Technische Begriffe aus dem Englischen, bei dem es so manchem Erwachsenen schwindelig wird. Die Kinder und Jugendlichen im Treffpunkt Windmühle hatten keine Berührungsängste mit Laptop und Plotter.

Fröndenberg

, 09.08.2019, 17:11 Uhr / Lesedauer: 3 min

Menschen jenseits der 30 können mit dem Begriff Upcycling wahrscheinlich nicht viel anfangen. Beim Upcycling gilt es, aus alten Produkten etwas kreatives oder praktisches Neues zu machen. Zum Beispiel Schmuck aus Briefmarken oder Gürtel aus Fahrradreifen. Im Treffpunkt Windmühle haben Kinder und Jugendliche am Freitag aus Altem Neues gemacht. Allerdings mit Hilfe moderner Technik. Und das nennt sich dann nicht mehr bloß Upcycling – sondern digitales DIY.

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Die Buchstaben stehen für „do it yourself“, was im Englischen soviel bedeutet wie „mach es selbst“. Und wenn man den beiden Leitern des Workshops Michael Winter und Eva Schwert so zuhört, verbirgt sich hinter digitalem DIY eine ganz eigene Philosophie.

Workshop lief im Rahmen des Ferienspaß-Programms

Zum Workshop, der im neuen Anbau des Treffpunkts lief, hatten Windmühle und die Fröndenberger Grünen eingeladen. Die Stadtverbände der Parteien organisieren und finanzieren jeweils einen Programmpunkt im Rahmen des Ferienspaß-Programms.

Mit Blick auf die Fridays-for-Future-Bewegung und ein erfolgreiches Theaterstück zum Thema Nachhaltigkeit passte es gut zum Programm der Grünen, einen Upcycling-Workshop zu unterstützen. Kontakt zum jfz Medienzentrum in Köln bestand beim Treffpunkt bereits. Michael Winter war vor zwei Jahren schon in Fröndenberg, um mit Kindern in der Windmühle zu „basteln“.

Upcycling im FabLab: Fröndenberger Kinder sind jetzt Experten im digitalen DIY

Alend entwickelt eine Vorlage am Computer. Jeder kann das Programm, mit dem sie arbeitet, kostenlos herunterladen. Und in einigen Copy-Shops gibt es Plotter. Dem selbstdesignten Shirt steht also nicht viel im Wege. © Marcel Drawe

„Alles wird billiger – und wir haben immer mehr Kleidung im Schrank liegen“, sagt Yvonne Romé vom Treffpunkt. Warum die alten Teile nicht einfach mal so aufpeppen, dass sie ähnlich viel Freude bereiten wie Neues? Für den Workshop haben alle Teilnehmer also eigene Kleidung mitgebracht. Für diejenigen, die nichts dabei hatten, gab‘s im Treffpunkt Shirts und Jutebeutel.

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Nicht mit Stift und Schere, sondern mit dem PC am Werk

Wer nun glaubt, dass sich die jungen Designer anschließend mit Stiften, Schere, Nadel und Faden ans Werk gemacht haben, irrt. Selbst die Kleinsten mussten ihr T-Shirt-Motiv am Laptop entwickeln – und stellten sich dabei geschickt an. „Die können ja schon besser mit dem Computer umgehen als wir Erwachsenen“, sagt Yvonne Romé.

  • Schritt 1: Theorie. Mittels eines speziellen PC-Programms sollten die Kinder Motive aus dem Netz in Vorlagen zum Beflocken umwandeln – und dann mit einem Plotter „ausdrucken“. Welche Motive dafür geeignet sind und welche nicht, erklärten Eva Schwert und Michael Winter. Dazu wurden Aufkleber gedruckt, die die Kleinen Designer zum Beispiel auf ihr Handy kleben können.
  • Schritt 2: Auswahl der Motive. Pferd, Katze, oder eine ganze Pferdefamilie – Tiere standen bei den überwiegend jungen Damen hoch im Kurs. Gesucht wurde das Lieblingsmotiv als Silhouette. An den Laptops, die das Medienzentrum mitgebracht hatte – ganz einfach via Google. „Es sollten keine Firmenlogos oder ähnliches dabei sein“, erklärte Eva Schwert. Sie hatte die Suchmaschinen so eingestellt, dass die Kinder nur nach verwendbaren Motiven googeln konnten. Solange die Motive nur für den Privatgebrauch verwendet werden, seien aber viele Bilder aus dem Netz ok.
  • Schritt 3: Das Lieblingsmotiv speichern, im Programm Silhouette Studio auswählen und Drucken. „Das Programm kann man im Internet kostenlos herunterladen“, erklärt Eva Schwert. In dem Programm werden die Konturen der ausgewählten Silhouette berechnet und auf die Maße der Thermofolie angepasst. Anschließend kann gedruckt – oder besser gesagt, geplottet werden.
  • Schritt 4: Der Schneideplotter druckt, beziehungsweise schneidet das gewünschte Motiv in die Thermofolie, ohne ein Trägerpapier, was sich darunter befindet, zu beschädigen. Anschließend kann das gewünschte Motiv aufgebügelt werden. Die Folie werde es im einfachen Bastelbedarf wohl nicht geben. Sie kann im Internet bestellt werden, erklärt Markus Winter.

Upcycling im FabLab: Fröndenberger Kinder sind jetzt Experten im digitalen DIY

Hanna (l.) und Maya zeigen, wie ein fertiger Leinenbeutel aussehen kann. Die beiden kleinen Schweinchen wurden aufgebügelt. © Marcel Drawe

Der Gemeinschaftsgedanke im Fablab

Den Kindern hat das Designen und Bedrucken ihrer Shirts jede Menge Spaß gemacht – aber für eine Person alleine sind Technik- und Materialaufwand wohl doch sehr hoch. Darum gehe es auch eigentlich gar nicht, so Markus Winter. Sein Workshop ist ein „mobiles FabLab“. In einem sogenannten „FabLab“ oder „MakerSpace“ kommen Menschen aus verschiedenen Bereichen zusammen, die sich zusammenschließen, unterschiedliche Geräte und Fertigungsverfahren zusammenbringen – von der Laubsäge bis zum 3D-Drucker.

„In einem Fab-Lab gibt es ein ganzes Universum an Tätigkeiten“, so Winter. Ein prominentes Beispiel sei die Ding-Fabrik in Köln. Mit dem mobilen FabLab „Kunst und Kabel“ des jfz Medienzentrums bringt Michael Winter Upcycling und Vinyl-Cutting, Physical Computing, sprich die künstlerische Verbindung von Software und Hardware, sowie viele andere spannende Dinge Kindern und Jugendlichen näher.

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