Ute Görler hat sich schon immer eine eigene Deele gewünscht. Dieses Jahr konnte sie ihre Familie an Weihnachten in ihre eigenes Fachwerkhaus einladen. Gefeiert wurde in der Deele.

Fröndenberg

, 28.12.2018, 18:11 Uhr / Lesedauer: 3 min

Schon als Kind erschuf Ute Görler gerne Dinge. Sie war begeistert davon, was Menschen aus Lehm und Holz erschaffen konnten. Früh hat sie deshalb angefangen, zu töpfern – und sie sollte auch später nie aufhören, selbst zu gestalten und mit eigenen Händen leblosen Materialien neues Leben einzuhauchen.

Ihr wohl größtes Projekt sind ihre eigenen vier Wände. Vor vier Jahren kaufte sie ein altes Fachwerkhaus, das heruntergekommen und stark sanierungsbedürftig war. Doch Görler sah in dem Häuschen in Ostbüren mehr als eine Menge Arbeit. „Es war ein Wunschtraum, einmal eine Deele zu haben“, erzählt sie. Vor wenigen Tagen konnte sie ihre Familie zum Weihnachtsfest in die Deele ihres eigenen Fachwerkhauses einladen – ihr Traum hat sich erfüllt.

Ute Görler erfüllte sich mit dem Kauf eines Fachwerkhauses in Ostbüren einen Traum

Uta Görler und Christoph Ableiter in der neuen Deele. Hier hat Görle mit ihrer Familie Weihnachten gefeiert. © Pott

Noch kein Ende in Sicht

Fertig ist das Haus aber noch lange nicht. „Bald stehen hier wieder Mischer herum“, sagt Zimmermeister Christoph Ableiter über die weihnachtlich dekorierte Deele. Es sei typisch für Fachwerkhäuser, dass über einen längeren Zeitraum daran weitergearbeitet wird.

Dort, wo im Jahr 1834, in dem das Haus erbaut wurde, noch ein dunkler, kalter Raum war, befindet sich heute die lichtdurchflutete, warme Deele. Gemeinsam mit Ableiter hat Görler seit vier Jahren viel erneuert. Eine hohe Glastür mit Glasfenstern bildet den Eingang, neue Balken und Lehmsteine zieren die neue Fassade. Zimmer für Zimmer gehen die beiden vor, und erneuerten nach und nach das ganze Haus. Die Wände bestehen aus einer dünnen Lehmschicht, Dämmplatten aus Holzfasern, einer weiteren Lehmschicht, in die eine Heizung eingearbeitet wird, und einer weiteren, edleren Lehmschicht. Eine Heizung habe es vorher in dem Haus nicht gegeben, so Görler. Die Heizung funktioniere nun ähnlich wie eine Fußbodenheizung.

Ute Görler erfüllte sich mit dem Kauf eines Fachwerkhauses in Ostbüren einen Traum

Die Räume zwischen den Holzbalken werden mit Lehm und einer Dämmschicht aus Holz gefüllt. In das Lehm wird die Heizung eingearbeitet – ähnlich wie bei einer Fußbodenheizung. © Pott

Was Görler, die selbst Zimmermeisterin und Lehmbauerin ist, an ihrem Zuhause besonders fasziniert, ist die Atmosphäre. „Man spürt, das hier Menschen etwas geschaffen haben“, sagt sie. Es sei bewundernswert, wie Menschen vor 200 Jahren die schweren Balken in den Dachstuhl getragen haben – ohne Kran oder technische Hilfsmittel. Uta Görler und Christoph Ableiter haben auch keinen Kran benutzt, dafür aber einen Flaschenzug. Dabei wiege ein Quadratmeter des Holzes rund 700 bis 800 Kilogramm, erklärt Ableiter – wenn es feucht ist noch mehr.

Und auch die Nachhaltig- und Natürlichkeit der Baumaterialien sind Görler wichtig. Lehm enthält keinerlei Schadstoffe und kann wiederverwendet werden. „Das Haus ist die dritte Haut. Sie sollte so sein, dass man schön darin leben kann“, so Görer. Auch der Gedanke, was für eine Welt man seinen Kindern hinterlässt, spielt für sie eine Rolle.

Im Jahr 1840 wurde Lehm mit der Industrialisierung und der Möglichkeit, Ziegel zu brennen, immer weniger verwendet. „Es ist an der Zeit, es wieder in die Köpfe der Leute zu bringen“, sagt Ableiter, dem ebenfalls am Herzen liegt, mehr Häuser ohne „Müllmaterialien“ wie Gips oder Styropor zu bauen.

Kunswerke aus Lehm

Görler lebt mit ihren vier Kindern, die zwischen 13 und 23 Jahre alt sind, in dem Fachwerkhaus. Zwischen antiken oder selbst hergestellten Holzmöbeln, stehen überall Kunstwerke von Görler.

Eines ist ein Bild aus Lehm. Es zeigt Afrika. Auf der glatten Oberfläche zeichnet sich in Rissen die Fläche des Kontinents ab. Es entstand nach ihren Afrikareisen, erzählt Görler, die je ein Freiwilliges Soziales Jahr in Tansania und in Botswana verbracht hat. Die Struktur des Lehms erinnere die 49-Jährige an ein trockenes Flussbett, das sie dort vor über zehn Jahren gesehen hat.

In Botswana gibt es übrigens viele Häuser aus Lehm. Dort stünden neue Häuser neben runden Lehmhütten. Die alten Zeiten sind dort noch präsent. Dass das auch in Deutschland und in Fröndenberg möglich ist, zeigt und lebt Uta Görler.

Ute Görler erfüllte sich mit dem Kauf eines Fachwerkhauses in Ostbüren einen Traum

So sah das Fachwerkhaus aus, als Uta Görler es vor vier Jahren gekauft hat. © privat

Lehm – ein Alleskönner

Uta Görler besitzt ein Fachwerkhaus in Ostbüren. Es besteht komplett aus ökologischen Materialien – vor allem aus Holz und Lehm. Wer sich jetzt vorstellt, dass die Wände in allen Zimmern hellbraun sind, liegt weit daneben. Lehm kann unterschiedliche Farben haben.

Ute Görler erfüllte sich mit dem Kauf eines Fachwerkhauses in Ostbüren einen Traum

© Pott

„Wer einmal Lehm benutzt hat, nimmt es immer wieder.“
Christoph Ableiter,
Zimmermeister

Das hänge damit zusammen, wie viel von den jeweiligen Inhaltsstoffen Ton, Sand und Schluff im Gemisch enthalten sind. Görlers Wohnzimmer hat eine weiße Wand. In die Edelputzschicht sind feine Glimmersteinchen eingearbeitet. Das Badezimmer schimmert in einem leichten Grünton und die Schlafzimmerwände haben eine gelbliche Färbung. Nachteile gebe es bei Lehm keine, erklärt die Zimmermeisterin. Lehm sorge für ein gutes Wohnklima, weil es Feuchtigkeit bindet. Das Material ist geruchsbindend und überall vorhanden.

Görler setzt auf natürliche Materialien. Sogar ihre Dusch-“Vorhänge“ sind aus Holz. Zimmermeister Christoph Ableiter unterstützt sie und ist auch selbst begeistert von der Idee, Häuser aus natürlichen Materialien zu bauen.

Fachwerkhäuser würden heute nur äußerst selten neu gebaut. Sie würden die Wärmeschutzverordnung nicht erfüllen – das tut Görlers Haus übrigens auch nicht, muss es als denkmalgeschütztes Gebäude aber gar nicht.

Eine Alternative seien Häuser in Holzrahmenbauweise mit Stroh als Dämmmaterial. Solche Bauten könnten auch vollständig aus ökologischem Baumaterial bestehen und Stroh sei mittlerweile als Baustoff zertifiziert. Der Preis, ein solches Haus zu bauen, sei nicht höher als bei einem normalen Haus, so Ableiter. Er hofft, bald ein solches Haus in Fröndenberg bauen zu können. „Dann hätte ich ein Musterhaus und könnte vielleicht einen Tag der offenen Tür organisieren.“ Denn alle sollen verstehen, wie gut es sein kann, alternative Baustoffe zu verwenden, sei es Lehm oder Stroh. Und: „Wer einmal Lehm benutzt hat, nimmt es immer wieder.“

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