Es sind „nur“ zusätzliche Einnahmen, die den Stadtwerken Fröndenberg fehlen und doch führen sie uns vor Augen, dass Wasser auch hierzulande keine Selbstverständlichkeit ist.

Fröndenberg

, 17.10.2018, 16:27 Uhr / Lesedauer: 2 min

Über ihre Trinkwasserversorgung müssen sich die Fröndenberger noch keine Sorgen machen. Trotz Dürre fließt dank der Talsperren des Ruhrverbands noch genug Wasser durch die Ruhr. Die Trinkwasserversorgung für dieses Jahr sei gesichert, auch wenn die Talsperren deutlich belastet seien, sagt Britta Balt, Pressesprecherin des Ruhrverbands. Die Talsperren geben derzeit das 15-Fache der Menge Wasser ab, die aufgenommen wird. Mit einem Füllstand von rund 51,3 Prozent sei aber für ausreichend Trinkwasser in den nächsten Monaten gesorgt.

Menge sinkt seit Jahren

Wegen Dürre: Stadtwerke produzieren weniger Strom in ihren Laufwasserkraftwerken

Die Ruhr liefert 4,6 Millionen Menschen Trink- und Brauchwasser. © Roman Grzelak

Doch der Klimawandel ist inzwischen auch an der Ruhr angekommen. Die Stadtwerke Fröndenberg bekommen die Veränderung des Klimas deutlich zu spüren, weil sie einen Teil des Stroms in ihren drei Laufwasserkraftwerken in Langschede, Wickede und Schwitten produzieren. Weil aber weniger Wasser durch die Ruhr fließt, laufen die Kraftwerke alles andere als auf Hochtouren. Schon seit Jahren sinken die Produktionsmengen, weshalb die Stadtwerke mehr Strom über das Netz beziehen müssten, erklärt Geschäftsführer Bernd Heitmann.

Die Betriebskosten für die Anlagen würden nicht sinken, wenn weniger Wasser fließt. „Es ist Geld, das vom Himmel fällt oder eben nicht“, sagt Heitmann. Dabei gehe es aber nur um die Einnahmen der Stadtwerke - mit den Stromkosten für die Verbraucher habe das nichts zu tun.

Neben Strom durch Wasserkraft produzieren und beziehen die Stadtwerke außerdem Naturstrom, Strom aus Windkraftanlagen und Solarenergie.

Einbußen von 300.000 Euro

In den vergangenen acht Jahren konnten die Stadtwerke jährliche im Durchschnitt vier Millionen Kilowattstunden (kWh) weniger Strom erzeugen als in den acht Jahren davor – das sind pro Jahr durchschnittlich 300.000 Euro weniger Umsatz für die Stadtwerke.

Die Zahl ist von knapp 20 Millionen auf 16 Millionen kWh pro Jahr gesunken.

„In der Bibel steht, dass sieben schlechten Jahren sieben gute folgen, aber es sind schon acht.“
Bernd Heitmann,
Geschäftsführer Stadtwerke

Zwischen 2010 und 2017 wurden pro Jahr rund 15,7 Millionen Kilowattstunden erzeugt – zwischen 2002 und 2009 waren es hingegen noch 19,7 Millionen. Im vergangenen Jahr verzeichneten die Stadtwerke erneut einen Rückgang – auf 14,9 Millionen kWh. Und Heitmann rechnet nicht damit, dass die Stromausbeute aus der Kraft des fließenden Ruhrwassers in diesem Jahr höher ausfällt. „In der Bibel steht zwar, dass sieben schlechten Jahren sieben gute folgen, aber inzwischen sind es schon acht Jahre und jetzt das neunte“, so der Geschäftsführer. Über das Trinkwasser macht Heitmann sich noch keine Sorgen.

Großes Talsperren-System

Sollte es in den folgenden Wintern allerdings nicht ausreichend regnen und die Trockenperioden zunehmen, könnte womöglich eine neue Diskussion über die Negertalsperre eine mögliche Reaktion auf diese Entwicklung sein. Eine neue Talsperre sei vor vielen Jahren bereits im Gespräch gewesen. Der Fluss Neger ist ein Parallelfluss der Ruhr – „und je mehr Speicherflächen es gibt, desto flexibler ist man“, so Heitmann.

Britta Balt vom Ruhrverband beruhigt. Man müsse sich zwar auf extreme Wetterbedingungen einstellen, aber das flächenmäßig größte Talsperrensystem Deutschlands sei genau für solche Fälle entwickelt worden. „Man wusste, dass die Ruhr diese Belastung nicht allein meistern können wird“, so Balt mit Blick auf die Industrialisierung im 19. Jahrhundert. Heute beziehen rund 4,6 Millionen Menschen Trink- und Brauchwasser aus der Ruhr, die dieser Belastung nur mithilfe der Talsperren gewachsen ist. Wie wichtig es ist, für schlechte Zeiten vorbereitet zu sein, wird vor allem nach dem trockenen Sommer und der andauernden Dürre im Herbst deutlich. „Das sollte uns vor Augen führen, dass Wasser noch einen Wert hat und auch bei uns nicht selbstverständlich ist“, sagt Balt.

Wegen Dürre: Stadtwerke produzieren weniger Strom in ihren Laufwasserkraftwerken

Die Stadtwerke Fröndenberg haben drei Wasserkraftwerke: das Wasserkraftwerk in Schwitten, die Wasserkraftanlage in Langschede und das Laufwasserkraftwerk in Wickede (v.l.). © Stepmap

Die Förderung durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz – kurz EEG – an die Stadtwerke Fröndenberg wird durch die sinkenden Produktionsmengen nicht beeinflusst. Sie sei für die nächsten 20 Jahre festgelegt, erklärt Geschäftsführer Hartmann. Ziel des Gesetztes ist laut Bundeministerium für Wirtschaft und Energie, die Energieversorgung umzubauen und den Anteil der erneuerbaren Energien an der Stromversorgung bis 2050 auf mindestens 80 Prozent zu steigern. Dafür werden von großen Firmen bis zu Bürgerenergiegesellschaften jene Betreiber unterstützt, die erneuerbare Energie produzieren. Dabei gilt seit 2017: Wer am wenigsten für den wirtschaftlichen Betrieb einer neuen Erneuerbare-Energien-Anlage fordert, wird gefördert. Seit Januar 2017 wird die Höhe der Vergütung für Strom aus erneuerbaren Energien nicht wie bisher staatlich festgelegt, sondern durch Ausschreibungen ermittelt (Quelle: Bundeministerium für Wirtschaft und Energie).
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