Unwetter am 4. Juli 2021 in Fröndenberg: Das war die Situation an der Landstraße in einem Garten in der Nähe des Rammbachs. © Privat
Soforthilfe

Vater von Flutopfern aus Fröndenberg schreibt Brandbrief an Laschet

Die Worte, die ein Vater von Flutopfern aus Fröndenberg findet, sind deutlich und dürften in Düsseldorf nachhallen: Jürgen Gerhardt prangert Ungerechtigkeit bei der Bewilligung von Soforthilfe an.

Die Situation sei vergleichbar mit anderen Katastrophengebieten. „Nicht nur das Haus war betroffen, sondern das halbe Dorf Warmen“, schreibt Gerhardt in seinem Brief an NRW-Innenminister Herbert Reul, den er gleichzeitig Ministerpräsident Armin Laschet zur Kenntnis gibt.

»Die Ankündigung von Ihnen, ,keiner wird allein gelassen‘, ist für die Bürger aus Fröndenberg-Warmen nur ein Lippenbekenntnis?«

Jürgen Gerhardt in seinem Brief an Armin Laschet

Jürgen Gerhardt, der selbst in der von den Unwettern stark betroffenen Stadt Hagen wohnt, setzt sich in seinem Schreiben für seine Kinder ein, die in Warmen in einem Mehrfamilienhaus wohnen.

Keller des Hauses eine „Trümmerlandschaft“

„Innerhalb von wenigen Augenblicken war der gesamte Keller, bis an die Decke, überflutet“, schildert Gerhardt den beiden Spitzenpolitikern die dramatischen Szenen vom 4. Juli.

Erheblicher Sachschaden sei entstanden. Waschmaschine, Wäschetrockner oder ein Ersatz-Ceranfeld, viele andere persönliche Sachen seien nicht mehr brauchbar. Der Strom sei ausgefallen, der Inhalt von Kühltruhen und Kühlschränken hätten entsorgt werden müssen. „Die ganze Kelleranlage des Hauses war eine Trümmerlandschaft.“

Angesichts dieser Sachlage sei es nicht hinnehmbar, dass die Landesregierung lediglich für die Folgen der Unwetter am 14. und 15. Juli eine schnelle und unbürokratische Finanzhilfe auf den Weg gebracht habe.

„Nun muss man zur Kenntnis nehmen, dass die Betroffenen keinerlei Entschädigung erhalten, weil das Unwetter sie früher heimgesucht hat? Das kann es doch wohl nicht sein“, hält Jürgen Gerhardt Ministerpräsident und Minister in seinem Brief vom 26. Juli vor.

Der Ministerpräsident sei vor die Kameras getreten und habe verkündet, dass allen Opfern von Hochwasser und Überschwemmungen schnell und unbürokratisch geholfen werde. Nun stelle man mancherorts fest, dass man in die Röhre schauen müsse.

Noch keine Antwort aus Düsseldorf

In einem Begleitschreiben an Armin Laschet macht Gerhardt deutlich, dass er nach dessen Worten Taten erwarte. „Die Ankündigung von Ihnen, ,keiner wird allein gelassen‘, ist für die Bürger aus Fröndenberg-Warmen nur ein Lippenbekenntnis?“, fragt Gerhardt rhetorisch.

Im Ortsteil Warmen könne man nicht verstehen, von einer Soforthilfe ausgenommen zu werden, man erwarte vielmehr ebenfalls unterstützt zu werden. Die Briefe an Reul und Laschet hat Jürgen Gerhardt neben unserer Redaktion auch der Stadtverwaltung Fröndenberg zur Kenntnis gegeben. Eine Antwort hatte Jürgen Gerhardt bis zum 30. Juli noch nicht erhalten, wie er im Gespräch mitteilte.

Das NRW-Innenministerium hatte am 28. Juli auf Nachfrage mitgeteilt, dass ein Verfahren im Rahmen der Soforthilfe-Richtlinie des Landes eingeleitet worden sei.

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Redaktion Fröndenberg
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Marcus Land

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