Scharfe Kanten, unsichere Spielgeräte: Ein Schüler hat die Stadt kurz vor dem Schulstart auf Trab gebracht. Warum der Hinweis auf vermeintlich gefährliche Stellen an der Gesamtschule so brisant war, erklärt nun das Rathaus.

Fröndenberg

, 27.08.2019, 18:02 Uhr / Lesedauer: 3 min

In einem Bürgerantrag nennt ein Fröndenberger unter der Überschrift „Umgestaltung des Schulhofes der Gesamtschule Fröndenberg“ auch zahlreiche seiner Meinung nach gefährliche Stellen auf dem Schulgelände.

Stadtverwaltung reagiert noch vor Start des neuen Schuljahres

Die Stadtverwaltung hat noch am Montag und Dienstag dieser Woche, zwei Tage vor dem Schulstart, auf die Hinweise reagiert und den Schulhof und den Ascheplatz kontrolliert – obgleich sie sich sicher war, ihrer Verkehrssicherungspflicht nachgekommen zu sein.

Scharfe Kanten, unsichere Spielgeräte: Schüler der Gesamtschule bringt Bauamt auf Trab

Der Innenausbau der Gesamtschule Fröndenberg schreitet voran, aber das Ende ist noch nicht in Sichtweite. © Carlo Czichowski

Bauamtsleiter Martin Kramme zeigte sich ziemlich erstaunt über den Absender der Mängelliste: „Ein Schüler trifft eine solche Aussage?“, meinte Kramme. Dafür benötige man schon einschlägigen Sachverstand. „Nichtsdestotrotz nehmen wir diese Hinweise ernst“, so Kramme weiter.

„Der Schulhof ist sicher.“
Ole Strathoff, Fachbereichsleiter Schule

Der Bürgerantrag ist auch über das Ratsinformationssystem der Stadt unter www.froendenberg.de öffentlich zugänglich. Daher können ihn auch betroffene Eltern ohne Weiteres einsehen – und sich womöglich Sorgen machen.

Der Schüler, dessen Name der Redaktion nicht bekannt ist, listete in seinem Bürgerantrag, der am 19. August im Rathaus eingegangen war, etliche Mängel auf dem Außengelände der Gesamtschule auf:

  • So sei etwa ein altes Geländer auf dem Schulhof verrostet und „damit verbunden für Schüler sehr gefährliche scharfkantige Kanten“.
  • In der Trennmauer der beiden Schulhofebenen gebe es Risse. „Ob diese eine Gefahr darstellen, kann nur ein Statiker beurteilen“, räumt der Schüler ein.
  • Zudem sei der Ascheplatz „mit einigen spitzen Steinen übersät, welche das Fußballspielen auf ihm zu einer gesundheitlichen Gefahr für die Schüler werden lässt“.
  • Die Kletterwand sei „nach heutigen Standards nicht länger als sicher einzustufen und sollte bis zu ihrer Neugestaltung vorübergehend stillgelegt werden“, urteilt der junge Antragsteller.

Besonders den letzten Kritikpunkt wollte der Bauamtsleiter in keiner Weise gelten lassen. Die Kletterwand sei routinemäßig kürzlich noch kontrolliert worden. Das sei ein standardmäßiges Vorgehen, um Unfällen und Verletzungen und damit auch einer Haftung vorzubeugen.

Zur Sache

Rathaus beschäftigt ausgebildeten Spielplatzkontrolleur

  • Mit Detlef Penzek beschäftigt die Bauverwaltung im Rathaus einen ausgebildeten Spielplatzkontrolleur.
  • Die Kontrolle von Spielplätzen erfolgt in drei Stufen: der Sichtprüfung, der Verschleißkontrolle sowie der Jahresinspektion.
  • Bei der in der Regel wöchentlich stattfindenden Sichtprüfung werden offensichtliche Mängel behoben.
  • Bei der im Turnus von sechs, acht oder auch zwölf Wochen erfolgenden Verschleißkontrolle werden die einzelnen Geäte je nach Belastungsstärke genauer kontrolliert.
  • Bei der Jahresinspektion wird eine grundlegende Kontrolle auch des Fundamentes und tragender Elemente vorgenommen.
  • Die Kontrollintervalle können sich je nach Frequentierung der Spielplätze auch verkürzen oder verlängern. Täglich genutzte Spielgeräte wie etwa auf den Schulhöfen werden aber ausnahmslos täglich kontrolliert.

Eine sogenannte Sichtprüfung auf dem Schulhof gehöre „zum festen Arbeitsauftrag des Hausmeisters“, erläuterte Kramme. Der schaue sich nicht nur die Spielgeräte an, sondern suche auch das Grundstück ab. „Der Schulhof wird auch abends besucht, da können Flaschen, Scherben und Spritzen liegen“, so Kramme.

Mitarbeiter der Verwaltung haben sich die beschriebenen Stellen seit Montag angesehen. Es gebe danach „keinen weiteren Handlungsbedarf“, bestätigte Ole Strathoff, Fachbereichsleiter Schule, auf Nachfrage der Redaktion am Dienstagnachmittag. Mängel habe man nicht vorgefunden. Das Klettergerüst sei standfest, es gebe weder scharfe Kanten am Geländer noch spitze Steine auf dem Ascheplatz. „Der Schulhof ist sicher“, betonte Strathoff.

Martin Kramme räumte unterdessen ein, dass sich über Anregungen im zweiten Teil des Bürgerantrags durchaus reden ließe. „Das ist nicht alles kompletter Humbug.“

Dem Schüler geht es um eine Sanierung des Schulhofs, die frühestens nach aktuellen Sanierungsmaßnahmen im Innenbereich der GSF, also voraussichtlich ab 2027 vorgesehen sind.

»Ein Häuslebauer macht seinen Garten auch erst, wenn er mit seinem Haus fertig ist.«
Martin Kramme, Bauamtsleiter

Seiner Ansicht nach müsse wesentlich früher auch im Außenbereich saniert werden. Martin Kramme teilt diesen zeitlichen Vorstellungen allerdings eine klare Absage. Für die Sanierung und den Neubau von Trakten werde noch schweres Gerät, etwa ein Gussasphaltwagen, über das Schulgelände fahren.

Was auf dem Schulhof vorzeitig saniert werde, könnte dann sofort wieder kaputtgemacht werden. „Ein Häuslebauer macht den Garten auch erst, wenn er mit dem Haus fertig ist“, so Kramme.

Scharfe Kanten, unsichere Spielgeräte: Schüler der Gesamtschule bringt Bauamt auf Trab

Das neue Forum soll mit runden und modernen Elementen neu gestaltet werden. Die Phase null wurde vom Architekturbüro Klein + Neubürger betreut. © Klein + Neubürger Architekten

Offen zeigte sich Kramme aber für die Vorschläge, die der Schüler macht:

  • Derzeit müssten die Schülerinnen und Schüler noch durch den Außenbereich zu den Toiletten gehen. Man werde bei Regen und Schnee sehr nass „Eine Überdachung wäre daher die logische Lösung“, findet der Schüler.
  • Gehbehinderte Schüler und Lehrer hindere derzeit eine kleine Treppe, den Schulhof zu betreten, so der Schüler weiter, denn: „Gerade im Sommer ist es sehr heiß und stickig im Hauptgebäude.“ Daher müsse „im Zuge der Inklusion“ ein behindertengerechter Zugang des Schulhofs geschaffen werden. Schulleiter Klaus de Vries räumte Nachholbedarf ein, derzeit gebe es an der GSF allerdings keinen im Rollstuhl sitzenden Schüler.
  • Auch Sonnenschutz vor den Fenstern wünscht sich der Antragsteller. Das Gebäude heize sich im Sommer stark auf. Viele blieben aber notgedrungen in den warmen Räumen. Denn gehe schon die Hälfte aller Schüler in den Pausen auf den Schulhof, wären das allein 600 Personen.
  • Schließlich gebe es nur wenige Tische mit Sitzmöglichkeiten auf dem Schulhof. Vielen Tischen fehlten bereits die Tischplatten. Auch die Rundbank um einen Baum müsse ausgebessert werden, außerdem fielen durch den Neubau der Schulbücherei Spielgeräte weg, die man ersetzen solle.

Fand die Kritik an vermeintlich gefährlichen Spielgeräten keine Gnade bei Martin Kramme, seien die Vorschläge durchaus ernst zu nehmen. „Wir sind für solche Anregungen dankbar, auch wir sind manchmal betriebsblind.“

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