Erstmals könnte es fünf verkaufsoffene Sonntage in der Stadt geben: Neben drei Öffnungstagen in der Innenstadt soll Frömern zwei Einkaufssonntage bekommen. Verdi lehnt das Vorhaben ab.

Fröndenberg

, 04.12.2018 / Lesedauer: 3 min

Mit einer Tradition soll bei den verkaufsoffenen Sonntagen gebrochen werden: Zur Fliegenkirmes werden die Geschäfte in der Innenstadt wohl künftig geschlossen bleiben. Der nachlassende Besucherstrom zu den Fahrgeschäften und an die Zuckerwattebuden macht sich deutlich bei den Einzelhändlern bemerkbar, wie im September schon einige Geschäftstreibende klagten. „Die Fliegenkirmes ist dermaßen umsatzschwach, dass wir schon Mitarbeiter vor Feierabend nach Hause geschickt haben“, sagt Wolfgang Hüttner. Dieselbe Erfahrung hätten andere Mitglieder des Werberings gemacht, so der Vorsitzende zu unserer Zeitung.

Wahl fiel schnell auf den Besuchermagnet Bauernmarkt

Die Wahl sei sehr schnell auf den Bauernmarkt als Alternative gefallen. „Nach dem Bauernmarkt gehen viele anschließend noch durch die Stadt“, so Hüttner, „dieser verkaufsoffene Sonntag wird bedeutend umsatzstärker“, ist sich der Geschäftsmann sicher. Das Publikum auf der Fliegenkirmes neige im Grunde auch nicht zum Einkaufsbummel. Hüttner: „Oma und Opa gehen mit dem Enkelkind zur Kirmes, aber nicht einkaufen.“ Wie gewohnt bleiben die Einkaufssonntage beim Frühlingsmarkt, der in diesem Jahr massenweise Kunden in die Innenstadt lockte, und beim Christkindelmarkt.

Jetzt lesen

Die Fröndenberger Stadtverwaltung war unterdessen aufgerufen, für das kommende Jahr ihre Ordnungsbehördliche Verordnung zu den Einkaufssonntagen zu überprüfen: Die NRW-Landesregierung hatte im März das Ladenöffnungsgesetz geändert und unter anderem die erforderliche Begründung für verkaufsoffene Sonntage geändert. Künftig fällt die Anlassbezogenheit weg, stattdessen müssen Sachgründe gegeben sein und ein öffentliches Interesse daran bestehen, dass am geschützten Sonntag Verkaufsstellen geöffnet werden dürfen.

Stellungnahmen

Auch die Kirchen stimmen zu

Die IHK Dortmund, der Handelsverband Westfalen-Münsterland, der Unternehmensverband Westfalen-Lippe, die Handwerkskammer Dortmund, die Kreishandwerkerschaft Hellweg-Lippe, die Evangelische Kirchengemeinde Fröndenberg und Bausenhagen und die Katholische Kirche Fröndenberg haben in ihren Stellungnahmen den geplanten Sonntagsöffnungen zugestimmt. Die Evangelische Kirchengemeinde Fröndenberg und Bausenhagen hat in ihren Ausführungen zur Verordnung die Begrenzung der Zahl auf drei innerstädtische Sonntagsöffnungen als „guten Kompromiss zwischen öffentlichem Interesse, religiöser Bedeutung des Sonntags und verfassungsrechtlich garantiertem Schutz des Arbeitnehmers“ angesehen.

Hieran mussten sich die Anträge aus Fröndenberg und Frömern messen lassen. Die Verwaltung geht im Ergebnis davon aus, dass alle fünf beantragten verkaufsoffenen Sonntage genehmigt werden können. Ein öffentliches Interesse besteht nämlich in der Regel, wenn der Einkaufssonntag einen Zusammenhang mit örtlichen Festen, Märkten oder Messen hat, oder Erhalt, Stärkung oder Entwicklung eines zukunftsfähigen stationären Einzelhandelsangebotes dient. Auch die Belebung der Innenstädte, Ortskerne, Stadt- oder Ortsteilzentren kann ausdrücklich ein öffentliches Interesse an einem Einkaufssonntag begründen. Auf eine Kurzformel gebracht: Es sollen nicht erst die sonntags geöffneten Geschäfte, sondern Märkte oder Kirmes das Publikum in die Innenstädte locken. Ein Beleg hierfür sei, dass es zum Bauernmarkt im Innenstadtbereich bisher noch gar keine Sonntagsöffnung der Innenstadtgeschäfte und dennoch 2018 einen neuen Besucherrekord mit rund 7000 Gästen gegeben habe.

Verdi hat „erhebliche Zweifel“, ob die Märkte allein das Publikum anziehen

Anderer Ansicht ist die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi, die sich in ihrer Stellungnahme gegen sämtliche fünf Einkaufssonntage in Fröndenberg ausspricht. „Die Städte sollen nach der Gesetzesänderung nicht glauben, dass sie einen Freifahrtschein haben“, sagte Reiner Kajewski von Verdi im Gespräch mit usnerer Zeitung. Man schaue sich genau an, ob die geplanten Öffnungen mit dem neuen Recht konform gehen. Für die fünf Einkaufssonntage in der Innenstadt und in Frömern hege man „erhebliche Zweifel“, ob die an diesen Tagen geplanten Veranstaltungen wie gefordert „den öffentlichen Charakter des Tages“ maßgeblich prägen und somit auch Verkauf im Einzelhandel gerechtfertigt ist. Denn, so Reiner Krajewski: „Eine Ladenöffnung darf nur ein Annex zu der eigentlichen Veranstaltung sein.“ Die konträre Stellungnahme kann die verkaufsoffenen Sonntage zumindest noch nicht aufhalten. In der Großstadt Hagen hingegen hat Verdi durch gerichtliche Intervention in diesem Jahr geplante Einkaufssonntage zu Fall gebracht. Wie man im kommenden Jahr bei Kleinstädten verfahre, vermochte Krajewski nicht vorherzusehen.

Werbering stellt klar, dass keine Veranstaltung „aufgebauscht“ werde

Wolfgang Hüttner ist sich dagegen sicher, dass die Verwaltung die Einkaufssonntag zu Recht als gesetzeskonform einstuft. „Wir versuchen in Fröndenberg nicht, Veranstaltungen aufzubauschen und beantragen auch nur ein Minimum der möglichen Öffnungstage“, so der Chef des Werberings. Das liege sicherlich auch daran, dass zum Beispiel in Unna viel stärker als in Fröndenberg verkaufsoffene Sonntage auch seitens der Kundinnen und Kunden verlangt würden. Schließlich gibt es dort auch mehr zugkräftige Veranstaltungen. Wolfgang Hüttner: „Ein SoSo-Konzert ist sicherlich nicht dazu angetan, einen weiteren Einkaufssonntag zu beantragen.“

Jetzt lesen

Lesen Sie jetzt
Hellweger Anzeiger Harry Wijnvoord und Matze Knop

Promis am Abschlag: Kinderlachen sammelt Spenden mit Golf-Aktion in Fröndenberg

Hellweger Anzeiger Königsproklamation in Hohenheide

Mit dem 148. Schuss fällt „Gerd“: Am Samstag feiern die Adler-Schützen den neuen König

Meistgelesen