Wandern in Fröndenberg: Herrlich dörflich – Warmen, Bausenhagen und die Hohenheide

dzÜber den Henrichsknübel

Viele Menschen zieht es in Corona-Zeiten nach draußen, das Wandern erlebt gerade eine Renaissance. Wir nehmen Sie mit über den Henrichsknübel in Fröndenberg.*

von Kyra Molinari

Fröndenberg

, 20.05.2020, 17:30 Uhr / Lesedauer: 6 min

Die kleinen Fröndenberger Ortsteile Warmen und Bausenhagen klingen unscheinbar, punkten aber mit ihrer wunderschönen Umgebung und alten Ortskernen. Die Unbekanntheit der Orte sollte niemanden davon abschrecken, einmal durch die hügelige Umgebung zu wandern, um die Heimat neu zu erkunden und aus einem neuen Blickwinkel zu betrachten.

Die 9,6 Kilometer lange Route mit Start und Ziel in Frohnhausen führt durch offene bäuerliche Landschaften mit kleinen Waldstücken, Dörfern und Weilern. Sie bietet schöne Ausblicke über das Ruhrtal bis an den Nordrand des Sauerlands.

Die 9,6 Kilometer lange Route mit Start und Ziel in Frohnhausen führt durch offene bäuerliche Landschaften mit kleinen Waldstücken, Dörfern und Weilern. Sie bietet schöne Ausblicke über das Ruhrtal bis an den Nordrand des Sauerlands. © Repro: Stefan Milk

An der Kulturkirche in Frohnhausen beginnt die Wanderung, kurz darauf führt der Weg durch die Warmener Gemeinde. Der kleine Ort hat circa 900 Einwohner und liegt schon nach wenigen Schritten hinter uns. Vorbei an Reihenhäusern geht es für uns ins offene Feld. Die ersten Meter geht es nur bergab, die kurze Wegstrecke bedeutet aber nicht, dass die Aussicht nicht schon etwas zu bieten hätte: saftig grüne Wiesen, durch die sich eine einsame Landstraße schlängelt – eine Idylle, die wohl jedem Roman entsprechen würde.

Bereits nach wenigen Metern stehen wir in der idyllischen Natur, die Warmen zu bieten hat.

Bereits nach wenigen Metern stehen wir in der idyllischen Natur, die Warmen zu bieten hat. © Kyra Molinari

Neben dem Weg fließt eher unbemerkt der Rammbach. Autos fahren auf der einsamen Straße nur sehr wenige. Die Idylle der Wiesen an unserer Seite, queren wir die Straße und stellen uns der ersten kleinen Steigung, vorbei an vereinzelt stehenden Häusern, um kurz darauf wieder vor einem Feldweg zu stehen.

Hier zeigt sich schon wieder ein anderes Bild: Mit einem wunderbaren Blick auf die katholische Kirche von Bausenhagen führt der Weg zunächst auf eine Streuobstwiese zu. Diesen Abschnitt der Wanderung sollte man genießen, denn er ist einer der wenigen Wegstrecken, die nicht über Asphalt führen.

Tafeln weisen auf Fenster von Andreas Felger hin

Entlang des Wegs stehen immer wieder Tafeln, die auf die Fenster von Andreas Felger hinweisen. Die Fenster werden wir im Laufe unserer Wanderung noch in der evangelischen Kirche von Bausenhagen sehen, zu der uns unser Weg führt. Die Beschilderung gehört zu einem Meditationsweg von Bausenhagen, der in Verbindung mit den Felgerfenstern steht. Der Weg beginnt an der evangelischen Kirche und führt alle Wanderer und christlich Interessierten durch die umliegende Natur, begleitet von Versen und Zitaten aus der Bibel.

Mitten im Grün stehen immer wieder Bänke, die zum Verweilen einladen.

Mitten im Grün stehen immer wieder Bänke, die zum Verweilen einladen. © Kyra Molinari

Für eine kleine Verschnaufpause stehen am Weg immer wieder Bänke bereit, so auch am Ende des Weges. Über eine winzige Brücke über den Rammbach führt der Weg direkt auf die Bank zu, die unter einem großen Holzkreuz steht. Die Szene wird von grünen Pflanzen umrankt. Der Weg geht vor der Bank rechts ab, und auch wenn die Bank mit der Idylle und dem schönen Blick auf das Feld sehr einladend wirkt, gehen wir weiter.

Plötzlich stehen wir mitten in Bausenhagen

Ehe man sich versieht, steht man mitten in Bausenhagen. Nun, zumindest mehr oder weniger. Der Wanderweg führt durch ein kleines Gässchen, vorbei an einer Pferdekoppel und alten Häusern. Das Dorf hat ungefähr 500 Einwohner und ist damit noch kleiner als Warmen, trotzdem ist der Ort eine echte Schönheit. Zudem ist Bausenhagen die älteste Gemeinde Fröndenbergs.

Bausenhagen empfängt seine wandernden Besucher mit Fachwerk- und Rosenidylle schlechthin.

Bausenhagen empfängt seine wandernden Besucher mit Fachwerk- und Rosenidylle schlechthin. © Kyra Molinari

Bei so viel Schönheit kommen Fachwerkliebhaber wahrlich auf ihre Kosten: Traumhaft schönes altes Fachwerk, sowohl mit Lehm verputzt als auch gemauert, säumt die Straßen.

Davor blühen Rosen und zwischen den Häusern hindurch blitzt immer mal wieder der Kirchturm, den wir ansteuern. Bevor wir die Kirche allerdings erreichen, müssen wir uns etwas anstrengen. Denn die Kirche steht auf dem höchsten Punkt von Bausenhagen.

Die evangelische Kirche, ursprünglich als Wehrkirche erbaut, thront hoch oben im Ortskern von Bausenhagen.

Die evangelische Kirche, ursprünglich als Wehrkirche erbaut, thront hoch oben im Ortskern von Bausenhagen. © Kyra Molinari

Und das hat seinen Grund: Die evangelische Kirche von Bausenhagen stammt aus dem zwölften Jahrhundert und wurde seinerzeit als Wehrkirche errichtet. Am besten wehrte man sich natürlich, wenn man über den Feinden auf einem Hügel stand. Abgesehen davon hat die Kirche eine bewegende Geschichte. Der Turm der Kirche brannte bei einem Blitzeinschlag 1866 fast vollständig nieder und wurde erst in den 1880ern wieder aufgebaut. Bis zum Bau einer katholischen Kirche 1875 wurde die Dorfkirche außerdem simultan von beiden Konfessionen genutzt. Nach dem Blitzeinschlag beschlossen die Katholiken allerdings, diesen als Zeichen „von oben“ zu werten und bauten eine katholische Kirche im Ort.

Die Wehrkirche macht einen robusten Eindruck, in ihrem Inneren überrascht sie aber durch helle Wände und bunte Fenster. Von der Robustheit ist dort nichts mehr zu spüren.

Das liegt unter anderem an den Fenstern von Andreas Felger, die auf unserem Weg schon mehrmals beworben wurden. Der Künstler wurde 1935 in Baden-Württemberg geboren und studierte nach einer Lehre als Musterzeichner Bildende Künste in München.

Die Kirche wurde 1997/98 grundsaniert und erhielt in dem Zug sieben neue Fenster, die „Predigten aus Glas“. Der Künstler war bei den Einbauten zugegen, auch Altar, Kanzel und Taufstein entwarf er.

Am meisten beeindruckt aber das Deckenfresko der Kirche, da es aus der Entstehungszeit der Kirche stammt und erst 1957 unter dem Putz wiederentdeckt wurde. Es war der Ansatz für Felgers Arbeiten. Empfangen werden die Besucher der Kirche von dem Fenster in der Apsis des Chorraums, dort empfängt Jesus sie mit ausgebreiteten Armen. Generell werden Besucher trotz des massiven Äußeren vom Kircheninneren überrascht, denn dort zeigt sich ein Zusammenspiel aus alten und neuen Elementen. Die filigran gearbeitete Taube, die über dem Prediger auf der Kanzel schwebt ist ebenso hübsch anzusehen wie die Kirchenbänke aus dem 17. Jahrhundert, die ursprünglich in der Klosterkirche Scheda standen.

Von der evangelischen zur katholischen Kirche von Bausenhagen

Vor der Kirche laden wieder einmal Bänke zu einer Pause ein, um die Mittagszeit herum stehen sie in der Sonne, sodass sich prima ein paar Sonnenstrahlen mit dem Gesicht einfangen lassen. Nach der Pause führt der Weg zur katholischen Kirche von Bausenhagen. Nach fünf Minuten Fußweg, vorbei an den Neubauten des Ortes, ist das Dorf durchquert und die Kirche erreicht.

Von der Wehrkirche in Bausenhagen aus ist die katholische Kirche schon zu sehen. Auch der Ausblick dahinter ist nicht zu verachten.

Von der Wehrkirche in Bausenhagen aus ist die katholische Kirche schon zu sehen. Auch der Ausblick dahinter ist nicht zu verachten. © Kyra Molinari

Benannt ist die katholische Kirche nach der heiligen Agnes, die als Märtyrerin, Heilige und geweihte Jungfrau verehrt wird. Als Zwölfjährige sollte sie den Sohn eines römischen Präfekten heiraten, sie hatte jedoch die Ehelosigkeit um Christi Willen gelobt. Auch vor dem Gericht war sie nicht von ihrer Meinung abzubringen. Einige Jahr später wurde sie der Hexerei bezichtigt und sollte auf dem Scheiterhaufen verbrannt werden, doch selbst das Feuer soll vor ihr zurückgewichen sein. Daraufhin köpfte man sie wie ein Lamm, weshalb sie heute häufig mit einem Lamm dargestellt wird.

Der Grund für die Erbauung der Kirche war der Platzmangel in der Dorfkirche, die Mitte des 19. Jahrhunderts nur knapp ein Drittel der Dorfbevölkerung fasste. Daher fassten die Katholiken den Blitzeinschlag in den Turm der Dorfkirche als Zeichen auf, eine neue Kirche zu bauen. Nachdem die Finanzierung geregelt war, wurde der Neubau 1875 von Pfarrer Bitter von Paderborn eingesegnet. Zum 100. Jubiläum 1975 wurde der Holzboden der Kirche herausgerissen und durch Marmor ersetzt, 2000 wurden zwei zugemauerte Fenster wieder freigelegt und erstrahlen seitdem in neuem Glanz.

Wunderbarer Ausblick über das Ruhrtal bis zum Sauerland

Vom Friedhof der Kirche aus bietet sich ein wunderbarer Ausblick über das Ruhrtal bis zum Sauerland. Auch hier stehen Bänke, die Ruhe lädt zusätzlich zum Niederlassen ein.

Von der Kirche aus geht es wieder ins Feld. Der ehemalige Wanderweg über eine Wiese existiert leider nicht mehr, über den asphaltierten Weg läuft es sich aber mindestens genauso gut. Hier kommen wir erstmals in den Genuss, an Höhe zu verlieren, denn runter geht es ja bekanntlich immer leichter als rauf.

Im Umkehrschluss bedeutet es leider auch, dass wir wenig später wieder vor einer Steigung stehen. Bausenhagen, das ehemals geistliche Zentrum der umliegenden Gemeinden, lassen wir hiermit hinter uns.

Der Henrichsknübel ist der höchste Punkt von Fröndenberg

Eine Steigung führt den Henrichsknübel hinauf. Er ist mit 245 Metern der höchste Punkt von Fröndenberg, der Aufstieg lohnt aber allemal, besonders bei gutem Wetter. Unser Weg führt uns durch die Felder und vorbei an Windkrafträdern. Oben werden wir mit einem spektakulären Ausblick belohnt. Von Wickede und Menden reicht der Ausblick bis nach Fröndenberg. Außerdem bietet sich hier oben wieder eine einzigartige Idylle, Pferde liegen unter Apfelbäumen und suchen Schutz vor der Sonne.

Pure Idylle bietet auch der Rückweg, vorbei an Pferdekoppeln und Apfelbäumen.

Pure Idylle bietet auch der Rückweg, vorbei an Pferdekoppeln und Apfelbäumen. © Kyra Molinari

Nun folgt eine kleine Wegstrecke über Asphalt, bevor es wieder in einen Wald geht. Danach kommen wir an die Straße am Tummelplatz. Dort hielten sich früher wohl besonders gern Leute gleicher Gesinnung zusammen auf, das zumindest lässt sich aus dem Wort „tummeln“ ableiten. Wer möchte, kann noch einen kleinen Schlenker über das Denkmal drehen, das die Gemeinde Bentrop zu Ehren aller im Kriege Gefallenen errichten ließ.

Das letzte Stück des Weges ist wieder besonders hübsch, es geht durch eine Allee im Naturschutzgebiet.

Das letzte Stück des Weges ist wieder besonders hübsch, es geht durch eine Allee im Naturschutzgebiet. © Kyra Molinari

Von dort aus sind es nur noch ein paar hundert Meter bis zum Ausgangspunkt, der Kulturkirche in Frohnhausen. Diese führen durch ein Naturschutzgebiet, das gleichzeitig eine Allee ist, allerdings nur zugänglich für Fußgänger. Wer den Abschnitt der Deutschen Alleenstraße entlangfahren will, kann das auf dem Rückweg tun. Parallel zu dem Naturschutzgebiet verläuft zwischen Warmen und in Richtung Bausenhagen ein Stück der Straße, die 1993 vom Verein Arbeitsgemeinschaft Deutsche Alleenstraße gegründet wurde. Der Warmener Teil der Strecke kam aber erst in den Folgejahren hinzu.

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Der fußläufige Teil ist aber auch allemal sehenswert und überzeugt durch die Ruhe sowie einen kleinen Bach, der entlang des Weges verläuft. Auf unserem letzten Abschnitt durch das Naturschutzgebiet kommen wir noch einmal an einem Flurkreuz mit einem gekreuzigten Jesus vorbei. Dieser letzte Abschnitt ist einer der wenigen, der nicht über Asphalt und nur durch die Natur führt.

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Nach diesem Abschnitt endet der Rundwanderweg wieder an der Kulturkirche in Frohnhausen. Kulturkirchen sind alte, nicht mehr für Gottesdienste genutzte Gotteshäuser, die zu Kunstorten umfunktioniert wurden. Häufig finden dort Konzerte oder Kunstausstellungen statt. Damit sollte der zunehmenden Nicht-Nutzung der Kirche entgegengewirkt werden, die Kirchen erhalten und für einen anderen Zweck weiterhin genutzt werden.

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Für Gourmets haben die Ortskundigen noch einen Tipp am Ende der Tour: Käse-Liebhaber sollten die Käserei des Ortes besuchen. Dort werden die Milchprodukte nach altüberlieferter Handwerkstradition hergestellt. Wer nicht mehr zur Käserei möchte, aber einen gemütlichen Abschluss mit seinem Wanderführer haben möchte, sollte in die Bäckerei Neuhaus im Ortskern gehen. Dort kann man bei einem Kaffee und handgemachten Backwaren den Nachmittag ausklingen lassen.

* Dieser Artikel erschien erstmals in unserem Wandermagazin „Wald und Weg“ im Mai 2018.
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