Versprechen vor Gott im Haus Hubertia: Fröndenberger sagen im hohen Alter „Ja“

dzKirchlicher Segen

Karin Schröder und Egon Butscher kennen sich zwölf Jahre. Beide sind fast 80 Jahre alt. Dennoch war es ihnen wichtig, ihre Liebe noch einmal offiziell zu besiegeln. In der evangelischen Kirche ist das problemlos möglich.

Fröndenberg

, 08.11.2019, 16:57 Uhr / Lesedauer: 3 min

„Ich mache dir ein schönes Weihnachtsgeschenk“, sagte eine Freundin zu Karin Schröder. Was sich dahinter verbarg? Ein Mann. Nach dem Tod ihres Gatten sollte eigentlich kein neuer mehr ins Haus – doch dann hat es irgendwie „direkt gefunkt“, beschreibt es die 79-jährige Fröndenbergerin.

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„Beim ersten Treffen habe ich mich gefühlt wie ein Teenager“, sagt der gebürtige Kieler Egon Butscher (76), der seine Frau ebenfalls verloren hatte, über das erste Date mit der neuen Liebe. Egon Butscher lebte damals in Dortmund, hatte eine Kontaktanzeige aufgegeben, auf die Karin Schröders Freundin stieß.

Genauso aufgeregt wie damals

Jetzt war das vor zwölf Jahren sozusagen verkuppelte Paar wieder genauso aufgeregt wie damals als sie sich kennenlernten. Denn am Freitag stand die „kirchliche Hochzeit“, genauer gesagt eine Segensfeier, an. „Ich war schon immer gläubig“, sagt Karin Schröder. Deswegen ist es ihr sehr wichtig, sich noch einmal „vor Gott“ ein Versprechen zu geben. „Es geht um den kirchlichen Segen.“

„Beim ersten Treffen habe ich mich gefühlt wie ein Teenager.“
Egon Butscher, 76 Jahre

Standesamtlich wollten beide nicht mehr heiraten. „Wenn mal was ist, möchte man ja auf eigenen Füßen stehen“, erklärte Karin Schröder am Tag vor ihrer Hochzeit. Heiraten auf dem Papier brächte dann doch zu viele Verbindlichkeiten mit sich.

Aber auch die Hochzeit vor Gott war komplizierter als gedacht: Eigentlich sollte es eine katholische Feier werden. Doch das war für das in verschiedenen Konfessionen getaufte Paar nicht ohne weiteres möglich. So wurde ihre Verbindung vom evangelischen Pfarrer Jörg Rudolph gesegnet. „Das lief alles total unkompliziert“ freuten sich beide auf den großen Tag. Pfarrer Rudolph versprach zu singen, seine eigene Gitarre mitzubringen.

Hochzeit wird in der Kapelle im Haus Hubertia gefeiert

Hochzeit gefeiert wird in der kleinen Kapelle im Haus Hubertia des Schmallenbach-Hauses. Das Paar hat dort eine der heiß begehrten barrierefreien Mietwohnungen ergattert. Sogar mit kleiner Terrasse und Blumen vor dem Wohnzimmerfenster. Warten müsse man sechs bis sieben Jahre. „Wohnungen werden erst wieder frei, wenn einer stirbt – so makaber das klingt“, sagt Egon Butscher. Anfang dieses Jahres konnten die beiden einziehen.

Versprechen vor Gott im Haus Hubertia: Fröndenberger sagen im hohen Alter „Ja“

Das Fröndenberger Paar lebt im Haus Hubertia und hat dort in der kleinen Kapelle auch vor Gott geheiratet. © Archiv

„Ich habe schon zwei Nächte nicht geschlafen.“
Karin Schröder, 79 Jahre

Eine neue gemeinsame Wohnung, die Feier in der Kapelle, eine Reise mit Schiff und Flugzeug um die halbe Welt im Januar: Das klingt nach zweitem Frühling. Doch auch wenn ihre neue Liebe beide sehr glücklich macht – im Leben des Paares war und ist nicht immer alles rosarot. Der Sohn von Karin Schröder hat Krebs, ist auf den Rollstuhl angewiesen. Bis zum Umzug ins Haus Hubertia, hatten Karin Schröder, Egon Butscher, Karin Schröders Sohn und dessen Mann zusammen in einem großen schönen Haus gelebt.

Der Abschied vom Haus, aber auch vom gemeinsamen Leben mit dem Sohn, der immer zuhause war, ist Karin Schröder nicht leicht gefallen. Für den Sohn konnte die Familie in Olfen ein schönes ebenerdiges Haus finden. Für die 79-jährige Fröndenbergerin zumindest ein kleiner Trost.

Jemand, mit dem man Freud und Leid teilen kann

Umso mehr freuen sich Freunde und Familie von Karin Schröder, dass sie nach dem Tod ihres Mannes, wieder jemanden hat, mit dem sie Freud und Leid teilen kann. So hatten sich zum großen Tag für das Paar, der eigentlich im engsten Familienkreis begangen werden sollte, über 50 Freunde und Verwandte angekündigt.

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„Ich habe schon zwei Nächte nicht geschlafen“, sagte Schröder im Vorfeld aufgeregt. Dabei ging mit der Liebe vor zwölf Jahren alles relativ schnell.

Schon ein Jahr nach dem Kennenlernen zog Egon Butscher nach Fröndenberg um. Obwohl er seine tolle Wohnung in Dorstfeld, mit 46 Quadratmetern Dachterrasse wie er betont, nur ungern verließ. Verloben wollte sich das Paar dann auf dem Eiffelturm, doch die Ringe wurden nicht rechtzeitig fertig. Es sollte ein anderes Urlaubsland werden. Die beiden Fröndenberger reisen leidenschaftlich gerne rund um den Globus. Die Welt wollen sie auch in den nächsten Jahren noch entdecken – als Mann und Frau vor Gott.

Evangelische Kirche möchte sich den Menschen zuwenden

  • Segensfeiern wie die am Freitag in Haus Hubertia sind für Pfarrer Jörg Rudolph nicht alltäglich. Vor allem nicht bei Menschen in fortgeschrittenem Alter. Dabei zeige sie im Wesentlichen genau das, was die Evangelische Kirche sein möchte. Ein Lebensbegleiter, jemand der Halt gibt. Und zwar auch genau dann, wenn es sich die Menschen wünschen.
  • Menschen, egal welchen Alters, sei es hin und wieder wichtig, ihre Liebe nicht nur im Privaten zu leben, sondern unter den Segen Gottes zu stellen – und das mit ihrer Familie zu feiern, sagt der Pfarrer. „Uns als evangelischer Kirche ist es wichtig, so etwas zu ermöglichen.“
  • Manche Menschen würden nach 40 Jahren noch ihre kirchliche Hochzeit auf diesem Wege nachholen – oder ein besonders Jubiläum ihrer Ehe feiern.
  • Wie gut das ankomme, habe er am Freitag gesehen: „Es war eine schöne Feier, die Kapelle rappelvoll“, sagt Jörg Rudoph.
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