Vier gute Seelen vertragen sich

dz Männerquartett „Die Komischen Harmonischen“

In loser Folge widmet der Hellweger Anzeiger der berühmten „guten Seele vom Ganzen“ einen Bericht. Den Auftakt machen gleich vier gute Seelen – die Komischen Harmonischen.

von Martin Krehl

Fröndenberg

, 09.02.2019, 18:47 Uhr / Lesedauer: 3 min

Einig in der Uneinigkeit: Wer ist denn nun die „gute Seele“ beim Männerquartett „Die Komischen Harmonischen“ in Ostbüren? Ein Sangesbruder zeigt auf den nächsten, keiner auf sich – somit gibt es gleich vier gute Seelen in diesem Quartett?

„Ob Sie’s glauben oder nicht, es ist so“, sagt Hans Peter Fröschl. „Wir entscheiden gemeinsam, jeder hat den gleichen Anteil an unserer Arbeit und unserem Erfolg“. Bei nur vier Beteiligten ist so ein Einigungsprozess auch leichter als etwa in dem großen MGV Harmonie Ostbüren, aus dem die vier Sänger alle stammen. Acht Schultern stemmen hier das Projekt.

Vier, die sich gesucht und gefunden haben? Anfangs waren sie sieben Sänger, die im Frühjahr 1998 den Projektchor gründeten. „Nicht im Streit mit dem MGV Harmonie, wohlgemerkt“, das ist nicht nur Georg Luerken ganz wichtig: „Wir sind und bleiben alle in der Harmonie“. Konkurrenz zu den traditionellen Klangkörpern der Harmonie machen die Komischen Harmonischen nicht – „wir machen etwas ganz anderes, was mit dem großen Chor so gar nicht ginge“, erklärt Luerken weiter. Alle Vier stehen aber weiter in Treue fest zur klassischen Chorliteratur und zum Repertoire des MGV.

Vier gute Seelen vertragen sich

Michael Preuß liebt die fröhliche kleine Runde.

Von Beginn an komisch

„Nein, es ging damals darum, für den in der Ausbildung befindlichen Vizechorleiter Michael Preuß mehr Praxis zu schaffen“, stellt Hans Peter Fröschl klar. Preuß brauchte mehr Gelegenheiten zum Dirigat und zur Gestaltung eines Repertoires. Und weil das Repertoire des neuen kleinen Chores, des heutigen Quartetts, von Anfang an in die komischere Lieder-Richtung ging, hieß der Projektchor schnell „Die Komischen Harmonischen“.

Die große Harmonie blieb also im Namen wie auch in der Gefühlslage der vier Sänger. „Wenn das hier nicht stimmen würde, käme ich mit meinen 81 Jahren gar nicht mehr“, sagt Erich Müller, der die anstrengenden Proben im Wohnzimmer von Hans Peter Fröschl genießt.

Vier gute Seelen vertragen sich

Hans Peter Fröschl mag’s gleichberechtigt.

Fröschl ist Conférencier

Wer diesen launigen, aber arbeitsintensiven Proben rund um Fröschls Esstisch mal beiwohnen darf, wird auch schnell feststellen, wie sehr sich die vier Herren in gesetzterem Alter ergänzen. Michael Preuß dirigiert zwar und gibt die Einsätze per Blickkontakt, aber das alleinige Sagen in der Runde hat er nicht. Georg Luerken und Erich Müller sind genauso an der Auswahl der Lieder beteiligt wie Hans Peter Fröschl und Dirigent Preuß. Bei Auftritten übernimmt Hans Peter Fröschl gern und gekonnt den Part des Conférenciers.

Der erste Tenor und der erste Bass haben hier nicht mehr Anteil als der 2. Tenor und der 2. Bass; alle vier sind gleichberechtigt an den Entscheidungen bis ins Detail. „Wahrscheinlich spielt auch die Tatsache eine Rolle, dass sich bei unser Vieren keiner beim Singen verstecken kann“, meint Hans Peter Fröschl. „Zwischendurch mal Luft holen oder ein falscher Takt, das fällt sofort auf – anders als bei einem großen Chor mit zig Sängern“. Das bedeute, wenn man sich beim Auftritt nicht aus der Verantwortung für den gesamten Klangkörper stehlen kann, dann kann man es auch nicht bei der Organisation des Quartetts. „Eine gute Seele allein würde uns also gar nicht reichen“, meint Georg Luerken auch.

Vier gute Seelen vertragen sich

Erich Müller sucht die Herausforderung.

Kleiner grüner Kaktus

Das erste Lied, das einstudiert wurde, war der „Kleine grüne Kaktus“ von den Comedian Harmonists. Deutsches Liedgut aus den 30er Jahren sollte es sein, auch wenn der eine oder andere Schlager dann doch schon in den 20ern entstanden ist. Aber dann weitete sich das Repertoire zusehends analog zu der Erweiterung der Gesangskompetenzen der vier Herren. Heute singen sie Songs von Reinhard Mey, Hannes Waader, Stephan Sulke oder Wolle Petry, eigens für ihre Stimmenlagen arrangiert natürlich. „Vierstimmiger Gesang ist mittlerweile für uns kein Ding mehr“, verweist Michael Preuß darauf, dass das Dasein als komischer Harmonischer durchaus anstrengend sein kann. „Wir könnten auch Bruce Springsteen“, meint Hans Peter Fröschl, „aber nur, wenn der deutsche Texte hätte“. Denn Deutsch wird im Quartett gesungen, „nicht auswärts“. Keiner der vier fühlt sich in der Lage fehlerfrei auf Englisch zu singen, man höre solche Versuche oft bei anderen kleinen Chören. Selbst kölsche Lieder der Bläck Föös sind auf das hiesige Idiom eingedeutscht worden, die Komischen Harmonischen würden sich allenfalls an Ruhrgebiets-Slang wagen – etwa beim „Bottroper Bier“ frei nach Tegtmeier. „Wir nehmen das alles sehr ernst, und zwar alle Vier gleich“, urteilt Georg Luerken noch.

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