Es war kein Geringerer als der ehemalige BKA-Präsident Hans-Ludwig Zachert, der Theo Beiske für das Verdienstkreuz am Bande vorschlug. Doch Beiske wollte die Ehrung gar nicht. „Anderen steht sie mehr zu“, sagt er.

Fröndenberg

, 08.08.2019, 11:56 Uhr / Lesedauer: 3 min

Als der ehemalige BKA-Präsident Hans-Ludwig Zachert den im Ruhestand weilenden Fröndenberger Dorfsheriff Theo Beiske schon 2016 für das Bundesverdienstkreuz vorschlug, hatte das mit Beiskes 43 Jahre und acht Monate währender Polizeilaufbahn sehr wenig zu tun. Vielmehr wurde Beiske die Auszeichnung des Bundespräsidenten am Donnerstag verliehen, weil er sich privat als echter Freund und Helfer engagiert – unter anderem für die Zachert-Stiftung. Das macht er gern. Sich dafür ehren lassen, aber nicht.

Verdienstkreuz für den Freund und Helfer mit der unplattbaren Stimme

Im Beisein der Stiftungsgründer Christel und Hans-Jürgen Zachert(hinten links) erhielt Theo Beiske (Mitte, mit Gattin Renate) am Donnerstag auf Haus Opherdicke das Bundesverdienstkreuz. Landrat Michael Makiolla (r.) lobte Beiske in seiner Rede als einen Menschen, der durch „sein humorvolles Auftreten und seine hohe persönliche Präsenz zu den in der Bevölkerung populärsten Persönlichkeiten der Stadt zählen dürfte.“ Gratulanten waren auch Bürgermeister Friedrich-Wilhelm Rebbe (l.) und Kreispolizei-Leiter Peter Schwab (2.v.r). © Udo Hennes

Beiske möchte kein großes Bohei um seine Person

„Das Bundesverdienstkreuz haben meiner Meinung nach Menschen verdient, die ehrenamtlich ihr Leben zum Schutz anderer einsetzen“, sagt Theo Beiske. Vor jedem Feuerwehrmann, vor der Bergwacht, THW oder Rettungswacht ziehe er mehr den Hut. Und: „Jeder, der mir einen Euro Spende gegeben hat, hat den Orden mehr verdient als ich.“

Die Ehrung nicht entgegenzunehmen, kam aber natürlich auch nicht in Frage. „Ich mache das jetzt stellvertretend für alle Spender, Unterstützer, Familie, Freunde und Bekannte“, sagt Beiske. Das ist ihm wichtig. Das soll ganz vorne stehen. Am besten im Titel, meint er.

»Ich habe vom lieben Gott nur eine unplattbare Stimme bekommen.«
Theo Beiske, Träger des Bundesverdienstkreuzes

Er selbst habe „vom lieben Gott schließlich nur eine unplattbare Stimme mitbekommen“, lacht der fleißige Spendensammler. Und diese unplattbare Stimme setzt er mitunter sehr intensiv ein, um Gutes zu tun. Das fing schon mit dem von Beiske ins Leben gerufenen Jugendfonds für die Tischtennisabteilung an. Theo, wie ihn halb Fröndenberg nur liebevoll ruft, stimmte Gott und die Welt auf die Unterstützung der Tischtennisjugend ein und sammelte seit 1993 rund 75.000 Euro Spenden für die jungen Sportler des GSV. Geld, das seine Wirkung zeigte.

„Wir haben so verstärkt in die Trainingsarbeit investieren können“, erinnert sich Beiske. Heute spielt die erste Mannschaft der Senioren in der NRW-Liga, zählt die GSV-Tischtennisabteilung zu einer der größten weit und breit. Zum Vergleich: Als Beiske die Spendensammlung startete, stand die erste Mannschaft dort, wo heute die dritte spielt.

Verdienstkreuz für den Freund und Helfer mit der unplattbaren Stimme

Beim Spendenauftreiben beweist Theo Beiske stets Kreativität. Wie hier Anfang 2013, als er ein von Gomez, Ribery und Co. handsigniertes Bayern-Trikot zugunsten der GSV-Tischtennisabteilung versteigerte. Immerhin 300 Euro kamen zusammen. © Udo Hennes

Durch IPA-Radtour 2013 auf Zachert-Stiftung aufmerksam geworden

Ein Herz für den Sport hatte Theo Beiske schon immer. Besonders auch fürs Radfahren. Und so war es Ehrensache, bei der Radtour mitzufahren, die die International Police Association (IPA) als größte internationale Berufsvereinigung von Polizeibediensteten 2013 zugunsten der Isabell-Zachert-Stiftung durch die Region führte. „Unterwegs gab es auch einen Vortrag über die Stiftung, die krebskranke Kinder unterstützt. Da hat es mich gepackt“, sagt Theo Beiske.

Das Schicksal von Isabell Zachert, die 1983 im Alter von 16 Jahren an Krebs starb, nahm den Fröndenberger mit. Er las daraufhin das Buch, das deren Mutter Christel Zachert zehn Jahre nach dem Tod ihrer Tochter verfasst hatte. Das unter dem Titel „Wir treffen uns wieder in meinem Paradies“ im Gustav Lübbe Verlag erschienende und millionfach gelesene Buch rührte den sonst stets so fröhlichen Theo zu Tränen.

Aha-Erlebnis bei der Spendenübergabe im Waldpiratencamp

„Da war mir klar, ich muss etwas tun“, erinnert er sich. Und so zog er los, um Spenden zu sammeln für das stiftungseigene Heidelberger Waldpiratencamp, in dem sich krebskranke Kinder nach ihrer Therapie erholen können.

„Jedes Jahr habe ich dann die Spenden persönlich in Heidelberg übergeben“, berichtet der 64-Jährige. Und als er bei der zweiten Übergabe einen 14-Jährigen Jungen traf, hatte Theo Beiske ein Aha-Erlebnis. „Der Junge hat zu mir gesagt, er sei schon zum zweiten Mal im Camp und wenn er nächstes Jahr noch leben würde, käme er auch noch ein drittes Mal. Das hat mich umgehauen“, erinnert sich Beiske. Danach habe es für ihn kein Halten mehr gegeben.

Seither kann ruhig spät abends das Telefon klingeln, weil eine Kegelrunde gerade beschlossen hat, ihr erspieltes Geld zu spenden. Theo macht sich sofort auf den Weg.

Verdienstkreuz für den Freund und Helfer mit der unplattbaren Stimme

Um krebskranken Kindern zu helfen, scheut Theo Beiske auch keinen Sprung ins kühle Nass: 2014 bedankte er sich so für 1000 Euro, die Freibadbesucher für die Isabell-Zachert-Stiftung erschwommen hatten. Das Geld überreichten Stadtwerke-Chef Bernd Heitmann (Mitte) und Michael Freitag (r.) © Udo Hennes

181.339 Euro in sechs Jahren für krebskranke Kinder gesammelt

Wie viele Spender er letztlich aufgetan hat, ist kaum zu zählen. Er weiß nur, dass sein Facebook-Konto bei 5000 Freunden einen Schlussstrich gezogen hat. Und er weiß natürlich den Spendenstand. Jeder, der an Beiskes Wohnung in der Bredde in Ardey vorbeikommt, kann ihn ablesen. Denn in sein Fenster hat Beiske ein großes Schild gestellt, das anzeigt, wie der Kontostand gerade ist. 181.339 Euro zeigt das Spendenbarometer an, als die Redaktion am Dienstag bei Beiskes vorbeischaut.

So viel Geld hat Theo in sechs Jahren für die Isabell-Zachert-Stiftung gesammelt.

Spendensammlung

Theo hilft der Isabell-Zachert-Stiftung

  • Theo Beiske unterstützt seit 2013 die Isabell-Zachert-Stiftung.
  • Seither hat er mehr als 181.000 Euro für die Stiftung gesammelt.
  • Alle Informationen und den Spendenstand veröffentlicht Theo Beiske auf der Internetseite www.theo-beiske-hilft.de.

Isabell Zachert starb an Theos Geburtstag

Kein Wunder, dass Isabell Zacherts Eltern Hans-Jürgen und Christel dem Fröndenberger Spendensammler dankbar sind und ihn für das Verdienstkreuz vorgeschlagen haben. „Er ist einzigartig fleißig, das muss man einfach würdigen“, sagt denn auch Hans-Jürgen Zachert am Telefon. Er selbst hat übrigens ebenfalls ein Bundesverdienstkreuz - allerdings zwei Stufen höher als das von Theo Beiske. Der hat Hans-Jürgen Zachert angerufen, weil er noch einmal schnell fürs Interview mit der Redaktion das Todesjahr von Isabell Zachert erfragen will. „Hans, wann war denn das nochmal?“, fragt Theo. Da wird ihm zum ersten Mal bewusst, dass Isabell Zacherts Todestag am 17. November war – an Theo Beiskes Geburtstag.

Verdienstkreuz für den Freund und Helfer mit der unplattbaren Stimme

So kennen die Fröndenberger „ihren Theo“, der ihnen 18 Jahre lang als Bezirksbeamter in Uniform ein Freund und Helfer war. Hier mit Harald Böhm. © Roman Grzelak

Dankbar für das eigene Glück

20 Lebensjahre will der 64-Jährige noch weiter Spenden sammeln, um kranken Kindern in ihrem schweren Schicksal ein wenig Unterstützung zukommen zu lassen. „Wenn ich morgens aufwache und das Bild meiner drei Enkeltöchter ansehe, dann weiß ich, wie wertvoll es ist, wenn Kinder gesund sind. Und dann möchte ich ein Stück meines bisherigen Glücks abgeben an Menschen, denen es nicht so gut geht.“

Apropos gut gehen: Einen Dank möchte Theo Beiske zum Schluss noch loswerden. Und zwar an den Freundeskreis Menden, der ihn unterstützt hat, als es ihm selbst nicht so gut ging. Aber Theo wäre nicht Theo, hätte er dem Freundeskreis im Gegenzug nicht etwas zurückgegeben: 16 Jahre lang hat er die Gruppe anschließend geleitet.

Verdienstkreuz des Bundespräsidenten

Ehrung in acht verschiedenen Stufen

Der Verdienstorden des Bundespräsidenten wird in verschiedenen Stufen verliehen:
  • Als Erstauszeichnung wird im Allgemeinen die Verdienstmedaille oder das Verdienstkreuz am Bande verliehen.
  • Als weitere Ausführungen folgen das Verdienstkreuz 1. Klasse,
  • das Große Verdienstkreuz,
  • das Große Verdienstkreuz mit Stern,
  • das Große Verdienstkreuz mit Stern und Schulterband,
  • das Großkreuz
  • und die Sonderstufe des Großkreuzes.

Viel Lob für Beiske

Bürgermeister und Landrat würdigen Verdienste

  • Während einer Feierstunde auf Haus Opherdicke würdigten Landrat Michael Makiolla und Bürgermeister Friedrich-Wilhelm Rebbe die Verdienste von Theo Beiske.
  • Michael Makiolla bezeichnete Beiske als einen der populärsten Bürger Fröndenbergs, wozu sein humorvolles Auftreten und seine hohe persönliche Präsenz beitrage.
  • Friedrich-Wilhelm Rebbe betonte, dass Theo das Herz auf dem rechten Fleck trage und es sich auch im Ruhestand nicht in der Komfortzone gemütlich mache, sondern durch seine Aktivitäten die Gesellschaft, die Stadt und die Menschen, die in ihr leben bereichere. „Theo ist mit hohem Tempo unterweg. Er hat immer Vorfahrt“, sagte Rebbe mit Blick auf die vielen Aktivitäten und auf eine von Theo Beiskes großen Leidenschaften, den Radsport.

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