Vereitelter Enkeltrick in Holzwickede: Johann Schuller durchschaute den Betrugsversuch im November und stellte der jetzt Angeklagten eine Falle. An dieser Stelle kam es bei der fingierten Geldübergabe zu einem Gerangel mit der aggressiven Täterin. © Archiv/Marcel Drawe
Enkeltrick

Trickbetrügerin aus dem Kreis Unna drohen jetzt bis zu zehn Jahre Gefängnis

Die mutmaßliche Trickbetrügerin, die in Unna, Kamen, Fröndenberg und Holzwickede ältere Menschen dreist um mehr als 50.000 Euro prellte, erwartet ihren Prozess. Die Anklageschrift hat es in sich.

Durch das beherzte und mutige Handeln eines 88-jährigen Holzwickeders war im November 2020 eine Frau von der Polizei gefasst worden: Der Angeklagten drohen nun wegen bandenmäßigen Trickbetrugs bis zu zehn Jahre Haft.

»In weiteren Telefonaten wurde der Druck erhöht und auch Tränen eingesetzt.«

Staatsanwalt Henner Kruse

Nach der Vernehmung etlicher Zeugen hat die Staatsanwaltschaft Dortmund am 19. Februar Anklage beim dortigen Landgericht erhoben: Einer zur Tatzeit 30-jährigen Frau ohne festen Wohnsitz wird gewerbsmäßiger und bandenmäßiger Betrug in vier Fällen sowie Nötigung und Körperverletzung zur Last gelegt.

Staatsanwalt Henner Kruse, Sprecher der Anklagebehörde, skizzierte am Freitag im Gespräch mit dieser Redaktion die einzelnen Taten, bei der die Angeklagte Seniorinnen und Senioren durch den Enkeltrick und ähnliche Maschen um insgesamt 53.000 Euro gebracht haben soll.

„Bekannte Liesel“ holt 17.000 Euro Bargeld ab

Bereits am 19. August 2020 soll ein „vorgeblicher Sohn“ gegenüber einer 85-Jährigen in Unna am Telefon einen Verkehrsunfall vorgetäuscht und sie zur Übergabe von Geld genötigt haben.

»Sie ist mürbe gemacht worden.«

Henner Kruse

Die Täter gingen in diesem Fall besonders schamlos vor: Neben dem angeblichen Sohn meldete sich auch ein fingierter Polizeibeamter bei der Seniorin und warnte vor Betrügern mit dem Ziel, ihm sicherheitshalber das Bargeld zu übergeben.

Sage und schreibe 21 Anrufe zwischen 14 und 18 Uhr erhielt die Frau von dem Duo. „Sie ist mürbe gemacht worden“, so Kruse. Schließlich übergab sie 17.000 Euro an die vorgetäuschte „Bekannte Liesel“ des vermeintlichen Sohnes.

Corona-Erkrankung vorgetäuscht: 24.000 Euro übergeben

Auch in Kamen führte am 21. September die Legende des angeblichen Sohnes zum betrügerischen Erfolg: Einer 81-Jährigen gaukelte der Anrufer eine Corona-Erkrankung vor. Für eine lebensnotwendige Behandlung auf der Intensivstation benötige er dringend Geld.

Die 81-Jährige entnahm 24.000 Euro aus ihrem Tresor und übergab es in einem Umschlag an ihrer Wohnungstür einer „Bekannten“ des angeblichen Sohnes.

Tatort Bahnübergang Westfeld/Talstraße in Ardey: An dem Stromkasten im Hintergrund kam es in Fröndenberg im November zu einer Geldübergabe; in diesem Fall hatte die Betrügerin nochmals Erfolg. © Archiv/Marcus Land © Archiv/Marcus Land

Druck in mehreren Telefonaten erhöht

Zunächst argwöhnisch war ein Ehepaar aus Fröndenberg (beide Jahrgang 1936), die letztlich aber auch Opfer der Masche wurden. Am 16. November kam es am Bahnübergang Westfeld in Ardey zur Übergabe von insgesamt 12.000 Euro, 3000 Euro hatte der Ehemann zuvor eigens von der Sparkasse abgehoben. Die Täter erhöhten in weiteren Telefonaten den Druck auf den zwischenzeitlich zögernden Senior, drohten mit weiteren Kosten wegen der angeblichen finanziellen Notlage beim Wohnungskauf der vermeintlichen Enkeltochter. „Es wurden auch Tränen eingesetzt“, sagt Henner Kruse.

87-Jähriger durchschaut den Enkeltrick

Die 30-Jährige flog schließlich beim weiteren Betrugsversuch in Holzwickede auf: Dass ihre Enkeltochter sie telefonisch um 25.000 Euro Kaution wegen eines Verkehrsunfalls bitten würde, mochte ein 88-Jähriger nicht glauben.

Der Holzwickeder ließ die Frau in dem Glauben, ihr das Bargeld zu übergeben, schaltete aber die Polizei ein. Als die Frau am Übergabeort das vereinbarte Codewort nannte, „hat er sie am Kragen gepackt“, so Kruse. Die Ertappte schlug dem Senior mehrmals mit der Faust ins Gesicht, beide fielen in eine Hecke an der Goethestraße Ecke Sudstraße. Dann griff die Polizei zu.

Das Strafgesetzbuch sieht bei banden- und gewerbsmäßigem Betrug eine Haftstrafe zwischen sechs Monaten und zehn Jahren vor.

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Redaktion Fröndenberg
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Marcus Land
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