Theatralik wirkt: Evangelische Jugendarbeit in Frömern und Co. scheint vorerst gerettet

dzKinder- und Jugendarbeit

Die Grünen scheinen offene Türen einzurennen: Mit 27.000 Euro soll die Jugendarbeit in Frömern und anderswo 2020 zusätzlich unterstützt werden. Trotzdem wurde über den Antrag vorerst nicht abgestimmt.

Kreis Unna

, 21.11.2019, 10:20 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es sieht ganz so aus, als hätte der leidenschaftliche Vortrag von Sebastian Richter sein Ziel erreicht: Zum Haushalt 2020 des Kreises Unna liegt ein Antrag der Fraktion von Bündnis ‘90/Die Grünen vor, wonach die Zuschüsse für die offene Kinder- und Jugendarbeit im kommenden Jahr um 6000 Euro je Stelle, in Summe also um 27.000 Euro, aufgestockt werden sollen.

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Und die Vorzeichen dafür stehen gut. Im Jugendhilfeausschuss wurde das Papier zwar nicht zur Abstimmung gestellt, weil die CDU Beratungsbedarf angemeldet hatte; im Grunde aber herrschte Konsens, weshalb es kaum einen Zweifel gibt, dass der Kreistag die zusätzlichen Mittel Anfang Dezember freigeben wird.

Zuschüsse aufstocken: SPD und CDU kündigten Zustimmung an

„Wir werden den Antrag positiv begleiten und bewerten“, sagte Jan-Eike Kersting für die CDU. Zuvor hatte Norbert Enters für die SPD bereits ein klares Bekenntnis abgegeben: „Wir sind grundsätzlich dafür und können diesen 27.000 Euro zustimmen.“

„Ich appelliere an Ihre Ehre und an Ihre Moral.“
Jugendreferent Sebastian Richter im September

Rückblick. Im September hatte der Jugendhilfeausschuss des Kreises im Gemeindehaus Frömern getagt. Dort, wo Jugendarbeit wie aus dem Lehrbuch betrieben wird. Und das brachte Gemeindereferent Sebastian Richter auch deutlich zum Ausdruck. Mit Bildern und Videosequenzen gab er den politischen Entscheidungsträgern einen Einblick in die offene Jugendarbeit, die sich im Rahmen einer Führung auch selbst ein Blick von der Einrichtung in Frömern machen konnten. Untermauert von Richters Sätzen wie diesem: „Ich appelliere an Ihre Ehre und an Ihre Moral. Ich finde, dass man eine Verpflichtung und auch eine Verantwortung hat, Jugendarbeit wie diese auskömmlich zu finanzieren.“

Unterfinanzierung das Damoklesschwert der offenen Jugendarbeit

Das kann man theatralisch finden. Im Grunde aber brachte Sebastian Richter damit nur die Not der offenen Kinder- und Jugendarbeit in Frömern und anderswo in der Regionalgruppe Fröndenberg/Holzwickede zum Ausdruck, die vor allem finanzieller Natur ist. Kirchensteuermittel werden knapper, für Kirchengemeinden ist die Finanzierung der Jugendarbeit wie in Frömern mehr und mehr ein Kraftakt. Zuschüsse von Stadt, Kreis und Land können die Finanzierungslücke nicht mehr schließen. Die Unterfinanzierung schwebt deshalb wie ein Damoklesschwert über der Arbeit von Richter und seinen Mitstreitern.

Grüne greifen Brief der Regionalgruppe Fröndenberg/Holzwickede auf

Die Regionalgruppe Fröndenberg/Holzwickede der evangelischen Kirche hat sich deshalb in einem Brandbrief an den Kreis Unna gewannt und um eine Erhöhung der Zuschüsse geworben. Das Papier war an formellen Hürden gescheitert, schaffte es deshalb nicht offiziell auf die Tagesordnung des Jugendhilfeausschusses. Trotzdem bekam Sebastian Richter mit besagtem Vortrag die Gelegenheit, für das Ansinnen von ihm und seinen Mitstreitern zu werben. Und die Grünen ließen bereits Ende September den Antrag folgen, mit dem sie die finanziellen Probleme der offenen Kinder- und Jugendarbeit dann auch offiziell auf die Tagesordnung brachten.

„Wir wären ja mit dem Klammerbeutel gepudert, wenn wir etwas, das wir gerade versucht haben aufzubauen, mit dem Hinterteil wieder umstoßen.“
Norbert Enters (SPD)

„Erwärmen Sie sich doch bitte dafür, damit es zumindest in 2020 erstmal weiter gehen kann – ich finde, das ist gut investiertes Geld“, kommentierte Sandra Heinrichsen für die Grünen den Antrag. Ein Umgarnen anderer Couleurs, das scheinbar gar nicht nötig war. „Wir wären ja mit dem Klammerbeutel gepudert, wenn wir etwas, das wir gerade versucht haben aufzubauen, mit dem Hinterteil wieder umstoßen“, bekräftigte Norbert Enters für die SPD. Der Jugendausschussvorsitzende Theodor Rieke (SPD) unterstrich: „Hier steht ein Einmalbetrag im Vorgriff auf den Kinder- und Jugendförderplan zur Debatte, keine dauerhafte Bezuschussung.“

Kinder- und Jugendförderplan „in der heißen Phase“

Somit sieht alles nach einem breiten Konsens aus. Das Damoklesschwert steckt damit aber noch längst nicht in der Scheide: Denn wie es langfristig um die Finanzierung der offenen Kinder- und Jugendarbeit bestellt ist, ist nach wie vor offen. Dafür schielt alles auf besagten Kinder- und Jugendförderplan, der eigentlich Anfang 2020 vorgelegt werden sollte. Man befinde sich zwar jetzt „in der heißen Phase der Bedarfsmitteilung“, teilte die Kreisverwaltung im Jugendhilfeausschuss dazu mit. Doch mehr als „erste Ergebnisse“ liegen gegenwärtig noch nicht vor.

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