Versetzung von Thomas Reimann: Viele Fragen und wenige Antworten auf dem Mühlenberg

dzTreffpunkt Windmühle

Auch wenn sich die Verantwortlichen des Kreises Unna einer Diskussion zur plötzlichen Versetzung von Windmühlen-Leiter Thomas Reimann stellten, wurde viel geredet, aber wenig gesagt.

von Peter Benedickt

Fröndenberg

, 02.03.2020, 17:13 Uhr / Lesedauer: 2 min

Nachdem am Donnerstag die Versetzung von Thomas Reimann, Leiter des Fröndenberger Jugendtreffs Windmühle, bekannt wurde, war die Empörung groß. Aufgrund der Proteste der Bewohner, der Mitglieder des „Sozialen Netzwerks Mühlenberg“ sowie der Verantwortlichen des „Bündnisses für Familien“, die nicht nur auf Aufklärung drängten, sondern deren Ziel auch die Wiedereinsetzung ist, wurde kurzfristig ein Termin am Montag in den Räumen der Einrichtung angesetzt.

„Am vergangenen Dienstag haben wir noch zusammengesessen und das Jahresprogramm ausgearbeitet“, wusste eine Netzwerk-Mitglied zu berichten. „Da war nichts von Abschied zu spüren.“

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Spekulationen und Gerüchte kamen auf, weil die Maßnahme ohne weitere Erklärungen ablief: Es wurde auf den Datenschutz verwiesen.

Der Ärger ist umso größer, weil Thomas Reimann eine Integrationsfigur im Wohnviertel ist. Er hat seit 30 Jahren die Begegnungsstätte in der Kurt-Schumacher-Straße 62 mit aufgebaut. „Früher hatte unser Viertel einen so schlechten Ruf, dass sich die Leute auf Schützenfesten wegdrehten, wenn sie hörten, woher wir stammten“, war aus den Reihen der Protestler zu hören. „Inzwischen hat sich das geändert, heute haben wir unser tolles Miteinander zu großen Teilen Thomas Reimann zu verdanken.“

Katja Schuon und Klaus Faß (v.li.) stellten sich den Fragen der Protestler.

Katja Schuon und Klaus Faß (v.li.) stellten sich den Fragen der Protestler. © Peter Benedickt

Der Mann war Anlaufstelle, Planer, Koordinator. „Immer ansprechbar, ein offenes Ohr zu jeder Zeit“, klagte eine Mutter, die ihre Kinder nicht mehr zur Einrichtung schicken möchte. „In einem halben Jahr steht hier ein kaltes, leeres Gebäude“, prophezeite sie eine düstere Zukunft.

Die Gerüchteküche brodelt

„Zu Personalie Thomas Reimann können wir tatsächlich aus Datenschutzgründen nichts sagen, es gibt Gründe, ja, aber mehr dürfen wir nicht sagen“, bekräftigten Katja Schuon, Leiterin des Kreisjugendamtes, und Klaus Faß, Kreisjugendpfleger, zu Beginn des Termins. „Allerdings widersprechen wir Gerüchten, die aufgekommen sind, sie sind absolut ungerechtfertigt, da ist nichts dran“, nahmen die Mitarbeiter zu Missbrauchsgerüchten Stellung.

Schon seit einiger Zeit wären Neustrukturierungen im Fachbereich in Angriff genommen, die Umbesetzungen aber noch nicht zu Ende gedacht, noch alles im Fluss. Aber die Menschen auf dem Mühlenberg könnten sicher sein, dass demnächst qualifizierte Kreis-Mitarbeiter hier ihre Arbeit aufnehmen und genauso zur Verfügung stehen wie der Vorgänger.

Thomas Reimann (Mitte) war immer Kopf und fester Bestandteil des Windmühlen-Teams.

Thomas Reimann (Mitte) war immer Kopf und fester Bestandteil des Windmühlen-Teams. © Land

Diese Aussage wurde allerdings angezweifelt: „Thomas war das Herz, bei ihm liefen die Fäden zusammen, er hatte den Überblick, unser Vertrauen. Er wusste, wie die Dinge standen und liefen“, war zu hören. „So mit ihm umzugehen, ist kein guter Stil. Wir haben das Gefühl, dass Fakten geschaffen wurden.“

Fröndenberger glauben den Kreismitarbeitern nicht

Jürgen Wiechert als Sprecher des Netzwerkes, sowie Kurt Potthoff, Vorsitzender der SPD-Fröndenberg-Mitte, zweifelten deutlich an, dass hier längere Überlegungen zum Tragen kamen: „Wenn da seit geraumer Zeit Änderungen angedacht sind, könnte heute ein Nachfolger präsentiert werden. Das ist nicht der Fall. Deshalb fehlt der Glaube, dass die Maßnahme Produkt der Umstrukturierung ist.“

„Der Mann war hier der Motor, auf ihn können und wollen wir nicht verzichten.“
Monika Kostorz

Monika Kostorz hält die Versetzung für einen Schlag ins Gesicht und hätte sich bessere Kommunikation gewünscht: „Der Mann war hier der Motor, auf ihn können und wollen wir nicht verzichten.“

Katja Schuon und Klaus Faß beriefen sich auch bei den Fragen von Netzwerk-Sprecher Jürgen Wiechert auf den Datenschutz.

Katja Schuon und Klaus Faß beriefen sich auch bei den Fragen von Netzwerk-Sprecher Jürgen Wiechert auf den Datenschutz. © Peter Benedickt

Die Frage nach der Nachfolge kann noch nicht geklärt werden, da die Mitarbeiterzahl beim Kreis nicht unendlich sei, zudem ständen Gespräche an, nicht nur mit potenziellen Nachfolgern, beispielsweise auch mit dem Personalrat, zeigte Katja Schuon das weitere Prozedere. Klaus Faß: „Die Arbeit wird fortgeführt, ich bitte um Vertrauen. Aber ad hoc eine Entscheidung fällen, ist sicher auch nicht richtig.“

Mit Plakaten wurde das Ziel der Protestler klar zum Ausdruck gebracht: „Wir wollen Thomas Reimann wiederhaben.“

Mit Plakaten wurde das Ziel der Protestler klar zum Ausdruck gebracht: „Wir wollen Thomas Reimann wiederhaben.“ © Peter Benedickt

Beide Parteien rückten im Verlauf des Gesprächs kaum aufeinander zu. Noch einmal nachdenken zu wollen, war der kleinste Kompromiss von Schuon und Faß.

Unzufriedenheit bei den Demonstranten: „Wir gehen, wie wir gekommen sind. Hier hat sich nichts Greifbares ergeben.“

Wenigstens dem Vorschlag von Monika Kostorz, in zwei Wochen an gleicher Stelle den Stand der Dinge nochmals auszutauschen, stimmten bei Seiten zu.

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