Übernachtungszahlen in Hotels und Pensionen brechen um 30 Prozent ein

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Herber Schlag für Fröndenberg als Tourismusort und Reiseziel: Die Zahl der Übernachtungsgäste ging im vergangenen Jahr dramatisch zurück. Der Einbruch 2019 nach dem Boom 2018 gibt Rätsel auf.

Fröndenberg

, 19.02.2020, 13:10 Uhr / Lesedauer: 2 min

Den Tourismus hat sich die Stadt als weichen Standortfaktor auf die Fahnen geschrieben. Die Aktivitäten erhalten jetzt zumindest einen statistischen Dämpfer: Die Zahl von Übernachtungsgästen brach 2019 dramatisch stark ein.

»Diese Bettenkapazitäten fehlen, dies wird insbesondere bei Anfragen in der Tourist-Information immer wieder deutlich.«
Fachbereichsleiter Ole Strathoff

Noch im vergangenen November waren in einer „Kreativen Produktwerkstatt“ mit professioneller Unterstützung Impulse und Ideen für die Belebung des Tourismus in Fröndenberg zusammengetragen worden.

Während diese Initiative von der SPD ausging, hatte die Stadtverwaltung bereits im Sommer 2018 eine Akquise neuer Unterkünfte, speziell für Kurzzeiturlauber und Radtouristen in Ruhrnähe, gestartet.

2019 übernachteten 3300 Gäste weniger in den Hotels

Diese Aktion war besonders der Schließung des „Hotel am Park“ zum Jahresende 2017 sowie des Radhotels am Bahnhof ein Jahr später geschuldet. Man bangte um ausreichende Übernachtungsmöglichkeiten in der Stadt.

Die Entwicklung der Gäste- und Übernachtungszahlen sowie der Auslastung der Beherbergungsbetriebe im vergangenen Jahr gibt nun gewisse Rätsel auf: Sind fehlende Betten schuld oder ist die Stadt seltener Reiseziel gewesen?

Zuletzt schloss das Radhotel am Fröndenberger Bahnhof seine Pforten.

Zuletzt schloss das Radhotel am Fröndenberger Bahnhof seine Pforten. © Archiv

Tatsache ist, dass die Hotels und Pensionen 2019 fast 3300 Menschen weniger als im Vorjahr begrüßen konnten. Das ist ein Rückgang von knapp 23 Prozent. Zugleich sind diese gerade noch 11.224 Übernachtungsgäste die mit Abstand niedrigste Besucherzahl in der jüngeren Vergangenheit; ein Rückgang sogar um 28,6 Prozent im Vergleich zu 2018.

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Übernachtungsgäste sind dabei nicht nur Touristen, sondern auch sonstige Besucher wie Montagearbeiter, Gäste der örtlichen Unternehmen oder auch Durchreisende.

Zum Vergleich: Im Jahr 2014 übernachteten noch 15.256 Gäste mindestens einmal in der Stadt – der Spitzenwert der letzten sieben Jahre.

Ganz ähnlich sieht es bei der Zahl der Übernachtungen selbst aus: Gerade noch 16.191 Nächte verbrachten 2019 die Gäste in den vier größeren noch geöffneten Beherbergungsbetrieben.

Spitzenwert an Übernachtungen 2018 erreicht – ohne das Hotel am Park

Zur Sache

Betten-Akquise erbringt vier neue Quartiere

  • Die Stadt hat 2018 einen Aufruf an Privatleute gestartet, Zimmer für übernachtungswillige Besucher zur Verfügung zu stellen.
  • Durch den Aufruf, private Quartiere einzurichten, sind laut Verwaltung bislang vier gemeldete Unterkünfte gewonnen worden.
  • Darüber hinaus wurden mit zwei weiteren Interessenten Beratungsgespräche geführt, die bislang aber noch zu keinem buchbaren Angebot geführt haben.
  • Nur Beherbergunsgbetriebe mit mindestens zehn Betten fließen in die Statistik des Landes ein.
  • Die Zahl der in den vier größeren Beherbergungsbetrieben vorhandenen Betten stieg 2019 zwar von 172 auf 181, tatsächlich angeboten wurden allerdings nur 133.
  • Das Statistische Landesamt führt 2019 noch fünf Betriebe mit mindestens zehn Betten, darunter allerdings nur vier geöffnete.

Besonders auffällig: Die Zahl der Gäste aus dem Ausland ging noch viel stärker zurück, sank von 3536 auf nur noch 2138 – ein Rückgang um 39,5 Prozent. Die mittlere Aufenthaltsdauer in Tagen steht dagegen solide bei rund zwei.

Die Stadt verweist vor allem das Aus für das Hotel am Park als ausschlaggebenden Grund für geringere Gästezahlen. „Diese Bettenkapazitäten fehlen, dies wird insbesondere bei Anfragen in der Tourist-Information immer wieder deutlich“, sagt Fachbereichsleiter Ole Strathoff.

Allerdings erreichte Fröndenberg 2018, als das Hotel bereits geschlossen war, mit 22.639 Übernachtungen den Spitzenwert der vergangenen sieben Jahre. Es kamen mit 14.550 Übernachtungsgästen auch noch deutlich mehr Besucher.

Und: Die Auslastung der vier größeren Fröndenberger Beherbergungsbetriebe liegt bei gerade 32 Prozent, Tendenz ebenfalls sinkend.

Die Lösung des Rätsels könnte sein: Zu Spitzenzeiten im Frühjahr und Sommer, wenn die meisten touristischen Gäste erwartet werden, reicht das Angebot von 133 Betten in den vier großen Betrieben, weiteren Zimmern in kleineren Einrichtungen sowie Privatquartieren für die Nachfrage nicht aus.

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