Für einige Hütten auf dem Ruhrlandhof gibt es inzwischen eine Abbruchverfügung. Doch Betreiber Walter Dertmann möchte mit einem neuen Konzept in den kommenden Jahren neu durchstarten.

Fröndenberg

, 18.03.2020, 11:21 Uhr / Lesedauer: 3 min

Kleine Waldschule, Beach-Volleyball-Feld, Handgolf, Wildblumenhain, Kräutergarten, Naturlehrpfad, Steinbruch, Boule-Plätze et cetera: Was es auf dem Ruhrlandhof an der Priorsheide 10 bereits gibt – und zukünftig noch geben soll, klingt klasse. Doch mit den Aufbauten auf dem Hof gibt es seit langer Zeit regelmäßig Ärger.

Guter Wille und gute Ideen scheitern am Baurecht. Walter Dertmann, Betreiber des Ruhrlandhofs, will nun Klarheit schaffen, hat sich für die kommenden Jahre ein neues Konzept überlegt – und eine umfangreiche Bauvoranfrage an den Kreis Unna gestellt.

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Wenn der Fröndenberger über seinen Hof spaziert, dann wird auf den ersten Blick deutlich, wie sehr Walter Dertmann aufgeht in dem kleinen Freizeitparadies, das er in abgeschiedener Lage auf dem Bauernhof geschaffen hat.

In der Waldschule auf dem Ruhrlandhof lernen Kinder und Erwachsene etwas über die Natur.

In der Waldschule auf dem Ruhrlandhof lernen Kinder und Erwachsene etwas über die Natur. © Hornung

Da ist zum Beispiel die Waldschule: Hier lernen Kinder etwa, wie die Jahresringe im Stamm verschiedener Bäume aussehen, welcher Baum schnell, welcher langsam wächst. Dertmann kann die Baumscheiben nicht passieren, ohne mit seinen Erklärungen zu starten und Ratespielchen zu veranstalten. „Welcher Baum hat wohl so einen Stamm?“ Die meisten Menschen aus der Stadt hätten von solchen Dingen keinerlei Vorstellung. Und deshalb kommen Schulklassen her, um etwas über die Natur zulernen.

Frei zugänglicher Steinbruch ist Bodendenkmal

Das können sie auch im auf dem Hof frei zugänglichen Steinbruch, der inzwischen Bodendenkmal ist. In einem Unterstand erfahren Kinder und erwachsene Gäste etwas über Ammoniten, schneckenähnliche Tiere, die zum Ende der Kreidezeit ausstarben und deren Fossilien auch im Steinbruch am Ruhrlandhof gefunden wurden.

Der Steinbruch auf dem Ruhrlandhof ist für Besucher frei zugänglich.

Der Steinbruch auf dem Ruhrlandhof ist für Besucher frei zugänglich. © Hornung

In dem Steinbruch wurden seit dem 19. Jahrhundert Steine für den Bau und die spätere Erweiterung des Ruhrlandhofs gewonnen. Die Steine sind auch an Nachbarn und Bekannte abgegeben, jedoch nicht gehandelt worden. Darüber informiert eine Tafel des Geo Parks Ruhrgebiet, auf der Gäste auch Informationen zu den verschiedenen Bodenschichten finden, die sie anschließend im Steinbruch gut erkennen können.

Steine in der Hütte verbaut

Verbaut sind die Steine für Besucher ganz offensichtlich im Kamin der Hütte am größten Boule-Platz auf dem Hof. Über die Internetplattform Airbnb seien schon Gäste aus der ganzen Welt auf die „Berghütte mit Almblick“ aufmerksam geworden und so in Fröndenberg eingekehrt. Derzeit liegt der Betrieb still, weil die Hütte, wie vieles auf dem Hof, offenbar eigentlich nie hätte gebaut werden dürfen. Die Hütte befinde sich allerdings schon seit 65 Jahren auf dem Hof, sei vom Vorbesitzer errichtet worden.

Die Hütte auf dem Ruhrlandhof sollte in diesen Tagen eigentlich abgerissen werden. Walter Dertmann versucht, seinen Freizeithof mit einer umfangreichen Bauvoranfrage und einem neuen Gesamtkonzept zu retten.

Die Hütte auf dem Ruhrlandhof sollte in diesen Tagen eigentlich abgerissen werden. Walter Dertmann versucht, seinen Freizeithof mit einer umfangreichen Bauvoranfrage und einem neuen Gesamtkonzept zu retten. © UDO HENNES

Birgit Kalle, Sprecherin des Kreises Unna, kennt den jahrelangen Streit zwischen dem Betreiber des Hofs und dem Kreis. Für die vielen kleineren Hütten und Unterstände habe es nie eine Baugenehmigung gegeben, sagt sie. Der Hof befinde sich im sogenannten Außenbereich. Das bedeutet, dass für diesen Bereich gar kein Planungsrecht besteht. „Man darf bestimmte Sachen nicht machen“, so Kalle.

Abbruchverfügung ist inzwischen rechtskräftig

Der Kreis habe inzwischen eine Abbruchverfügung für einige Aufbauten auf den Hof erwirkt, die von Walter Dertmann eingelegte Berufung wurde abgewiesen. Seit Anfang März sei die Abbruchverfügung nun rechtskräftig.

Die nun gestellte Bauvoranfrage ist ein Versuch, die Freizeitfunktion des Hofs zu retten. Sie sei sehr umfangreich und so werde es eine Weile dauern, bis sie vom Kreis durchgearbeitet ist, lässt Birgit Kalle vorausblicken. Deshalb könne der Kreis auch noch keine Auskunft darüber geben, wie über die Bauvoranfrage und das neue Konzept des Hofs entschieden werde.

Für Turniere und zum Training werden die Boule-Anlagen auf dem Ruhrlandhof genutzt.

Für Turniere und zum Training werden die Boule-Anlagen auf dem Ruhrlandhof genutzt. © Udo Hennes

Dertmanns Plan für die kommenden Jahre besteht darin, den bisher bereits aktiven Freizeithof zu stabilisieren und zu erweitern. Er kann nicht verstehen, warum der Ausbau von Höfen zu Freizeitzwecken in anderen Bundesländern gefördert werde, er aber so hohe Hürden zu überwinden habe. Und das in Zeiten, in denen sich die Stadt Fröndenberg doch um den Tourismus bemüht, private Herbergsbetriebe fördern möchte.

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Noch dieses Jahr sollen Beach-Volleyball, Bosseln, Boule und Darts auf dem Ruhrlandhof angeboten werden. Darts-Anlagen gibt es auch in niedriger Höhe, sodass Senioren und Menschen mit Behinderung das Angebot nutzen könnten.

In der Sommersaison möchte Walter Dertmann zusätzlich Hand-Golf, Golf-Krocket, Hanteln und Gewichte-Heben, Ringewerfen, Stelzenlaufen, Torwandschießen, Tischtennis und ein Freiluft-Trampolin anbieten. Daneben werde es Angebote im Bereich Kultur und zum Natur erleben geben. Auch an Tier- und Vogelkundler ist gedacht. Etwa mit einem Beobachtungsstand mit Weitsicht.

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Ab Mai 2020 soll auf dem Ruhrlandhof außerdem das Sportcafé Almgarten eröffnen. Die Nachfrage sei da, vor allem weil im näheren Umfeld eine ganze Reihe von Gasthöfen weggebrochen sei. Damit werde sich das Angebot des Hofs auch noch stärker an Radfahrer richten. Walter Dertmann möchte für diese Zielgruppe mehrere Unterstände und Ladeplätze für E-Bikes anbieten.

Während Corona

Ruhrlandhof nur noch Picknick-Hof

  • Während der aktuellen Entwicklungen rund um das Coronavirus wird der Ruhrlandhof keine Sport- und Freizeitangebote anbieten.
  • Die Picknickplätze, an denen Gruppen bis sechs Personen völlig getrennt einige Stunden im Grünen sitzen können, sind allerdings weiter offen.
  • Mehrere Kleingruppen/Familien können sich auf dem großen Gelände des Hofs mit ausreichend Abstand gleichzeitig aufhalten.
  • Egal, ob Wanderer, Radfahrer oder Autofahrer: Alle, die einen Picknick-Platz wünschen, müssen sich vorab unter Tel. (0151) 40 70 65 49 anmelden.
  • Für vier Gruppen stehen gleichzeitig vier separate WC-Anlagen zur Verfügung.
  • Die Picknickplätze kosten nichts. Für eine kleine Spende zu Gunsten der Park- und Gartenpflege wäre der Ruhrlandhof dankbar.
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