht große Spanne von annähernd einem Euro liegt zum Beispiel an höher- oder minderwertiger Ausstattung – saniertes Bad, Parkett, Wärmedämmung, ja oder nein – oder schlicht an der Lage im Stadtgebiet.
Zum Vergleich: In Holzwickede zahlen Mieter nach dem dortigen Mietspiegel im Mittel 5,62 Euro bei einer Spanne von 4,89 bis 6,44 Euro; in Bönen sind es 5,54 Euro (Spanne: 4,87 Euro bis 5,98 Euro).

? Lässt sich aus den Mietpreisen etwas über den Mietmarkt Fröndenberg ablesen?

Nein, das ist nicht möglich. Die Gutachter haben lediglich bestehende Mietverträge ausgewertet und waren dabei auch auf die Mithilfe von Wohnungseigentümern angewiesen, die über Fragebögen um Angaben gebeten werden.
Nicht erfasst sind zum Beispiel die Leerstandsquoten in Fröndenberg. Diese sind nach jüngsten Angaben von UKBS und Wohnungsgenossenschaft Fröndenberg aber ausgesprochen gering; es bestehen vielmehr Wartelisten von Mietinteressenten. Ob der Wohnungsmarkt also entspannt oder angespannt ist, wird aus den reinen Mittelwerten beim Mietzins nicht deutlich.

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? Was fange ich als Mieter oder Vermieter mit dem Mietspiegel denn nun an?

Der Mietspiegel, auch Vergleichsmietentabelle genannt, soll zeigen, welche Miethöhe in Fröndenberg ortsüblich ist. Erst mit dem Mietspiegel wird transparent, was für eine Mietwohnung aus einem bestimmten Baujahr, mit einer bestimmten Ausstattung und in einer bestimmten Ortslage bezahlt wird – allerdings nicht: bezahlt werden muss. Denn verbindlich für Vertragsverhandlungen sind die errechneten Werte nicht. „Die Werte sind nicht einklagbar“, sagt daher auch Martin Oschinski. Weil es in Fröndenberg insgesamt wenig Wohnungsleerstand gibt, sind Mieter tendenziell in der schlechteren Verhandlungsposition.

? Welchen Tipp geben die Gutachter daher Mietern und Vermietern?

Begibt man sich auf die Suche nach einer Mietwohnung oder will man eine Wohnung inserieren, sollte man sich nicht nur grundsätzlich über die Angaben im aktuellen Mietspiegel informieren. Über den ebenfalls angebotenen Mietspiegelrechner lässt sich zudem eine individuelle Wohnungsmiete errechnen. Eine Wohnung, Baujahr 1985, in einer Größenordnung zwischen 70 bis 95 Quadratmetern, Gas oder Heizöl, mittlerer Ausstattungs- und Modernisierungsgrad, kostet in Fröndenberg im Mittel 5,58 Euro; je weiter der Wohnungswunsch individualiert wird, kann eine Untergrenze von 5,17 Euro und eine Obergrenze von 6,08 Euro erreicht werden.
„Vor dem ersten Gespräch sollte man den Mietrechner nutzen und mit dem Ergebnis in die Verhandlungen gehen“, empfiehlt Martin Oschinski.
Dann entscheidet sich, was der Mieter bereit ist zu zahlen und wie weit der Vermieter bereit ist entgegenzukommen.

Der Mietrechner ist unter www.kreis-unna.de/mietspiegelrechner abrufbar. Der Mietspiegel 2020 für Fröndenberg kann unter www.froendenberg.de (Rathaus/Service/Dienstleitstungen) heruntergeladen werden.
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