Tierschutzverein Fröndenberg appelliert für Toleranz gegenüber Haustieren

dzNach Polizeieinsatz

Der Tierschutzverein Fröndenberg appelliert für mehr Toleranz gegenüber Haustieren: Nach Beschwerden über Vogelgezwitscher in einer Wohnsiedlung war von Nachbarn die Polizei alarmiert worden.

Fröndenberg

, 17.06.2019 / Lesedauer: 3 min

Nachbarn in Wohnsiedlungen sollten aus Sicht des Tierschutzvereins Fröndenberg mehr Verständnis für Geräusche aufbringen, die von Haustieren ausgehen. Im Fall eines Polizeieinsatzes habe es sich aber noch nicht einmal um einen solchen Fall gehandelt.

Zwei Polizeieinsätze am selben Tag wegen Vogelgezwitscher

„Auch Haustiere gehören in eine Wohnsiedlung – ob Hund, Katze, Maus oder Vögel“, schreibt Karl-Heinz Beck, 1. Vorsitzender des Tierschutzvereins, in einer Stellungnahme zu der Berichterstattung über einen Einsatz der Polizei Anfang Juni. Nachbarn hatten sich damals über laute Vogelgeräusche in der Siedlung beklagt. Die Beamten waren am selben Tag zweimal wegen derselben Beschwerde vor Ort, konnten aber die Ursache nicht finden.

»Auch Haustiere gehören in eine Wohnsiedlung – ob Hund, Katze, Maus oder Vögel.«
Karl-Heinz Beck, 1. Vorsitzender des Tierschutzvereins Fröndenberg

„Jeden Tag sitzen Vögel auf den Dächern und singen ihre Lieder, so auch an diesem Samstagabend“, schildert Karl-Heinz Beck die Situation aus seiner Sicht. Die Polizei sei unverrichteter Dinge wieder weggefahren. „Sie kann auch nur die Amsel gehört haben, die auf dem Dach ihr Lied getrillert hat“, so Beck. Er habe die Amsel in der betroffenen Wohnsiedlung selbst gehört, als er nach Hause kam. Als verantwortliche Person des Tierschutzvereins habe er außerdem einen verletzten Wildvogel aufgenommen, der auf der Kiebitzwiese gefunden worden und ihm übergeben worden war. Diesen Vogel habe er zeitweise in einem großen Käfig in seinem Garten ausgesetzt. Auch dieser Vogel habe gezwitschert. Den Wildvogel habe er früher als vorgesehen wieder auf der Kiebitzwiese ausgesetzt, „da es wieder mal Ärger mit den Nachbarn gab“, räumt Beck ein.

Früher Umgang mit Haustieren sensibilisiert Kinder

Aus seiner Sicht, so Beck, sei es allerdings überzogen, wegen der Geräusche, die von Haustieren ausgehen, die Polizei zu informieren. Der Redaktion gegenüber hatte die Polizei mitgeteilt, dass man an Wochenenden in Amtshilfe für das örtliche Ordnungsamt oder bei unklarer Sachlage solche Einsätze wahrnehme. Haustiere, so Beck, seien für Menschen ein wichtiger Begleiter. Der frühe Umgang mit Haustieren mache Kinder auch als Erwachsene viel sensibler gegenüber Tieren allgemein. Lernten Kinder Tiere nicht schätzen, sei das am Ende schädlich für alle, „siehe das große Insekten- und Artensterben“, so Beck.

Nicht nur Kinder profitierten vom Umgang mit Haustieren, so Karl-Heinz-Beck. Für alleinstehende Personen sei der „tierische Freund“ oft der einzige Lebensbegleiter, „den man abgeben muss, weil es den bösen Nachbarn nicht gefällt“.

Hinweise vom Tierschutzbund

Hundegebell, Papageiengekrächze und Froschquaken

  • Der Deutsche Tierschutzbund hat unter dem Kapitel „Tierhaltung und Nachbarn“ einige Hinweise auf seiner Homepage zusammengefasst.
  • Haustiere sind so zu halten, dass durch sie die Nachbarschaft nicht wesentlich gestört wird. Dieser Grundsatz ergibt sich sowohl aus den Regelungen des Ordnungsrechts als auch aus denen des Zivilrechts.
  • In fast allen Kommunen gebe es Rechtsverordnungen, wonach Tierhalter verpflichtet sind, ihre Haustiere so zu halten, dass keine unnötigen Störungen durch Lärm oder Gerüche für die Nachbarschaft entstehen.
  • Zur Lärmimmission durch Tierlärm gibt es eine Reihe von Urteilen zu den unterschiedlichsten Tierarten.
  • Neben der üblichen Nachbarschaftsstreitigkeit wegen Hundegebell kommen auch solche wegen Papageiengekrächze, Froschquaken oder Hahnenkrähen häufig vor.
  • Eine Grundsatzentscheidung hierzu hat das Oberlandesgericht Hamm (Aktenzeichen: 22 U 265/87) bereits 1987 erlassen.
  • Das Gericht entschied damals, dass Hundegebell nicht länger als insgesamt 30 Minuten täglich, nicht länger als zehn Minuten ununterbrochen und außerhalb der Zeitspannen von acht Uhr bis 13 Uhr und von 15 bis 19 Uhr nicht hörbar sein darf. Nach diesem Grundsatz entscheiden die Gerichte bis heute.

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