Feiertage gibt es viele, auch kuriose. Heute den des Toilettenpapiers. Hier werden die Blätter des schmutzigen Geschäfts aus Fröndenberg hingespült – und darum sind Feuchttücher ein Griff ins Klo.

von Jennifer Freyth

Fröndenberg

, 26.08.2019, 11:55 Uhr / Lesedauer: 3 min

Toilettenpapier ist beim Gang aufs stille Örtchen für uns heutzutage selbstverständlich. Wie unentbehrlich die Blätter des schmutzigen Geschäfts sind, wird uns zumeist aber erst nach einem längeren Toilettenaufenthalt bewusst – wenn der Blick auf die leere Papprolle fällt. Heute ist Gelegenheit, der längsten Serviette der Welt zu huldigen: mit dem Tag des Toilettenpapier, der weltweit am 26. August begangen wird.

Wo landet das Klopapier nach der Spülung?

Ob drei- oder vierlagig, klassisch weiß oder bunt geblümt, extra weich oder feucht – Toilettenpapier gibt es in vielen Variationen. Doch was passiert damit, wenn es mit der Klospülung erst einmal in der Versenkung verschwunden ist?

Das aus der Fröndenberger Stadtmitte, Bausenhagen, Bentrop, Stentrop, Warmen, Frohnhausen, Hohenheide, Westick und Ostardey sowie der Großteil aus Menden und sogar Teile aus Arnsberg landen an der Heidestraße 162 in Menden.

Kuriose Fakten

Zahlen zum Klopapier

  • 3651 Rollen oder 15 Kilo – so viel Toilettenpapier verbraucht Max Mustermann im Laufe seines Lebens. Das hat ein Hygieneartikel-Händler hochgerechnet.
  • Das entspricht einem Verbrauch von 46 Rollen pro Jahr und Kopf – beziehungsweise Popo. Zusammgerechnet ergibt dieser Verbrauch 20.0000 Blätter pro Jahr. Diese aneinandergereiht, kommt man auf eine Strecke von mehr als einem Kilometer.
  • Mit ihrem Verbrauch liegen die Deutschen übrigens im europäischen Mittel: Die Spanier benutzen zum Beispiel nur halb so viel, die Schweden dagegen doppelt so viel.

Dort betreibt der Ruhrverband seit den 1950er-Jahren die Kläranlage Menden, die Anfang der 2000er-Jahre durch einen Neubau komplett ersetzt und kontinuierlich modernisiert wurde. Heute wird dort das Abwasser aus einem Einzugsgebiet von 2900 Hektar beziehungsweise von rund 105.000 Einwohnern gereinigt.

Nur die Hälfte des Papiers wird rausgefischt

900 Liter Abwasser pro Sekunde kommen aus Menden in Bösperde an, immerhin 200 Liter aus Fröndenberg. Sogenannte Schneckenpumpen heben es zur anschließenden Klärung rund fünf Meter an. Das Ziel ist für die Hinterlassenschaften aus beiden Städten dasselbe: das Rechengebäude. Dort filtern zwei Filterstufenrechen die organischen Inhaltsstoffe – sprich: das Toilettenpapier.

Mit Video: Hier landet Fröndenbergs Klopapier

Der Filterstufenrechen: Im oberen Bereich der Anlage sind gefilterte Toilettenpapier-Reste zu erkennen. © Freyth

Doch längst nicht alles an Papier bleibt dort hängen. Die Rechen mit einer Spaltweite von sechs Millimeter haben einen sogenannten Abscheidegrad von 40 bis 50 Prozent. „Den Rest haben wir im System, wo er uns Ärger macht“, sagt Betriebsleiter Frank Beckmann. Denn alles Papier, das im Rechengebäude nicht rausgefischt wird, müsse am Ende mit dem Schlamm entsorgt werden.

Dass Toilettenpapier nicht gleich Toilettenpapier ist, merkt übrigens nicht nur der Otto-Normalverbraucher beim Abwischen seines Allerwertesten, sondern auch die Mitarbeiter des Klärwerks. Doch dazu später mehr.

So geht die Reinigung weiter

Zurück zur Reinigung. Das gefilterte und gewaschene Rechengut und damit das Papier kommt im nächsten Schritt in die Presse, wo es entwässert wird. Das spart Gewicht und Volumen. Die Reststoffe werden schließlich eingesackt und landen zur weiteren Entsorgung im Containerwagen.

Mit Video: Hier landet Fröndenbergs Klopapier

Betriebsleiter Frank Beckmann zeigt einen Überblick über die technischen Anlagen im Klärwerk Menden. © Freyth

Weitere mechanische Reinigungsstufen sind der Sandfang und die Vorklärung. Bis hierhin geschieht übrigens wie auf dem stillen Örtchen alles hinter verschlossenen Türen – damit die Nachbarn angesichts der Emissionen nicht die Nase rümpfen müssen.

Kleiner Ratgeber

Was gehört in die Toilette?

In die Toilette gehören ausschließlich menschliche Ausscheidungen sowie Toilettenpapier. Doch in manchen Haushalten wird so manches mehr im Klo heruntergespült. Der Ruhrverband klärt deshalb auf: Speisereste, Speisefette und -öle; Hygieneartikel wie Babywindeln, Slipeinlagen, Damenbinden, Tampons, Kondome, Haare, Wattestäbchen, Papier- und Feuchttücher; Zigaretten, Feuerzeuge, Rasierklingen, Flaschenverschlüsse, Papier, Plastik und andere feste Abfälle gehören in die Mülltonne. Gesondert entsorgt werden müssen Batterien, chlorhaltige und ätzende Putz- und Reinigungsmittel, Altöl, Chemikalien, Farben und Lacke.

Schließlich folgt die biologische Reinigung. Zunächst in den Belebungsbecken, die 2016 aufwendig umgebaut wurden. Drei davon mit einem Volumen von je 6000 Kubikmeter gibt es. Durch Mikroorganismen werden hier die im Abwasser gelösten Stoffe biologisch abgebaut. Dann geht‘s zur Nachklärung. Die geschieht in zwei runden Becken mit einem Durchmesser von je 50 Metern. Durch Absetzvorgänge trennen sich hier gereinigtes Abwasser und biologischer Schlamm. Während der Schlamm wieder zurück ins Belebungsbecken kommt, fließt das Wasser in die Schönungsteiche.

Mit Video: Hier landet Fröndenbergs Klopapier

Im Schönungsteich – hier ist einer von insgesamt dreien im Bild – wird die Qualität des Ablaufs weiter verbessert. © Freyth

Auch hiervon gibt es drei. Gesamtvolumen: 15.000 Kubikmeter. Biologische und chemische Prozesse sowie Absetz- und Ausgleichvorgänge sorgen hier für noch bessere Qualität.

Landesamt kommt unangekündigt zu Kontrollmessungen

An den Schönungsteichen wird übrigens auch penibel gemessen, was unter anderem vom Klopapier noch übrig ist – also wie rein das gereinigte Abwasser an dieser Stelle ist: Alle zwei Wochen überprüfen Mitarbeiter des Landesamts für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz die Parameter – stichprobenartig. „Wann genau die Kontrollen stattfinden, wissen wir nicht“, sagt Beckmann.

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Friedrich Baehr, stellvertretender Betriebsmeister der Kläranlage, hat sämtliche Werte genau im Blick. © Freyth

Gäbe es Störfälle, hätten der Betriebsleiter und seine sechs Kollegen ohnehin schon viel früher Wind davon bekommen. Denn auch sie überprüfen ganz penibel sämtliche Werte. Zudem gibt es ein Störmeldesystem, das bei fehlerhaften Werten gleich Alarm schlägt.

Video
Hier landet das Toilettenpapier aus Fröndenberg

Der Schlamm wird übrigens im Faulbehälter weiterbehandelt – innerhalb von 22 Tagen fault er bei etwa 36 Grad aus. Gut entwässert landet er am Ende auf Lastern, die ihn zur Verbrennung nach Werdohl bringen. „Pro Arbeitstag ist das etwa ein Lkw“, sagt Beckmann.

Zurück zum Toilettenpapier. Das ist neben den menschlichen Ausscheidungen übrigens das einzige, was ins Klosett gehört. Ganz gleich, ob fix zusammengeknüllt oder sorgfältig gefaltet. „Das spielt für uns in der Kläranlage keine Rolle“, schmunzelt Beckmann.

Feuchttücher gehören nicht ins Klo

Feuchttücher dagegen gehören wie andere Hygieneartikel in die Mülltonne.

Mit Video: Hier landet Fröndenbergs Klopapier

Pumpen sind teilweise mit Schneidrädern ausgestattet – im Kampf gegen reißfeste Feuchttücher © Freyth

Denn weil das feuchte Toilettenpapier, mit dem manch einer seinem Allerwertesten eine Extraportion Pflege gönnt, so reißfest ist, verstopft es nicht nur Kanäle, sondern verfängt sich auch in den Abwasserpumpen.

Teilweise sind die Pumpen deshalb schon mit Schneiderädern ausgestattet, um verbliebene Reste zu zerkleinern.

Mit Video: Hier landet Fröndenbergs Klopapier

So sieht es aus, wenn Feuchttücher in der Toilette landen und Pumpen im Klärwerk verstopfen. © Freyth

Beim nächsten Gang aufs stille Örtchen also lieber auf den Mülleimer zurückgreifen, statt in die Schüssel werfen – damit das entsorgte Feuchttuch auch für die Kläranlagen-Mitarbeiter kein Griff ins Klo wird.

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