Philipp Kemper aus Fröndenberg gehört zu den besten Azubis in NRW. Er hat den Beruf Stuckateur im Betrieb seines Vaters gelernt. © Udo Hennes
Ausbildung zum Stuckateur

Top-Azubi Philipp Kemper hat einen harten aber auch kreativen Beruf gelernt

Als einen der besten Auszubildenden des Landes hat die Handwerkskammer Philipp Kemper aus Fröndenberg ausgezeichnet. Dem 20-Jährigen stehen nun alle Türen offen. Im Betrieb des Vaters oder auch an Universitäten.

Philipp Kemper aus Fröndenberg ist 20 Jahre alt. Mit Abitur und seiner abgeschlossenen Berufsausbildung zum Stuckateur hat er nicht nur einiges in der Tasche, während sich wohl viele Schulkameraden immer noch beruflich orientieren. Der junge Mann ist auch einer der besten Auszubildenden des Landes.

„Das macht mich selberverständlich stolz“, sagt Ausbilder Torsten Kemper, der auch Philipps Vater ist. Auch Urgroßvater und Großvater waren im Stuckgeschäft. Da freut es Torsten Kemper selberverständlich, dass Sohn Philipp die Familientradition weiterführt. Was allerdings beide stört, ist die Erwartung der Außenwelt, dass der Sohnemann irgendwann den Betrieb übernimmt. Denn zum einen hat Philipp Kemper noch zwei jüngere Brüder. Auf der anderen Seite möchte Torsten Kemper aber auch keinem seiner Sprösslinge einen Weg vorgeben.

Wichtig war ihm, dass sein Sohn, anders als er selbst, Abitur macht. „Wer in der heutigen Zeit die Voraussetzungen dazu hat, sollte Abi machen“, sagt Kemper. Danach stehe den jungen Leuten alles offen. Eigentlich war Torsten Kemper davon ausgegangen, dass sein Sohn studieren möchte. „Ich habe mich dann aber aus eigenem Antrieb für die Lehre im Betrieb meines Vaters entschieden“, sagt Philipp Kemper. „Ich hatte keine Lust, nochmal die Schulbank zu drücken.“

Wer Abitur hat, kann seine Ausbildung verkürzen

Ganz um die Schule kam der Auszubildende dann doch nicht herum. Jeweils sechs Wochen Blockunterricht am Stück im Wechsel mit Praxis gehörten zum Ausbildungsplan. Die Schule meisterte Philipp Kemper besonders gut. Schnell merkte der Fröndenberger, dass er durch seinen höheren Abschluss etwa in Mathe viel mehr konnte, als andere Auszubildende, die nur einen Hauptschulabschluss hatten. Deshalb konnte er – so steht es Abiturienten frei – seine Ausbildung auf zwei Jahre verkürzen.

Gute Stuckleisten kommen nicht aus dem Baumarkt. Sie werden von Stuckateuren wie Philipp Kemper in Handarbeit aus Gips geformt.
Gute Stuckleisten kommen nicht aus dem Baumarkt. Sie werden von Stuckateuren wie Philipp Kemper in Handarbeit aus Gips gefertigt. © Udo Hennes © Udo Hennes

Von Auszubildenden erwartet Torsten Kemper Biss. Beim eigenen Sohn machte er da keine Ausnahme. Bei Nässe oder Kälte auf dem Gerüst stehen, das könne schon mal Ausdauer verlangen. Und reich werde man als Stuckateur auch nicht unbedingt. Da möchte er gar niemandem etwas vormachen. Zwar sei Stuck vom Profi sehr teuer. Eine schöne Altbaufassade zu sanieren, koste den Kunden 20 bis 30.000 Euro. Doch derartige Großaufträge werden auch nicht täglich ausgeführt.

Putzarbeiten, außen und innen, Wärmedämmung und Restaurierungsarbeiten im Sinne der Denkmalpflege zählen ebenfalls zu den Leistungen des Betriebs von Torsten Kemper. „Im Innenbereich arbeiten wir viel nach Brand-, oder Wasserschäden.“

Ein vielseitiger und kreativer Beruf

Nichtsdestotrotz habe der Aufbau von Stuckleisten und -Ornamenten aus Gips auch etwas künstlerisch-kreatives. Und genau das ist einer der Aspekte, die Philipp Kemper an seinem Beruf gut gefallen. Außerdem sehe jeder Tag mit neuen Kunden und neuen Herausforderungen anders aus. So ist es auch die Vielseitigkeit seiner Tätigkeit, die den 20-Jährigen bei der Stange hält.

Jetzt möchte er erst einmal eine Weile im Betrieb seines Vaters arbeiten, „Geld verdienen“. Anschließend stehen diverse Weiterbildungsmöglichkeiten offen. Dank Abitur kann der junge Fröndenberger ohnehin studieren. Aber auch, wer einen Meister im Handwerk macht, habe damit einen Bachelorabschluss und könne so an eine Hochschule, erklärt Torsten Kemper.

Ausbildung als Grundlage fürs Studium

Im Gegensatz zum Studium sei eine Ausbildung in Windeseile fertig, danach seien die Jugendlichen immer noch jung genug, um ein Studium zu beginnen. Und sie haben den ganz jungen Studierenden etwas voraus. Wenn es an der Uni doch nicht klappt, fallen sie nicht so tief. Und sie wissen schon, was es bedeutet, morgens früh aufzustehen und sich selbst zu organisieren.

Wer Interesse an einer Ausbildung bei Torsten Kemper hat, sollte Eigeninitiative zeigen. Der Betrieb mit fünf festen Mitarbeitern plus Chef schreibt keine Stellen aus, sondern wartet auf interessierte junge Menschen.

Über die Autorin
Redaktion Fröndenberg
Jahrgang 1988, aufgewachsen in Dortmund-Sölde an der Grenze zum Kreis Unna. Hat schon in der Grundschule am liebsten geschrieben, später in Heidelberg und Bochum studiert. Ist gerne beim Sport und in der Natur.
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Dagmar Hornung

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