Markus Paul, Fröndenbergs umtriebiger Hobby-Astronom, hat ein neues Projekt: Dank Corona wollte ihn ein alter Arbeitgeber zurück - die Hektor Kinderakademie für hochbegabte Schüler. © Hornung

Warum Corona für den Fröndenberger Hobby-Astronom Markus Paul ein Glücksfall ist

Auf der Arbeit Physiotherapeut, zuhause Astronom: Markus Paul sucht immer wieder neue Herausforderungen. Einer Tätigkeit, die er mit seinem Umzug aufgeben musste, darf er jetzt wieder nachgehen.

Abgeschieden auf einem alten Hof am Kessebürener Weg lebt der Wahlfröndenberger Markus Paul. Von Beruf ist er Physiotherapeut, doch seine Leidenschaft gilt der Astronomie. Durch das Coronavirus konnte er dieser Leidenschaft ein Stück weit wieder näherkommen – und er kann sie zukünftig an andere weitergeben.

Im Dachgeschoss der Wohnung von Markus Paul und seiner Lebensgefährtin befindet sich nicht nur ein Hobby-Raum, mit Teleskop und unzähligen Utensilien, die der Fröndenberger für sein Hobby hegt und pflegt: Nebenan ist jetzt auch ein Filmstudio eingerichtet.

„Weniger ist mehr“, sagt Markus Paul, der etwa in seine Kamera nur 30 Euro investiert hat. Die Computer und Bildschirme waren ohnehin schon da, am Teleskop, das er schon lange besitzt, gibt es jetzt einen Handyhalter und für bewegte Aufnahmen nutzt der Hobby-Astronom eine Hand-Halterung, mit der er sein Smartphone im Raum bewegen kann.

Vom Dachboden hinaus in die Welt: Für den Unterricht hat Markus Paul ein kleines Studio eingerichtet. © Hornung © Hornung

Aus seinem kleinen Dachboden-Studio wird der Fröndenberger zukünftig hochbegabte Kinder in Süddeutschland unterrichten – als Dozent der Hector-Kinderakademie. Diese Nebentätigkeit musste Markus Paul aufgeben, als er vor rund zwei Jahren die alte Heimat verließ.

Weihnachtsgrüße mit ungeahnter Resonanz

Dass es mit einem ähnlichen Nebenjob in Fröndenberg und Umgebung bisher nicht geklappt hat, enttäuschte Markus Paul sehr. Er vermisst die Arbeit mit Kindern, deren Begeisterung einfach abfärbt und gute Laune macht. Umso erfreuter war er, als auf seine Weihnachtsgrüße an die Hector-Akademie in Pfaffenweiler die Nachricht zurückkam, dass er in der kleinen Gemeinde in der Nähe von Freiburg vermisst wird.

Markus Paul über seinen Unterricht

„Andere Dozenten hatten einen Kugelschreiber und Kreide dabei, ich einen Rollwagen“, beschreibt der Hobbyastronom seine Liebe dazu, den Kindern Zusammenhänge im Weltall ganz praktisch zu erklären. Auch in Baden-Württemberg ist Präsenzunterricht in der Corona-Zeit problematisch. Hinzu kommt, dass es sich bei der Begabtenförderung nicht einmal um Pflichtunterricht, sondern ein Zusatzangebot handelt. Und so stellte auch die Hector-Akademie auf Online-Unterricht um. Markus Paul kann von Fröndenberg aus wieder einsteigen.

Mit Mareike Born vom Treffpunkt Windmühle dreht der Fröndenberger bereits Videos für Youtube, mit einem Mitarbeiter des WDR freundeten sich die beiden nach Dreharbeiten an. Gute Voraussetzungen eigentlich, um das kleine Studio zuhause einzurichten. Doch es gab auch Hürden.

Die größte war die Internetleitung. „Die Verbindung hier ist sehr schlecht.“ Zwar bekommt der Fröndenberger mit, dass sich im Städtchen jetzt was tut, aber der abgeschiedene Hof am Kessebürener Weg sei beim schnellen Netz noch nicht an der Reihe. „Mir tun die Lehrer Leid, die hauptberuflich unterrichten und sich von einem Tag auf den anderen auf das Lernen auf Distanz einstellen mussten.“

Nachbar löste das Internet-Problem

Helfen konnte dem Hobby-Astronom der Rat eines Nachbarn. Denn das Handynetz ist, zwei O2-Masten sei Dank, in der Gegend relativ gut. Der Nachbar, ein IT-Fachmann, der beruflich inzwischen auch auf Online-Schulungen umgesattelt hat, riet zum LTE-Modem – und das Internetproblem war gelöst.

„Gerade nehmen wir die Planeten durch“, freut sich Markus Paul. Auch darüber, dass die Schülerinnen und Schüler aus dem Süden, trotz Unterricht auf Distanz, so toll mitmachen, sich melden, Hinweise geben, Fragen stellen. Denn hochbegabt bedeute nicht immer gleich hochkonzentriert, weiß der Dozent.

Die Handyhalterung am Teleskop macht Live-Aufnahmen fürs Online-Klassenzimmer möglich.
Die Handyhalterung am Teleskop macht Live-Aufnahmen fürs Online-Klassenzimmer möglich. © Hornung © Hornung

Alles, was er braucht, um den Unterricht anschaulich zu machen, steht nun im Raum nebenan. Mit dem Rollwagen muss Markus Paul nicht mehr los. An seinem großen Teleskop hat er eine Handyhalterung installiert, hofft, so bald etwa Bilder vom Mond live in den Unterricht übertragen zu können. Zwei Kurse sind ihm bereits sicher – als Nebentätigkeit zur normalen Arbeit.

Online-Kurse haben Zukunft

Ob Youtube-Videos, Spieleentwicklung oder der jetzige Dozenten-Job: Markus Paul versucht immer wieder, kreative Zugänge zu seinem Hobby zu finden. Dieses Mal hat ihm das Corona-Virus in die Karten gespielt. Er kann sich aber gut vorstellen, dass Online-Kurse nicht nur jetzt wie Pilze aus dem Boden schießen – sondern auch wenn die Pandemie irgendwann überwunden ist, erfolgreich bleiben.

Die Hector Kinderakademien bieten besonders begabten und hochbegabten Grundschulkindern zusätzlich zum regulären Schulunterricht ein für sie entwickeltes Förderprogramm an. Rund 24.000 Grundschulkinder nehmen jährlich an den Kursangeboten an 66 Standorten teil. Die Hector Kinderakademien werden von der Hector Stiftung II finanziert, vom Ministerium für Kultus, Jugend und Sport unterstützt und vom Hector-Insitut für Empirische Bildungsforschung an der Universität Tübingen und vom Leibniz-Institut für Bildungsforschung und Bildungsinformation in Frankfurt wissenschaftlich begleitet.

www.hector-kinderakademie.de

Über die Autorin
Redaktion Fröndenberg
Jahrgang 1988, aufgewachsen in Dortmund-Sölde an der Grenze zum Kreis Unna. Hat schon in der Grundschule am liebsten geschrieben, später in Heidelberg und Bochum studiert. Ist gerne beim Sport und in der Natur.
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Dagmar Hornung