Turbulenzen gab es erst ab 1985 in der Geschichte der Fröndenberger Pfarrer

dzRückblick nach dem Rücktritt

Eine Amtsniederlegung wie die von Norbert Wohlgemuth ist in Fröndenberg noch nie vorgekommen. Allerdings gab es seit der Abpfarrung von der Mendener Mutterkirche schon eine Unregelmäßigkeit.

Fröndenberg

, 02.08.2019, 13:13 Uhr / Lesedauer: 2 min

Eigentlich verlief die Geschichte der Fröndenberger Pfarrer bis 1985 sehr unauffällig. Unbekannt ist zwar, warum der erste Fröndenberger Pfarrer Caspar Hülsberg nach nur zweijähriger Amtszeit 1690 nach Freienohl versetzt wurde, doch die acht Pfarrer danach blieben im Grunde bis zu ihrem Tod oder ihrem Ruhestand im Amt.

Erst danach wird die Geschichte der Fröndenberger Pfarrer turbulenter. Besonders im Jahr 2008, als Pfarrer Thomas Rickelhoff nach vierjähriger Amtszeit in einer Nacht- und Nebelaktion nach Siegen versetzt wurde – ohne Verabschiedung, ohne Erklärung. Diese gibt es bis heute nicht.

Turbulenzen gab es erst ab 1985 in der Geschichte der Fröndenberger Pfarrer

Thomas Rickelhoff (r.), hier mit Weihbischof Manfred Grothe (Mitte), war von 2004 bis 2008 Pfarrer in Fröndenberg. © niemeyer

1688 spaltet sich Pfarrei von der Mendener Mutterkirche ab

Die Geschichte der katholischen Pfarrer in Fröndenberg reicht zurück bis ins Jahr 1688, in dem sich die Pfarrei von der Mendener Mutterkirche abspaltete. Zuvor wurden Vikare von der Hönnestadt über die Ruhr geschickt, um die Fröndenberger Schäfchen zu hüten.

Danach übernahm der Werler Caspar Hülsberg die Fröndenberger Pfarrei, allerdings nur für zwei Jahre. 1690 wechselte er nach Freienohl. Gründe für den Wechsel sind nicht bekannt.

Genau 300 Jahre lang ging es sehr übersichtlich zu

Anschließend ging es ruhig zu in den Reihen der Fröndenberger Pfarrer: Von Johan Christian Elias (Amtszeit von 1691 bis 1716) bis Hermann Bieker Amtszeit von 1958 bis 1985) folgten acht Pfarrer, die allesamt bis zu ihrem Tod oder ihrer Pensionierung die Pfarrstelle in Fröndenberg ausfüllten.

Und einige von ihnen machten sich durchaus einen Namen. Pfarrer Elias zum Beispiel, der als wichtige Person der katholischen Schulgeschichte gilt und ein bekanntes Gebetsbuch verfasste.

Kirchenkampf ließ Pfarrstelle für zwei Jahre verwaisen

Ihm folgten von 1717 bis 1755 Pfarrer Johannes Ossenbeck, von 1755 bis 1807 Franz Wulff und von 1807 bis 1836 Christian Altendorff. Pfarrer Bernhard Siemer der zunächst von 1836 bis 1845 als Vikar in Fröndenberg tätig war, übernahm anschließend die Pfarrstelle und füllt sie bis zum Kirchenkampf aus, der von 1979 bis 1881 dafür sorgte, dass die Pfarrstelle verwaist blieb.

Dafür ging es anschließend mit einem Pfarrer weiter, in dessen Amtszeit der Bau der Marienkirche fällt: Pfarrer Joseph Bernhard Schröder wirkte von 1881 bis 1911 zum Wohle der Fröndenberger Schäfchen.

Turbulenzen gab es erst ab 1985 in der Geschichte der Fröndenberger Pfarrer

Pfarrer Heinrich Schmallenbach im Jahr 1955. Er ist heute noch einziger Ehrenbürger Fröndenbergs. © Stadtarchiv

Auch sein Nachfolger Pfarrer Heinrich Schmallenbach machte sich von 1911 bis 1957 äußerst verdient um die Gemeinschaft. Er baute das Marienkrankenhaus auf und ist heute Fröndenbergs einziger Ehrenbürger. Und Fröndenbergs größtes Seniorenzentrum trägt heute noch seinen Namen.

Ganze 30 Jahre im Amt des Fröndenberger Pfarrers war Hermann Bieker, der von 1958 bis 1985 wirkte und in dessen Amtszeit der Bau der Josephskirche fiel.

Turbulentere Zeiten beginnen mit einer Bischof-Ernennung

Nach Bieker begannen die turbulenteren Zeiten. So wurden die Fröndenberger Zeugen eines spektakulären Karriereschritts, als Pfarrer Dr. Franz-Josef Bode 1991 nach fünfjähriger Amtszeit zum Bischof des Erzbistums Paderborn berufen wurde. 1995 wechselte er nach Osnabrück, wo er heute noch als Bischof tätig ist.

Norbert Schröer übernahm danach bis 2004 die Pfarrstelle. Ein bekanntes Gesicht für die Fröndenberger, war er doch von 1975 bis 1978 bereits als Vikar in der Ruhrstadt tätig. Später wurde er Propst in Marsberg.

Anschließend folgte Thomas Rickelhoff (Amtszeit von 2004 bis 2008), der dann nach Siegen versetzt wurde, wo er 2014 im Alter von 54 Jahren verstarb.

Turbulenzen gab es erst ab 1985 in der Geschichte der Fröndenberger Pfarrer

Pfarrer Paul Mandelkow 2008 bei seiner Amtseinführung in Fröndenberg, die damals Dechant Norbert Nacke durchführte, dessen Amt Mandelkow 2013 übernahm. © Hennes

Pfarrer Paul Mandelkow brachte anschließend wieder etwas Ruhe in die Reihen der Fröndenberger Katholiken. Allerdings übernahm er 2013 die Leitung des Dekanats und wechselt 2017 nach Unna.

Sein Nachfolger Norbert Wohlgemuth blieb zwei Jahre und sorgte vergangene Woche für ein Aufsehen erregendes Ende seiner Amtszeit.

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