Nepper, Schlepper, Bauernfänger – den Seniorenberatern der Polizei gehen auch in Fröndenberg die Themen nicht aus. Die Initiative „Senioren helfen Senioren“ will ihr Team nun aufstocken.

Fröndenberg

, 11.02.2019, 15:42 Uhr / Lesedauer: 3 min

Das Team ihrer ehrenamtlichen Seniorenberaterinnen und Seniorenberater in Fröndenberg will das Kommissariat Kriminalprävention und Opferschutz der Kreispolizeibehörde Unna aufstocken und verstärken. Im März ist hierfür ein einwöchiges Seminar im Kreishaus Unna vorgesehen. Wir haben mit Helmut Eckert, früher selbst Schutzpolizist in Dortmund und Pressesprecher von „Senioren helfen Senioren“, über die Aufgaben der Berater und die schier unerschöpfliche Trickkiste von Betrügern und Taschendieben gesprochen. Der 70-Jährige ist selbst seit sechs Jahren in dem Ehrenamt tätig.

Warum sind die Seniorenberater der Polizei eigentlich so wichtig?

Wir Deutsche sind dazu erzogen, immer höflich zu sein. Das gilt natürlich für ältere Menschen ganz besonders. Ein Beispiel: Viele Betrügereien spielen sich am Telefn ab. Wir würden also niemals sofort auflegen, wenn wir angerufen werden. Schnell ist man dann in ein Gespräch verwickelt. Und wenn man dann noch irgendwann mit Ja geantwortet hat, könnte das darauf bezogen werden, dass man etwas bestellt hat, was man eigentlich gar nicht haben wollte. Etwas Ähnliches passiert gerade älteren Menschen nicht selten im Supemarkt: Man lässt sich von der einen Person durch eine Frage – „Wo finden ich denn den Käse?“ – ablenken, weil man hilfsbereit ist, die zweite Person greift dann in unserem Rücken in die Tasche und übergibt die Geldbörse einem Dritten, der dann auf Nimmerwiedersehen verschwunden ist.

«Schnell ist man am Telefon in ein Gespräch verwickelt.»
Helmut Eckert

Bei welchen Tricks von Betrügern und Dieben sind Senioren sonst noch Opfer?

Der falsche Polizeibeamte kursiert zurzeit. Die Vorgehensweise läuft immer nach demselben Muster ab. Im Display des Telefons ist bei einem Anruf die 110 zu sehen. Im Telefongespräch wird dann behauptet, dass in der Nähe eingebrochen worden ist. Der falsche Polizeibeamte gibt dann vor, dass vermutet werde, der Angerufenen könne das nächste Opfer eines Einbruchs werden. Unter einem Vorwand will man sich dann an der Wohnung die Barschaft zeigen lassen, die man in Verwahrung nehmen müsse. Das Ganze wird sehr professionell aufgezogen. Die Angerufenen werden sogar mit einem vermeinetlichen Vorgesetzten des falschen Polizeibeamten verbunden. Im Hintergrund sind Geräusche von Polizeifunk zu hören. Das wird so ernsthaft dargestellt, dass die Angerufenen glauben, sie sprechen mit der Polizei. So würde die Polizei niemals vorgehen. Der Enkeltrick funktioniert auch noch. Da werden dann Telefonbücher nach Vornamen offenbar älterer Menschen durchsucht. Bei einem Anruf heißt es dann als Erstes: „Rate mal, wer hier ist?“ Lautet dann die Antwort zum Beispiel „Du bist doch der Peter“ ist man dem Betrüger schon auf den Leim gegangen. Der angebliche Enkel verlangt als Nächstes 5000 Euro, weil er einen Unfall gehabt haben will.

Trickkiste der Betrüger und Taschendiebe ist unerschöpflich

Helmut Eckert ist ehrenamtlicher Seniorenberater der Initiative „Senioren helfen Senioren" des Kommissariats Opferschutz und Prävention und außerdem ihr Pressesprecher. © privat

Welche Voraussetzungen muss man nun mitbringen, wenn man Seniorenberater werden will?

Es kann eigentlich jeder teilnehmen. Man sollte dem Thema gegenüber aufgeschlossen sein. Ansonsten kommen unsere Seniorenberaterinnen und -berater aus allen Berufssparten. Wir haben ehemalige Busfahrer, Verkäuferinnen und Friseure, es gibt Rechtsanwälte und Krankenhausdirektoren im Ruhestand bei uns. Ich selbst bin pensionierter Polizeibeamter. Als geschulter Seniorenberater wird man in die bestehenden Teams in den einzelnen Orten eingegliedert.

«Es gibt Leute, die sind vermeintlich schlauer als die Polizei.»
Helmut Eckert

Wie laufen die Schulungen zum Seniorenberater ab?

Man trifft sich fünf Tage zu einem Seminar. Dort wird man sowohl theoretisch, also etwa mit Fragestellungen wie „Was würden Sie machen, wenn Ihnen so etwas passiert?“ als auch praktisch geschult. Praktisch sind das oft Rollenspiele. Dort schlüpft Kriminalhauptkommissar Volker Timmerhoff zum Beispiel in die Rolle einer aggressiven Person, die einen Reisegast auf einer Busfahrt bedrängt. Die Schulungsteilnehmer sind in der Rolle der Mitfahrer und lernen, wie man sich in solchen Situationen eingreifen kann und sich dabei richtig verhält. Manchmal informiert auch die Verbraucherzentrale über verschiedene Themen, wie man sich zum Beispiel vor Internetkriminalität schützt. Auch Kaffeefahrten sind oft ein Schwerpunkt. Das ganze Spektrum der Kleinkriminalität wird angerissen. Man wird später als Seniorenberater nicht allein gelassen, das Kommissariat hält Kontakt.

Vortrag

Abzocke und Betrügereien im Alltag

  • Seniorenberater Dietmar Rach informiert am Freitag, 15. Februar, im Ruhr-Café, Fröndenberg, Karl-Wildschütz-Straße 5, am Thema Interessierte darüber, wie man sich vor Abzocke und Betrügereien im Alltag schützen kann.
  • Der Vortrag beginnt um 15 Uhr. Fröndenberger Bürger, die sich für das Thema Kriminalprävention interessieren, sind zur Teilnahme an der Informationsveranstaltung herzlich eingeladen.
  • Dietmar Rach ist durch das Kommissariat Kriminalprävention/Opferschutz der Kreispolizeibehörde Unna ausgebildeter Seniorenberater und als solcher ehrenamtlich für die Behörde tätig.

Wie wird man dann ganz praktisch als Seniorenberater tätig?

Der eine kann vielleicht besser Vorträge halten und informiert interessierte Senioren auf diese Weise. Es gibt auch Seniorenberater, die eine Patenschaft mit Seniorenheimen eingegangen sind und dort darüber aufklären, dass man Wertsachen immer und überall einschließen muss. In Bergkamen gibt es regelmäßig eine Infoveranstaltung im Rathaus und in Bönen wird seit Kurzem einmal im Monat vor einem Discounter ein Informationsstand aufgebaut. Allerdings trifft das nicht bei jedem auf Gegenliebe – es gibt halt Leute, die sind schlauer als die Polizei.

Wie sind selbst denn zu diesem Ehrenamt gekommen?

Ich bin mal mit meinem Hund spazieren gegangen und an einem Friedhof vorbeigekommen. Dort bin ich auf eine Tafel von „Senioren helfen Senioren“ aufmerksam geworden mit Tipps „Wie verhält man sich richtig auf Friedhöfen“. Solche Tafeln gibt es auf Friedhöfen in Holzwickede, Westhofen, Ergste und Selm-Bork. Denn auf Friedhöfen sind ja auch viele Diebe unterwegs. Da habe ich mir gedacht: Bei den Seniorenberatern könntest du eigentlich mitmachen.

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