Rund 5000 Tonnen Laub werden jährlich von der EDG beseitigt. © EDG
Herbst in Fröndenberg

Warum Stadtwerke die Mittagsruhe für Laubbläser für lebensfremd halten

Laubbläser und Laubsauger liefern die Begleitmusik im Herbst: Von einem „gravierenden Umwelt- und Gesundheitsproblem“ spricht die NRW-Umweltministerin. Die Stadt Fröndenberg kennt die Zahl der Beschwerden.

Eigens eine neue Broschüre hat das Ministerium jetzt herausgegeben, die „Tipps für weniger Lärm“ gibt. Motorgetriebene Laubbläser sorgten immer wieder für Diskussionen. Stadtwerke und Stadt Fröndenberg machen eigene Erfahrungen.

»Eine geringe Lautstärke sollte fester Bestandteil der Kauf-
entscheidung sein.«

Broschüre des NRW-Umweltministeriums

Der kommunale Energieversorger übernimmt für die Stadt auf vertraglicher Grundlage die Grünpflege, im Herbst kommen besonders auf Gehwegen auch die effektiven Laubgeräte, meistens sind das Benziner, zum Einsatz.

Volker Kretschmer, Technischer Leiter der Stadtwerke Fröndenberg-Wickede, räumt ein: Akku-Maschinen seien zwar wesentlich leiser, könnten derzeit aber schlicht noch nicht vergleichbare erforderliche Leistung erbringen.

Glitschiges Laub birgt Risiko

Der Auftrag beziehe sich nämlich besonders in Herbst und Winter darauf, die Verkehrssicherungspflicht auf Straßen, Wegen und Plätzen zu gewährleisten. Glitschiges Laub gilt als Risiko für Fußgänger und Radfahrer.

Auf öffentlichen Verkehrswegen haften Kommunen in der Regel für Unfälle. Die Gemeinde Holzwickede ist unlängst gerichtlich verurteilt worden, einer Frau Schmerzensgeld zu zahlen, die auf einem glatten Gehweg ausgerutscht war und sich verletzt hatte. Dort war ein klebriges Sekret der Lindenblüten mit ursächlich.

Auch deswegen trifft eine Regelung auf Unverständnis, auf die das Umweltministerium aufmerksam macht: Beim Gebrauch von Laubbläsern und Laubsammlern müsse „eine zusätzliche Mittagsruhe“ eingehalten werden.

An Werktagen dürfen geräuschintensive Geräte nur in der Zeit von 9 bis 13 Uhr und 15 bis 17 Uhr genutzt werden. Dies gelte gleichermaßen für Privatpersonen, Gewerbetreibende und kommunale Arbeitskräfte.

Laubbläser sorgen für eine Beschwerde

Diese Regelung sei ziemlich unpraktikabel, findet Volker Kretschmer: „Jeder von uns weiß, wie gefährlich nasses Laub sein kann.“ Daher müsse auch mal vor 9 Uhr morgens oder bei Bedarf zwischen 13 und 15 Uhr Laub entfernt werden.

Die Regelung sei auch insofern fraglich, als die Stadtwerke bei anderen akuten Einsätzen ebenfalls sofort tätig werden müssten und nicht ohne geräuschintensive Arbeiten auskämen. Kretschmer nennt als Beispiel eine Rüttelplatte, wenn nach einem Wasserrohrbruch die geöffnete Straße wieder verschlossen werden muss.

»Wir hatten in den vergangenen Jahren nur eine Beschwerde wegen des Einsatz eines Laubbläsers.«

Heinz-Günter Freck, Beigeordneter

Unterdessen scheinen Laubbläser in Fröndenberg bislang für kein allzu großes Ungemach gesorgt zu haben. „Wir hatten in den vergangenen Jahren nur eine Beschwerde wegen des Einsatz eines Laubbläsers. Das Thema hat also insgesamt keine besondere Bedeutung gehabt“, sagt Beigeordneter Heinz-Günter Freck.

Dabei kann bei Verstößen ein Ordnungswidrigkeitenverfahren eingeleitet werden, eine Geldbuße von bis zu 5000 Euro in der Spitze droht; solche Verwarnungen hätten aber bisher beim Ordnungsamt keine Rolle gespielt, so Freck weiter.

Bodenlebewesen gefährdet

Auch die Mitarbeiter der Stadtverwaltung setzten Laubbläser ein. Bei der Beschaffung achte man wie die Stadtwerke darauf, dass die Geräte die gültigen Lärmschutznormen einhalten.

Eben hierauf weist auch das NRW-Umweltministerium hin: Eine geringe Lautstärke sollte fester Bestandteil der Kaufentscheidung sein – und natürlich die Frage, ob ein Gerät überhaupt erforderlich ist. Beim Laubbläser zum Beispiel solle man vorab prüfen, ob das Laub nicht ebenso gut mit einem Laubrechen beseitigt werden kann. Damit würden Umwelt und Gesundheit geschont, dies gelte auch für kleine Bodenlebewesen.

Das NRW-Umweltministerium hat zum Thema Lärm eine Rufnummer für Bürgeranfragen geschaltet, Tel. (02 11) 45 66-0. Die Broschüre „Besser leben mit weniger Lärm“ kann man unter www.umwelt.nrw.de (-> Mediathek -> Broschüren) herunterladen.

Über den Autor
Redaktion Fröndenberg
Geboren 1972 in Schwerte. Leidenschaftlicher Ruhrtaler. Mag die bodenständigen Westfalen. Jurist mit vielen Interessen. Seit mehr als 25 Jahren begeistert an lokalen Themen.
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Marcus Land

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