Tempo 30 auf Schulweg von Behörden abgelehnt – Überholverbot soll Autofahrer ausbremsen

dzVerkehrssicherheit

Über die Notwendigkeit von mehr Verkehrssicherheit bestehen für eine Straße völlig konträre Ansichten: Während die FWG Tempo 30 zur Sicherheit von Schulkindern fordert, setzen die Behörden auf Rücksichtnahme.

Fröndenberg, Frohnhausen

, 04.06.2020, 17:29 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die etwas abseitig gelegene Straße Lehmke in Frohnhausen führt durch ein Wohngebiet und macht zunächst nicht den Eindruck einer Hauptverkehrsroute. Das täuscht angeblich. Daher hat die FWG nach Hinweisen von Anwohnern und einem Ortstermin beantragt, Tempo 30 für die Straße auszuweisen.

Nach dem Eindruck der Freien Wähler wird die recht schmale Straße als kurzer Verbindungsweg von der Landstraße in Richtung Hohenheide genutzt, das Verkehrsaufkommen sei also tatsächlich viel höher als gemeinhin angenommen.

Autofahrer sind im Durchschnitt 26 km/h schnell

Die FWG-Vertreter hatten selbst geschätzt, dass die Fahrzeuge im Durchschnitt rund 50 km/h schnell fahren. Angesichts schmaler Fahrbahn, fehlender Bürgersteige und Randstreifen sowie einer Vielzahl von Familien mit kleinen Kindern sei ein solch hohes Tempo nicht vertretbar.

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Ordnungsamt der Stadt Fröndenberg und Straßenverkehrsbehörde des Kreises Unna kommen nun nach Überprüfung der Verkehrssituation zu einem völlig anderen Ergebnis und lehnen das beantragte Tempo 30 im Ergebnis ab.

Laut einer Ausschussvorlage der Stadtverwaltung ist bei einer Messung eine durchschnittliche Geschwindigkeit von 26 km/h auf der Lehmke herausgekommen.

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Zur Sache

Querungshilfe und Fußgängerüberweg nicht möglich

  • Nach Angaben der Verwaltung sind auch eine Querungshilfe an der Palzstraße sowie ein Fußgängerüberweg rechtlich bzw. baulich nicht möglich.
  • Die Breite der Mittelinsel als Überquerungsanlage für Fußgänger muss zwei Meter betragen. Soll zusätzlich Radfahrern und Rollstuhlfahrern die Querung ermöglicht werden, ist eine 2,50 Meter bis drei Meter breite Mittelinsel anzulegen.
  • Insgesamt muss die Fahrbahnbreite mindestens 8,50 Meter breit sein, um eine Mittelinsel anlegen zu können. Die Fahrbahnbreite der Palzstraße beträgt jedoch nur rund fünf Meter.
  • Die Errichtung eines Fußgängerüberweges ist ebenfalls nicht möglich. Hierfür ist das Vorhandensein eines beidseitigen Gehweges zwingend erforderlich. Ein Gehweg befindet sich hier nur an der östlichen Fahrbahnseite.
  • Um dennoch auf querende Kinder aufmerksam zu machen, wurde im Rahmen des Projektes Schulwegsicherung vom Ordnungsamt die Aufstellung des Verkehrszeichens 136 (Achtung Kinder) in beiden Fahrtrichtungen beantragt.

Es werde demnach offenbar weder zu schnell gefahren, noch sei eine andere konkrete Gefahrenlage erkennbar. Daher könne von der zulässigen Höchstgeschwindigkeit nicht nach unten abgewichen werden. Die FWG hatte in ihrem Antrag bemerkt, dass auf der Lehmke theoretisch sogar Tempo 100 erlaubt sei, weil es sich nicht um eine Ortsdurchfahrt handele.

Eine Tempo-30-Zone, die nicht an Unfallzahlen oder sonstige Gefahrenlagen gebunden ist, will die Straßenverkehrsbehörde ebenfalls nicht einrichten. Grund: Die Erfahrung zeige, dass sich Kraftfahrer durch eine Beschilderung „eher dazu veranlasst fühlen, die Mindestgeschwindigkeit zu erreichen“.

Überholverbot soll Autofahrer ausbremsen

Die Behörden halten stattdessen allgemeine Regelungen in der Straßenverkehrsordnung (StVO) zum Schutz der Fußgänger und Radfahrer für ausreichend. Verwiesen wird auf die Rücksichtnahmepflicht, die von allen stets beherzigt werden muss.

Zudem biete die erst Ende April in Kraft getretene StVO-Novellierung eine probate Vorschrift, die der Verkehrssicherheit Genüge tue: Neuerdings ist nämlich beim Überholen von Fußgängern und Radfahrern außerorts ein Mindestabstand von zwei Metern einzuhalten.

„Aufgrund der engen Straßenführung in dem Wohngebiet ergibt sich daher per Gesetz ein Überholverbot dieser Gruppen“, heißt es in der Vorlage weiter. Die Verwaltung geht demnach davon aus, dass Autofahrer sich künftig verkehrsrichtig verhalten und hinter den deutlich langsameren Verkehrsteilnehmern herfahren.

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