Tierschutzverein Fröndenberg kündigt Kooperation mit der Stadt

dzNach langem Streit

Zu oft gab es in der Vergangenheit Ärger mit dem Ordnungsamt. Und auch im Rathaus war man an einer Kooperation mit den Tierschützern nicht mehr interessiert.

Fröndenberg

, 14.10.2019, 16:44 Uhr / Lesedauer: 2 min

Eigentlich wollen sie doch nur etwas Gutes tun: Und zwar Tieren in Not helfen. Doch in den vergangenen Jahren war beim Fröndenberger Tierschutzverein der Wurm drin. Aktiv tätig sind für den Verein hauptsächlich Vater und Sohn Beck, Karl-Heinz junior und senior. Unter anderem beschwerten sich Nachbarn über Lärm und jüngst hatte die Stadt Steuern verlangt – für Hunde, die vor Jahren als Tierschutzhunde zu den Becks kamen. Nicht zuletzt soll die Kassenführung im Verein nicht gestimmt haben.

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Während die Stadt ohnehin vor hatte, den Vertrag mit dem Verein zu beenden, ist Karl-Heinz Beck der Stadt nun zuvorgekommen. Die Kooperation ist fristlos gekündigt. Und das hat die Stadtverwaltung akzeptiert, wie Christoph Börger vom Ordnungsamt bestätigt. „Ich konnte und wollte nicht mehr – auch mit Blick auf meine Gesundheit“, sagt Karl-Heinz Beck, den die Auseinandersetzungen mit Nachbarn und Stadtverwaltung in den vergangenen Jahren mitgenommen haben.

Vertrag regelte Zusammenarbeit mit der Stadt seit 2014

Der Vertrag des Vereins mit der Stadt wurde am 3. August 2014 geschlossen. Doch auch zuvor hatte die Verwaltung immer wieder mit den Tierschützern kooperiert. Nachts und an Wochenenden half der Verein zum Beispiel beim Einfangen ausgebüchster oder angefahrener Tiere. Die Mitglieder konnten die Chips direkt einlesen und so die Halter ermitteln. Außerdem hatten sie Erfahrung im Umgang mit großen oder verhaltensauffälligen Tieren.

In den Räumen des Tierschutzvereins, im Privathaus der Familie Beck am Birkenweg, wurden hilflose Tiere über Nacht aufgenommen. Andere brachten die Tierschützer direkt weiter ins Heim.

Tierschutzverein Fröndenberg kündigt Kooperation mit der Stadt

Karl-Heinz Beck Senior ärgert es sehr, dass die Arbeit, die seine Frau vor vielen Jahren begonnen hat, inzwischen so schwer ist. © Peuckert

Nicht nur Streunern, ausgesetzten und entlaufenen Haustieren, sondern auch Wildtieren wurde beim Tierschutzverein in den vergangenen 37 Jahren seit Gründung des Vereins geholfen.

Mit 100 Euro monatlich hatte die Stadt Fröndenberg den Verein unterstützt

Mit einer monatlichen Finanzspritze in Höhe von 100 Euro wollte die Stadt durch die vertragliche Kooperation auch die Arbeit des Tierschutzvereins unterstützen. Dazu gehören Aufklärungsarbeit in den Bereichen Tier- und Naturschutz, die Versorgung verletzter Tiere, die Überprüfung von Fällen der Tierquälerei, die karitative Hilfe von Tierhaltern in Notlagen, Wildtierhilfe et cetera.

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Der Vertrag ist mit Renate Beck, die Erste Vorsitzende war und 2016 verstarb, vereinbart worden. Die Zahl der Mitglieder des Vereins schwindet von Jahr zu Jahr. Waren es einst um die 100, gibt es inzwischen nur noch etwa 67 Mitglieder. Die Gründungsmitglieder hätten inzwischen größtenteils ein Alter erreicht, bei dem man mit weiterem Mitgliederschwund rechnen muss, sagen Vater und Sohn Beck. So traurig das auch sei. Spenden gebe es für den Tierschutzverein ebenfalls kaum noch.

Tierschutzverein Fröndenberg kündigt Kooperation mit der Stadt

Die Becks waren sich immer sicher, dass sie für ihre Tierschutzhunde keine Steuern bezahlen müssen. © Peuckert

Die Ausgaben übersteigen längst das, was bis dato durch den Vertrag mit der Stadt und Mitgliedsbeiträge hereinkommt. Inzwischen bietet der Verein nur noch Beratungsgespräche an – und hilft, wenn er in konkreten Fällen darum gebeten werde. „Wir sind den Tieren weiterhin verpflichtet“, sagt Karl-Heinz Beck. Und er werde helfen, wo immer er kann.

Kontakt zum Tierschutzverein

Die Aktiven des Tierschutzvereins, Karl-Heinz Beck (junior und senior) sind erreichbar unter Tel. (02373) 7 09 33 oder (0179) 4 93 16 32 oder unter karlheinzrenatebeck@t-online.de.
Das Finanzielle ist nur ein Aspekt, der die Arbeit des Tierschutzvereines erschwere. „Der Verein wird immer in eine Übeltäter-Rolle gedrängt“, sagt Karl-Heinz Beck. Und das ist es, was ihn so ärgert. Zuletzt war es ein Streit über die Haltung von zwei Aras und Hähnen, die zu Konflikten mit Nachbarn führten. Der Streit musste von einer Schiedsperson geregelt werden.

Nach Auskunft des Ordnungsamtes hat die Stadt für die Aufgaben des Tierschutzvereins einen neuen Kooperationspartner gefunden.

Die Kündigungsgründe der Stadt

  • Als Gründe für die geplante Kündigung hat die Stadtverwaltung zum einen eine nicht ordentlich geführte Kasse des Vereins genannt. Zum anderen sollten die Tierschützer die drei Hunde, die dauerhaft im Haushalt der Becks leben, ordnungsrechtlich und steuerlich anmelden.
  • Die Haltung der Hunde sei der Stadtverwaltung allerdings Jahre lang bekannt gewesen, sagen Vater und Sohn. Es handele sich aktuell um drei Tiere, die alt, krank und/oder Opfer von Misshandlungen geworden sind und daher nicht mehr vermittelt werden konnten. Ein Hund sei bereits mehrmals vermittelt und immer wieder zurückgegeben worden.
  • Vater und Sohn Beck glaubten bisher, dass sie für die Tierschutzhunde keinen Steuern zahlen müssen. Das habe auch Mutter Renate Beck, die früher Vereinsvorsitzende war, so vermittelt. Über Jahre lebten immer wieder Vierbeiner aus der Tierrettung mit im Haushalt. Die drei Hunde, die gerade im Birkenweg untergebracht sind, werden es wohl auch bis sie sterben, sagt Karl-Hein Beck junior.
  • Die Probleme mit der Kassenführung führen die Vertreter des Tierschutzvereins auf Probleme mit der damaligen Schriftführerin zurück.
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