Drei Jahre hat das Ehepaar Severin seine Rebstöcke gehegt und gepflegt, jetzt folgte die erste erfolgreiche Ernte. Der Zuckergehalt der Trauben könnte im Rheingau nicht besser sein.

Fröndenberg

, 08.10.2019, 15:04 Uhr / Lesedauer: 3 min

Auch in Fröndenberg hat die Weinlese 2019 begonnen. Im kleinen, aber feinen Weingarten „Fröndenberger Friedhofsberg“ – einer im wahrsten Sinne des Wortes Ersten Lage – wurde es durch den Wetterumschwung der vergangenen Tage höchste Zeit dafür, wie die Hobby-Winzer Carola und Hans G. Severin erklären. Seit drei Jahren stehen 50 Stöcke in ihrem Garten an der Friedhofstraße – und in diesem Jahr werden die Trauben erstmals zu Wein.

Während sich Menschen bei der feuchten Witterung häufiger erkälten, bestand auch für den vornehmlich mit Riesling- und Spätburgunderreben bestockten Weinberg erhöhte Infektionsgefahr. Nämlich mit Graufäule, in der Fachsprache Botrytis. Und diese Situation zwang zum Handeln.

Erster Ertrag sollte nicht aufs Spiel gesetzt werden

Weil überdies eine gute Lesereife der Trauben erreicht war und der Riesling mit 95°Oe, der Spätburgunder mit 96°Oe, einen beachtlichen Zuckergehalt aufwiesen, gab es keinen Anlass, länger zu warten. Da die Anlage ihr drittes Jahr erreicht hatte, wollten die Severins ihren ersten Ertrag nicht aufs Spiel setzen.

„Das ist für ein Jungfeld immerhin ein Achtungserfolg, aber sicherlich noch keine Größe innerhalb der deutschen Weinbaustatistik.“
Dr. Hans G. Severin, Diplom-Chemiker

Dr. Hans G. Severin weiß übrigens genau, was er da tut. Er ist Diplom-Chemiker und studierter Önologe – also Experte, wenn es um die Herstellung von gutem Wein geht. „Nachdem ich im vergangenen Jahr an der Hochschule für Weinbau in Geisenheim meine Master-Prüfung in Önologie abgelegt hatte, lag nichts näher als das Erlernte auch im heimatlichen Fröndenberg in die Praxis umzusetzen“, sagt Severin.

Einen Zuckergehalt, wie ihn seine Fröndenberger Trauben aufweisen, habe es vor einigen Jahren selbst im Rheingau nicht gegeben. Und dort sei der Lesezeitpunkt immer weiter nach vorne gerückt. Dass in Fröndenberg jetzt ein feiner Roter wächst, nennt Severin im Scherz „endlich mal eine gute Nachricht zu den Folgen des Klimawandels“.

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Sonne sorgt zwar für gehaltvolle Trauben, die Hitze ging am Wein dennoch nicht spurlos vorbei: Den langen und heißen Sommer hatten die Reben am „Friedhofsberg“ einigermaßen überstanden. Doch wie in anderen bekannten Weinbaugebieten war es auch im „Weinbaugebiet Ruhr/Möhne/Hönne“ zu Schäden durch Sonnenbrand an den Trauben und durch die Trockenheit gekommen.

Weinbau an der Ruhr: Hobby-Winzer nutzen Folgen des Klimawandels in Fröndenberg

Gesundes Lesegut ist die Voraussetzung für ein „gutes Tröpfchen“, wissen die Fröndenberger Hobby-Winzer. © Privat

Weil die noch jungen Reben bisher keine langen Wurzeln bilden konnten, mussten die Severins ihren Wein bewässern. Trotzdem zeigte sich Trockenstress und auch die Ertragsentwicklung war schwach. Dafür gab es keinerlei Probleme mit Pilzbefall.

Vögel haben eine Leidenschaft für Weintrauben entwickelt

Erhebliche Ertragseinbußen verursachte allerdings der Vogelfraß. „Die hiesigen Piepmätze scheinen eine Leidenschaft für Weintrauben entwickelt zu haben“, sagt der Hobby-Winzer. Unter aufgespannten Netzen flogen sie einfach her – um an den süßen Trauben zu naschen. Severin nimmt die Herausforderung an: Fürs nächste Jahr seien Hochsicherheitsmaßnahmen geplant.

Der Riesling lieferte schließlich völlig gesundes Lesegut. „Das lag vorrangig an der Lockerbeerigkeit der Trauben, aus denen wir vorher die Sonnenbrand-Beeren entfernt haben, sodass sich die Feuchtigkeit in ihnen nicht sammeln konnte“, erklärt der Experte.

Pilzbefall am Spätburgunder sorgt für Ertragsverluste

Demgegenüber entdeckten die Fröndenberger Winzer an den Spätburgundertrauben zum Teil Pilzbefall. Die befallenen Beeren wurden aussortiert, „sodass keine Qualitätsprobleme, aber immerhin gewisse Ertragsverluste, hinzunehmen sind“, sagt Hans G. Severin.

Weinbau an der Ruhr: Hobby-Winzer nutzen Folgen des Klimawandels in Fröndenberg

Die Analytik gehört dazu: Dr. Hans Severin bei der Bestimmung von Grad-Oechsle und Gesamtsäure. © Privat

Beide Traubensorten wurden unterschiedlich weiterverarbeitet: Weil Substanzen, die die Rote Farbe ausmachen, beim Spätburgunder in den Beerenhäuten sitzen, wurden die zerquetschten Beeren sozusagen am Stück gegärt. Um die Beerenhäute aufzubrechen, werden die Trauben kurzzeitig erhitzt.

Frische Fruchtaromen des Rieslings sollten zur Geltung kommen

Die Riesling-Beeren wurden einer Ganztraubenpressung bei reduzierter Temperatur unterzogen, um die frischen Fruchtaromen des Rieslings möglichst gut zur Geltung zu bringen.

„Mit etwas Glück dürfte die Ernte 30 Flaschen liefern, eigentlich hätten es mehr als 100 Flaschen sein sollen“, freut sich Severin – trotz Ernteeinbußen – über seinen ersten Ertrag. „Das ist für ein Jungfeld immerhin ein Achtungserfolg, aber sicherlich noch keine Größe innerhalb der deutschen Weinbaustatistik.“ Der Weinbau an der Ruhr stehe eben noch am Anfang, die großen Zeiten lägen noch vor ihm.

Die Severins wollten auch zeigen, dass Weinbau an der Ruhr durchaus Chancen hat. Vielleicht habe der ein oder andere Fröndenberger nun auch Interesse, Rebstöcke im heimischen Garten zu setzen.

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