Eine oft lange Leitung bei der Internetleitung ist in Fröndenberg leidiges Thema. Die Vergabe des Breitbandausbaus stockt. Einige Fröndenberger haben jetzt trotzdem die Chance auf schnelles Netz.

Fröndenberg

, 05.07.2019, 13:49 Uhr / Lesedauer: 3 min

Frank Schröer kann sein Glück kaum fassen: In seinem Briefkasten an der Haßleistraße lag die Nachricht einer Baufirma, die im Auftrag der Telekom Glasfaserkabel verlegt und mitteilt, dass es während der Dauer der Arbeiten für Anwohner zu Behinderungen kommen kann. Der Tiefbau stört den Fröndenberger allerdings gar nicht. Schröers Vorfreude auf schnelles Internet macht kleine Unannehmlichkeiten wie einen kurzzeitig aufgerissenen Bordstein nämlich ganz schnell wett. „Das wäre ja zu schön, um wahr zu sein“, sagt er. Aus eigener Erfahrung kann der Anwohner berichten, dass sein Bereich bislang noch nicht besonders gut bedient ist. Und wer die Verfügbarkeit bei verschiedenen Anbietern checkt, kann das schnell nachvollziehen – erhält etwa die Haßleistraße Angebote mit maximal 16 Mbit/s. Wer eine schnellere Datenübertragung benötigt, muss aktuell noch mobiles Internet buchen.

Ausgebaut wird das Netz im Kernort und auch in eingen Ortsteilen

George McKinney, Sprecher der Deutschen Telekom, erklärt jetzt, wer von der Baumaßnahme profitieren könnte und wie Haushalte an schnelleres Internet kommen. Er bestätigt, dass eine Firma gerade die Tiefbauarbeiten für den Breitbandausbaumaß der Telekom erledigt.

Telekom treibt Breitbandausbau in Fröndenberg voran: So kommen Bürger an schnelles Netz

Auf dem Mühlenberg werden die Bürgerinnen und Bürger bald schnelleres Netz beziehen können. Während der Fröndenberger Westen immer noch unterversorgt ist, legt die Telekom in der Mitte neue Glasfaserkabel. © Land

Vor allem im Kernort, aber auch in Langschede, Ardey und Strickherdicke soll das Interner schneller werden. Dazu werden Kupferkabel, über die Bürgerinnen und Bürger in den entsprechenden Bereichen bisher Netz beziehen, gegen Glasfaserkabel ausgetauscht. Das reine Verlegen der Kabel ziehe allerdings noch weitere, komplexe Arbeiten nach sich. Das bedeutet: Internet mit neuen Geschwindigkeiten von mindestens 100, teilweise auch bis zu 250 Megabit pro Sekunde (Mbit/s) können Fröndenberger über die neuen Glasfaserkabel voraussichtlich erst im 1. Quartal 2020 beziehen.

Telekom benachrichtigt Bürger, sobald schneller gesurft werden kann

Dazu nutzen Haushalte ihren bestehenden Anschluss, der dann mehr Leistung ermöglicht. Sobald die höheren Geschwindigkeiten zur Verfügung stehen, wird die Telekom über die Presse oder auch per Brief über das Angebot informieren, sodass bestehende Kunden, aber auch potenzielle Neukunden von ihren Möglichkeiten erfahren. Sie können für bestehende Verträge dann online, telefonisch oder im Kundencenter einen neuen Tarif mit entsprechend höheren Übertragungsraten buchen.

Nicht nur die Telekom selbst wird die Datenautobahn nutzen. „Wir sind diskriminierungsfrei“, erklärt Sprecher McKinney. Das heißt: Die Glasfaserkabel stehen zu jeder Zeit auch anderen Anbietern zur Verfügung. Kunden sollten sich also von ihren jeweiligen Anbietern beraten lassen, zu welchen Tarifen sie welche Internetgeschwindigkeit über die neue Leitung buchen können.

Glasfaserkabel bis ins eigene Haus, was noch schnelleres Netz bedeuten würde, bietet die Telekom im Rahmen der Maßnahme nicht direkt an. Wer das Glasfaserkabel bis zum Haus verlegt bekommen möchte, bräuchte einen eigenen Netzverteiler. „Da wäre man ganz schnell bei einer fünfstelligen Summe“, so McKinney. Wer sich über die Möglichkeiten, seine Firma oder seine Immobilie mit Breitband bis ins Büro oder Wohnzimmer auszustatten, informieren möchte, kann das im Netz unter www.telekom.de/zuhause/netz/mehr-breitband-fuer-mich.

Erste städtische Ausschreibung für Breitbandausbau verlief ohne Erfolg

Dass Fröndenberger auf der Datenautobahn vielerorts noch mit Schneckentempo unterwegs sind, ärgert Bürger schon lange. Die Stadtverwaltung hatte sich aus diesem Grund um Bundesfördermittel für den Breitbandausbau beworben – und erhielt die Zusage. Anschließend hat die Stadt die Arbeiten für Fröndenberg ein erstes Mal ausgeschrieben – ohne Erfolg. Die Maßnahmen der Telekom haben nichts mit der geförderten Maßnahme zu tun. Sie sind eine private Initiative des Unternehmens, von der der Verbraucher aber ebenso profitiert.

Dass die erste Ausschreibung nicht erfolgreich war, bedauert der Erste Beigeordnete der Stadt, Heinz-Günter Freck. Zunächst musste sich die Stadt um die Verlängerung der Förderzusage kümmern. Was die Co-Finanzierung des Landes betreffe, gebe es bereits das Ok, erklärt Freck. Die Verlängerung der Bundesförderung sei beantragt. „Wir bereiten gerade die zweite Ausschreibung vor“, sagt Freck. Dass die erste Ausschreibung missglückt sei, könnte an vollen Auftragsbüchern der Tiefbauunternehmen gelegen haben, vermutet der Beigeordnete.

Als unterversorgt galten Bereiche mit weniger als 30 Mbit/s

Grundlage für die finanzielle Förderung waren Ergebnisse einer Machbarkeitsstudie des TÜV Rheinland: Zum Zeitpunkt der Studie waren rund 84 Prozent aller Haushalte in Fröndenberg mit einer Übertragungsrate von mindestens 30 Megabit pro Sekunde (Mbit/s) angeschlossen. Am besten versorgt sind der Osten, das Zentrum und Frömern. Die Gebiete im Westen sind zum Teil schlecht versorgt. Wo die Haushalte unter der 30 Mbit/s-Grenze liegen, soll aufgerüstet werden.

Bereiche, für die Netzanbieter einen Ausbau angekündigt hatten, fielen aus der Bewertung heraus. Genauso wie Bereiche, die über einen Anbieter beispielsweise mit anderer Technik, wie in Frömern über Richtfunk, als gut versorgt gelten.

Glasfaser ist aus Expertensicht der sinnvollste Weg zum schnellen Netz

Die Muenet-Richtfunkverbindung in Frömern, beziehungsweise eine neue Variante mit Funksignal, das auf alte Telekom-Kupferkabel gespielt und so weitergeleitet wird, ist aus Sicht des Fröndenbergers Jürgen Labs, der bei einem Internetanbieter arbeitet, nicht per se schlecht, aber auch nicht zukunftsweisend. Der heutige Mix, mit dem Frömern versorgt wird, könne Übertragungsraten von 75 bis 100 Mbit/s erreichen. Sei aber auch störungsanfällig, etwa bei Regen. Langfristig zukunftsweisend ist aus Sicht des Experten nur Glasfaser.

Telekom treibt Breitbandausbau in Fröndenberg voran: So kommen Bürger an schnelles Netz

Die Abbildung zeigt deutlich, dass vor allem der Fröndenberger Westen mit schnellem Internet bisher unterversorgt ist. (Quelle: „Geoinformation © Bundesamt für Kartographie und Geodäsie (www.bkg.bund.de). © Bundesamt für Kartographie und Geodäsie

Wie gut die Kommunen in Deutschland mit schnellem Internet versorgt sind und wo welche Technik zur Datenübertragung verfügbar ist, können Interessierte im Breitbandatlas des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur unter www.bmvi.de/DE/Themen/Digitales/Breitbandausbau/Breitbandatlas-Karte/start.html nachschauen.

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