Schulbus-Malheur: Rathaus wehrt sich gegen Vorwürfe

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Nach dem Fahrplanwechsel für die Schulbusse reißt die Kritik nicht ab. Jetzt bemängelt ein Familienvater auch ständige Unpünktlichkeit und fehlende Wartehäuschen. Doch es gibt auch Lob.

Fröndenberg

, 10.01.2020, 16:15 Uhr / Lesedauer: 2 min

Veränderte Abfahrtzeiten, verspätete Busse und identische Linienbezeichnungen hatten nach dem Startschuss für den neuen Fahrplan am 7. Januar im Schulbusverkehr für Verwirrung, Ärger und Tränen gesorgt. Ein Familienvater aus Frömern übt nun auch grundsätzliche Kritik.

»Die Unpünktlichkeit bekommt man nicht in den Griff.«
Christian Knospe, Elternpflegschaft Gemeinschaftsgrundschule

„Die Unpünktlichkeit bekommt man nicht in den Griff“, ärgert sich Christian Knospe bei einem Anruf in der Redaktion. Dieses Problem habe man schon mit jenen Subunternehmen gehabt, die bis zum 7. Januar für Westfalenbus auf vielen Strecken im Stadtgebiet fuhren.

In Frömern verabschiedeten Eltern morgens ihre schulpflichtigen Kinder, die dann aber regelmäßig auf unpünktliche Busse warten müssten. Ein Buswartehäuschen gebe es in Frömern-Mitte, In der Twiete, nicht.

„Eltern können das nicht mehr mit gutem Gewissen tun, weil sie nicht wissen, ob und wann ihre Kinder abgeholt werden“, sagt Christian Knospe mit Blick auf Wind und Wetter. Er ist selbst Vater einer Tochter, die in die 1. Klasse der Gemeinschaftsgrundschule geht.

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Schulbus-Malheur: Rathaus wehrt sich gegen Vorwürfe

Stefan Betzinger, Abteilungsleiter Bauverwaltung, Immobilien und ÖPNV im Rathaus © Archiv

»Wir haben uns nicht gewünscht, dass es eine missverständliche Kennzeichnung der Busse gibt.«
Stefan Betzinger, städtischer Abteilungsleiter ÖPNV

Er bestätigt zudem die Kritik von Manuel Schächtele, Vater aus Ostbüren, dass die Linie R70 neuerdings mit zwei Fahrzeugen an der Gemeinschaftsgrundschule starte, aber in unterschiedliche Richtungen fahre und damit die Kinder völlig verunsichere.

Schulkinder müssen länger warten – ohne Buswartehäuschen

Weil nun Frömern, Ostbüren, aber auch die Hohenheide von zwei verschiedenen Linien bedient werden, würden Klassenkameraden beim Buseinstieg getrennt. „Das können Sie einem siebenjährigen Kind nicht erklären“, so Knospe, der Mitglied der Elternpflegschaft ist.

Weil Schulkinder zudem nun am Nachmittag länger auf ihren Bus warten müssen und es dort ebenfalls keine Überdachung gebe, setzten sich aus Frömern verstärkt wieder Elterntaxis in Bewegung – das halte er eigentlich für den falschen Weg, man sehe aber derzeit keinen anderen.

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Dass Westfalenbus mit der neuen Linienstruktur die Zahl der Haltestellen der einzelnen Busse verringern wollte, halte er grundsätzlich für ein gutes Konzept. Ohnehin sei das Unternehmen wohl der falsche Adressat für die Kritik. Von einem Mitarbeiter dort habe er erfahren, dass die Stadt Fröndenberg einige der Neuerungen vorgeschlagen habe.

„Wenn man wütend ist, muss man auf die Stadt schimpfen“, findet Christian Knospe. Stefan Betzinger von der Stadtverwaltung will diesen Vorwurf nicht gelten lassen.

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Zur Sache

Mehraufwand, Verständnis und Lob bei der Schule

  • Die Gemeinschaftsgrundschule hat in dieser Woche eine zweite Aufsicht an die Bushaltestelle beordert, die den Schulkindern beim Einstieg in den richtigen Bus helfen soll.
  • Aktuell erfordere der reibungslose Schulbusverkehr noch einen großen Organisationsaufwand auch für das Lehrerkollegium, räumt Silke Lakrabi ein. Dass in der ersten Woche des Fahrplanwechsels aber nicht sofort alles reibungslos funktioniere, sei nachvollziehbar.
  • „Ich verstehe, dass sich Eltern Sorgen machen. Es gibt nichts Schlimmeres, als wenn Kinder in den falschen Bus steigen“, sagt die Leiterin der Gemeinschaftsgrundschule.
  • Die unterschiedliche Linienführung des R70 nach Ostbüren, der auch einen Abzweig über Stentrop und Bausenhagen fährt, sei mit den Kindern zuvor im Unterricht besprochen worden.
  • Längere Wartezeiten nach Schulschluss, so Silke Lakrabi, würden die Kinder in aller Regel nicht an der Bushaltestelle, sondern in den Räumen der Offenen Ganztagsgrundschule verbringen.
  • Insgesamt habe sie die Komplikationen durch den neuen Fahrplan „nicht als so schlimm“ empfunden. Westfalenbus bemühe sich zudem sehr, die von der Schule gemeldeten Schwierigkeiten zügig abzustellen.
  • Stefan Betzinger von der Stadtverwaltung verweist zudem auf Gespräche mit den Schulen im Dezember, woraufhin Westfalenbus noch Änderungen in die Fahrpläne eingearbeitet habe.

„Wir haben uns nicht gewünscht, dass es eine missverständliche Kennzeichnung der Busse gibt“, sagte der Abteilungsleiter Bauverwaltung, Immobilien und ÖPNV im Rathaus. Dort seien ebenfalls einige Anrufe von verärgerten Eltern eingegangen. Daher sei man derzeit in engem Kontakt mit Westfalenbus.

Nach seinen Informationen sollen einzelnen Routen überarbeitet und bereits ab Montag (13. Januar) eine besserere Kennzeichnung der Busse, die Richtung Ostbüren fahren, geben.

Wetterschutzhäuschen werden an einzelnen Haltestellen errichtet

Die Ausstattung der Haltestellen liegt tatsächlich in der Verantwortung der Stadt. Die will in diesem Jahr das Programm des barrierefreien Umbaus weiterbetreiben. Von dem Fördergeld dürfen laut Tiefbauamtsleiter Markus Törnig auch sogenannte Wetterschutzhäuschen mitgebaut werden.

An welchen Haltestellen solche Wartehäuschen errichtet werden, müsse im Einzelfall entschieden werden. „Natürlich wollen doch alle Eltern, dass ihre Kinder wettergeschützt auf den Bus warten können“, so Törnig. Ob der Posten von 323.000 Euro in diesem Jahr schon dafür reicht, ist fraglich.

Der Baustart in diesem Jahr hänge derweil vom Zeitpunkt der Förderzusage durch das Land ab. Hierauf wartet die Stadt zurzeit.

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Silke Lakrabi, Leiterin der Gemeinschaftsgrundschule Fröndenberg © Archiv

»Es gibt nichts Schlimmeres, als wenn Kinder in den falschen Bus steigen.«
Silke Lakrabi, Leiterin der Gemeinschaftsgrundschule

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