Dass die Kirche Mitglieder verliert, kann Pfarrer Norbert Wohlgemuth vom Pastoralverbund Fröndenberg nicht leugnen. Doch er selbst erlebt täglich, dass das Interesse an Kirche noch da ist.

Fröndenberg

, 16.11.2018, 12:39 Uhr / Lesedauer: 3 min

„Die Taufen wiegen die Zahl der Sterbefälle nicht auf. Und die Zahl der Austritte auch nicht“. Dass die Kirche Mitglieder verliert, möchte Pfarrer Norbert Wohlgemuth nicht von der Hand weisen. Gründe seien der Demografische Wandel – aber auch die Skandale der Kirche, die das, was die Kirche im Lokalen leistet, in den Hintergrund geraten lässt. Das sei schade, er könne es aber auch verstehen. In Fröndenberg sei das Vertrauen in die Kirche aber zum Glück nicht verloren gegangen, sagt Wohlgemuth. Und auch außerhalb der Stadt erlebt er immer wieder, dass das Interesse an der Kirche noch besteht – auch bei jungen Menschen. „Ich habe schon Glaubensgespräche an der Tankstelle geführt“. Wohlgemuth habe innerhalb aber auch außerhalb der Gemeinde nie negative Erfahrungen gemacht – im Gegenteil. Er stoße immer wieder auf neugierige Menschen und führe zum Beispiel während Zugfahrten häufig tiefgründige Gespräche. „Ich setzte mich immer mitten in die Leute.“

Die Kerngemeinde schrumpft nicht

Wohlgemuth ist nun seit eineinhalb Jahren in Fröndenberg und sein Einsatz für die Gemeinde trägt bereits Früchte. So hat sich die Zahl der Messdiener seitdem verdreifacht. Er frage Kinder bei jeder Gelegenheit, ob sie Messdiener werden wollen.

„Gebe es keine Gemeindefeste mehr, würde ein wichtiger Bestandteil des guten Zusammenlebens wegfallen.“
Moritz Fröstl, Messdienerleiter

„Oft sagen sie dann‚ ‚mich hat bisher noch niemand gefragt.‘“, erzählt der Pfarrer. Auch der Pfarrgemeinderat ist auf diese Weise gewachsen. Die Kirche mag zwar schrumpfen, doch der Glaube der Gemeindemitglieder ist stabil geblieben – davon ist Wohlgemuth überzeugt. Dennoch hat sich viel verändert. Viele Leute kämen heutzutage aus Überzeugung zum Gottesdienst und nicht mehr aus Tradition, glaubt der leitende Pfarrer des Pastoralverbundes. „Der Kern der Gemeinde ist geblieben. Es sind die Außenstehenden, die wegbröckeln“. Dass die austreten, die sich nicht aktiv am Gemeindeleben beteiligen, schmerze einerseits nicht so sehr. Andererseits hätten genau diejenigen der Kirche etwas zu sagen.

Über 100 Gemeindemitglieder seien dieses Jahr ausgetreten und über 120 gestorben. Im Erzbistum Paderborn habe es vor 30 bis 40 Jahren noch rund 2,2 Millionen Kirchenmitglieder gegeben. Nun seien es nur noch 1,7 Millionen, so Wohlgemuth. Auch kirchliche Trauungen sind nicht mehr im Trend. In diesem Jahr hätten sich in der Gemeinde 13 Paare trauen lassen.

Überzeugung statt Tradition: Die Kirche schrumpft, aber der Gemeindekern bleibt

Moritz Fröstl und Norbert Wohlgemut möchten die Jugendarbeit im Pastoralverbund weiter ausbauen. © Pott

Kinder sind die Zukunft der Kirche

Der Pastoralverbund Fröndenberg zählt laut Wohlgemuth derzeit 7700 Gemeindemitglieder. Er stelle seinen Haushalt selbst auf und sei finanziell gut aufgestellt. „Es gibt ein gutes Polster“, sagt Wohlgemuth über den zweitgrößten Arbeitgeber der Stadt. Zum Pastoralverbund gehören nicht nur vier Kindertagesstätten, sondern auch zwei Seniorenzentren. Es gebe genug Geld für seelsorgerische Angebote und die Jugendarbeit.

Für die Kinder und Jugendlichen setzt sich auch Moritz Fröstl ein. Als Messdienerleiter in der Gemeinde St. Konrad in Langschede organisiert er Angebote für Jugendliche, Veranstaltungen und Gruppenfahrten. Der 23-Jährige ist außerdem Mitglied im Pfarrgemeinderat und der jüngste Kandidat für die Kirchenvorstandswahlen an diesem Wochenende. Als er zur Kommunion ging, entschieden sich noch rund 40 bis 50 Prozent seiner Mitschüler, Messdiener zu werden. Der Student und angehende Software-Entwickler ist dabei geblieben und will sich nun noch mehr engagieren – „für meine Generation“.

„Der Kern der Gemeinde ist geblieben.
Es sind die Außenstehenden, die wegbröckeln.“
Pfarrer Norbert Wohlgemuth

„Die Zahl ist stark eingebrochen“, räumt Fröstl ein und doch sieht er in den Kindern die Zukunft für die Kirche. Durch sie werden oft auch Eltern erreicht. Auch jene, die vorher nicht viel mit der Kirche zu tun hatten, zeigten sich beeindruckt von ihrer Arbeit und den Angeboten für Kinder und Jugendliche, so Fröstl. Vor allem im Dorf seien die kirchlichen Aktivitäten und Veranstaltungen wichtig für die Gemeinschaft: „Gebe es keine Gemeindefeste mehr, würde ein wichtiger Bestandteil des guten Zusammenlebens wegfallen.“

Ein besonderes Fest ist für den Sommer nächsten Jahres geplant. Das traditionelle, jährliche Pfarrfest der Gemeinde St. Marien soll im nächsten Jahr eine ökumenische Veranstaltung sein. „Das bietet sich an, die Kirchen liegen so nah beieinander“, sagt Pfarrer Wohlgemuth, der die Idee zur Zusammenarbeit der Kirchen hatte. Zum ersten Planungstreffen am Donnerstag, 24. Januar, im Pfarrzentrum St. Marien sei jedes Gemeindemitglied eingeladen.

Überzeugung statt Tradition: Die Kirche schrumpft, aber der Gemeindekern bleibt

Moritz Fröstl möchte Teil des Kirchenvorstandes werden. Er ist mit 23 Jahren der jüngste Kandidat. © Pott

Moritz Fröstl ist einer von sieben Kandidaten der Pfarrei St. Marien für den Kirchenvorstand, in dem Platz für fünf neue Mitglieder ist. Die Gemeinde St. Agnes schickt vier Kandidaten ins Rennen – bei drei vakanten Plätzen im Kirchenvorstand. Die Wahlen finden am Samstag, 17. November, und Sonntag, 18. November, in der Stadtmitte und in Bausenhagen statt. Zudem wird es ein ganz besonderes Wahlbüro geben. Laut Jörg Segtrop können Besucher des Orgelkonzertes, das der Orgelbauverein am Samstagabend ab 19 Uhr in der St. Marienkirche veranstaltet, die Kandidaten der Gemeinde St. Marien wählen. Das zusätzliche Wahlbüro öffnet bereits um 18.30 Uhr. Segtrop ist Mitglied im Orgelbauverein und stellt sich ebenfalls zur Wahl. Die Kirchenvorstandswahlen finden im gesamten Erzbistum am gleichen Wochenende statt. Wahlberechtigt sind alle Gemeindemitglieder, die am Wahltag 18 Jahre alt sind und mindestens ein Jahr in der Gemeinde wohnen. Ungültig sind Stimmzettel, auf denen mehr als fünf Personen markiert sind. In der Pfarrei St. Marien können Gemeindemitglieder am Samstag, 17. November, von 16 Uhr bis 18 Uhr im Schmallenbach-Haus am Hirschberg 5 wählen und zwischen 18.30 Uhr und 20 Uhr in St. Marien Auf dem Sodenkamp. Am Sonntag öffnet St. Marien von 9.30 Uhr bis 11.30 Uhr für die Wahl. Außerdem kann zwischen 10.30 Uhr und 12.30 Uhr in St. Konrad an der Gartenstraße 18 abgestimmt werden. Die Mitglieder der Gemeinde St. Agnes wählen am Samstag zwischen 17.30 und 19 Uhr und Sonntag von 9.15 bis 12 Uhr potenzielle Kirchenvorsteher. Als Wahlbüro dient der Jugendraum im Pfarrheim.

Die Kandidaten für den Kirchenvorstand

Insgesamt stellen sich elf Gemeindemitglieder für den Kirchenvorstand des Erzbistum Paderborns zur Wahl am 17. /18. November. Die St. Agnes Gemeinde schlägt die Kandidaten Lukas Boes, Michael Frens, Manfred Nierhoff und Gregor Pott vor. Für die Pfarrei St. Marien kandidieren Georg Boeckler, Herbert Bruckelt, Moritz Fröstl, Peter Hoppe, Christoph Keßler, Ingeborg Schulte und Jörg Segtrop. Ausführliche Informationen zu den Kirchenvorstandswahlen gibt es in dem aktuellen Pfarrnachrichten.
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