Die Dokumentarfilmerin Elena Horn aus Ostbüren startet im Filmbusiness durch. Ihr Porträt über ausgediente Bergmänner und das Modelabel Grubenhelden aus Gladbeck ist bald auf Arte zu sehen.

Fröndenberg

, 08.03.2019, 11:04 Uhr / Lesedauer: 3 min

„Fröndenberger? Da muss ich immer an das Brötchen denken. Ja, an das aus der Gesamtschule. Das belegte mit Käse. Das hieß so“, erinnert sich Elena Horn. Fröndenbergerin ist die 30-Jährige eigentlich schon lange nicht mehr so richtig. Zuletzt nannte sie London ihr Zuhause. Doch der Brexit treibt die junge Frau zurück in die Heimat. Nach kurzem Zwischenstopp in Fröndenberg ist sie jetzt schon wieder arbeiten - in der Hauptstadt Berlin. Eigentlich ist ihr Arbeitsplatz die ganze Welt. Denn Elena Horn ist freiberufliche Dokumentarfilmerin.

Dort arbeiten, wo einen die Geschichten hinführen

Gearbeitet wird überall dort, wo sie die Geschichten hinführen, die Elena Horn anschließend in bewegten Bildern erzählt. Obwohl sich die Regisseurin sicher ist, dass sie jedes Thema der Welt, alle menschlichen Höhen und Tiefen, auch in Ostbüren vor der alten Haustür filmen könnte. Das sei „die Magie des Dokumentarfilms“.

Zuletzt wurde es dann doch eine mehrere Tausend Kilometer lange Reise über den Atlantik bis an die Ostküste der USA, um einen dieser Momente, aus denen Dokumentarfilmer bares Geld machen, einzufangen: Es ist bereits dunkel in New York. Auf dem Times Square leuchten die bunten elektronischen Werbetafeln, die ikonisch für diesen Ort stehen, um die Wette. Aber mindestens genauso viel Strahlkraft haben vier echte Kumpel aus dem Ruhrpott, die sich in traditioneller weißer Bergmannskluft vor der Szenerie positionieren. Umringt von Pressevertretern, neugierigen New Yorkern und einem Film-Team. Dann singen sie das Steigerlied.

Und noch bevor diese Szene am 18. März in einem Dokumentarfilm auf Arte erscheint, hat sie im Internet von einem Tag auf den anderen tausende Menschen aus dem Ruhrgebiet begeistert.

„Eigentlich sollte ich gar nicht studieren, sondern eine Ausbildung machen“, sagt Elena Horn. Als sie 2007 im Anschluss an ihr Abitur nach Köln ging, um dort und in Paris Medienpsychologie zu studieren, waren ihre Eltern gar nicht begeistert. „Jetzt zeig mal, wie du damit Geld verdienen willst“, habe ihr Vater noch gesagt, als die Fröndenbergerin ihren Dokumentarfilm-Master in London absolvierte.

Doch es hat irgendwie geklappt und das sei „total irre“ findet Elena Horn. Neben ihrer guten Ausbildung war die 30-Jährige aus Ostbüren wohl auch zur richtigen Zeit am richtigen Ort und hatte den richtigen Riecher für Menschen und ihre Geschichten. Rund zehn Filme konnte sie inzwischen drehen.

Pizza, Demokratie und der kleine Prinz überzeugten beim Filmfestival in Arizona

Vor wenigen Tagen gewann sie einen bedeutenden Preis beim Sedona International Film Festival für den Dokumentarfilm Pizza, Democracy & The Little Prince, den sie zusammen mit Alessandro Leonardi, einem Londoner Regisseur drehte. Mit den in der Türkei gedrehten minimalistischen Aufnahmen eines Zusammentreffens von geflüchteten Kindern aus Syrien, die dort auf internationale Stundenten treffen, konnte sich Pizza, Democracy & The Little Prince gegen oscarerfahrene Konkurrenz durchsetzen.

Von der Zeche auf den Laufsteg und von Fröndenberg hinaus in die Welt

Christian Strzecha ist die Hauptfigur in der Reportage, die die Fröndenbergerin Elena Horn für Arte gedreht hat. © Bastian Barenbrock

Auch mit der Geschichte um die Bottroper Kumpel, die sich nach dem Steinkohleausstieg im New Yorker Modezirkus wiederfinden, traf Elena Horn direkt ins Schwarze. Um die Unterstützung eines Senders bewerben sich Filmemacher nicht allein, sondern mit einer Firma, die die Produktion realisieren kann, erklärt sie. Arte war sofort begeistert von der Geschichte, die Elena Horn und das Team aus Wiesbaden vorschlugen.

Der Film „Tausche Zeche gegen Laufsteg“ läuft am Montag, 18. März, um 19.40 Uhr auf Arte und ist dann auch unter folgendem Link in der Mediathek zu sehen: www.arte.tv/de/videos/086138-049-A/re-tausche-zeche-gegen-laufsteg

Mode für die internationale Bühne kommt aus einem Tante-Emma-Laden

Das Modelabel Grubenhelden stellt Kleidung her, in die die Geschichte des Ruhrgebiets gleich mehrfach eingewoben ist: Sie besteht aus dem Material der Bergmannskleidung, nutzt Grubenmarken oder den Text des Steigerleids als Designelemente. „Labelchef Matthias Bohm möchte nicht nach München oder Paris, wo er sein Start Up vielleicht viel besser hätte realisieren können“, sagt Elena Horn begeistert. Stattdessen habe er sich bewusst entschieden sein Büro in einem ehemaligen Tante-Emma-Laden in einer alten Zechensiedlung einzurichten.

Mit seiner Kollektion scheute er sich nicht, eine Bewerbung für die Fashionweek in New York auf den Weg zu bringen - und wurde ausgewählt. Mit auf dem Laufsteg waren die Kumpel aus Bochum um Christian Strzecha.

Als Teenager war Elena Horn Leistungsturnerin

Ihre Leidenschaft fürs Filmemachen hat Elena Horn keineswegs erst während des Studiums gepackt. Als Teenager war sie erfolgreiche Leistungsturnerin, bis sie sich mit 15 Jahren einen komplizierten Bruch zuzog. Die Turnkarriere endete abrupt. Und plötzlich gab‘s viel Freizeit. Sie schnappte sich die Kamera, mit der ihr Vater die Turnprüfungen filmte. Die Fröndenbergerin begann ihre Filme zu schneiden, dann zu überspielen und eigene zu drehen.

Nach dem Film ist vor dem Film: Als nächstes dreht Elena Horn eine Dokumentation über Alexander den Großen - für Kinder. Außerdem begleitet sie in einem privaten Projekt seit fünf Jahren Schülerinnen und Schüler der Gesamtschule Fröndenberg. Die Reportage soll zeigen, wie der Holocaust heutzutage als Unterrichtsgegenstand behandelt wird.

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