Selbstmord im Gefängnis: Wie Computer Suizidversuche rechtzeitig erkennen sollen

dzJVK Fröndenberg

Auch im Justizvollzugskrankenhaus hat es schon Suizidversuche gegeben; Ende 2018 sogar einen erfolgreichen. Künstliche Intelligenz soll künftig helfen, derlei Vorfälle zu verhindern.

Fröndenberg

, 23.10.2019, 17:09 Uhr / Lesedauer: 2 min

Selbstmordversuche rechtzeitig erkennen und verhindern – das soll in nordrhein-westfälischen Gefängnissen alsbald Kollege Computer übernehmen. NRW-Justizminister Peter Biesenbach (CDU) stellte am Dienstag in Düsseldorf ein in Deutschland bislang einmaliges Forschungsprojekt vor: Der Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) soll die Suizidprävention in Justizvollzugsanstalten verbessern.

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Auch im einzigen Justizvollzugskrankenhaus (JVK) des Landes Nordrhein-Westfalen in Fröndenberg dürfte eine entsprechende Technik zum Einsatz kommen, sobald sie erprobt ist.

„Das ist noch Zukunftsmusik.“
Verwaltungsleiter Peter Wolf

„Das ist noch Zukunftsmusik, wird aber sicher irgendwann Einzug halten“, sagte Verwaltungsleiter Peter Wolf mit Verweis auf die heute schon sehr umfangreichen Sicherheitsmaßnahmen insbesondere in der psychiatrischen Abteilung des Krankenhauses. Dazu zählen unter anderem Kamerazimmer, in denen selbstmordgefährdete Häftlinge rund um die Uhr von Vollzugsbeamten per Video überwacht werden.

Gleichwohl kann es zu Zwischenfällen kommen, in Fröndenberg wie auch in anderen der 35 Justizvollzugsanstalten in Nordrhein-Westfalen. Erst im September hatte ein Häftling im JVK versucht, sich das Leben zu nehmen. Er hatte mittels zweier Feuerzeuge einen kleinen Brand in seinem Zimmer ausgelöst, wurde dabei leicht verletzt – die Beamten hatten den Suizidversuch der Kameraüberwachung wegen schnell erkannt.

2018 landesweit elf Suizide in NRW-Gefängnissen

Im Dezember des Vorjahres war ein Suizidversuch ebenfalls auf der psychiatrischen Abteilung des Justizvollzugskrankenhauses erfolgreich: Ein Häftling hatte seine Kleidung in Brand gesteckt, erlag seinen schweren Brandverletzungen wenige Tage später. Landesweit gelang es 2018 nach Ministeriumsangaben elf der insgesamt rund 16.000 Gefängnisinsassen, sich das Leben zu nehmen.

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Computer soll Gegenstände, Emotionen und Verhalten erkennen

Künstliche Intelligenz soll nach den Vorstellungen des NRW-Justizministeriums helfen, derlei zu verhindern. Computer sollen lernen, gefährliche Gegenstände wie Feuerzeuge, Messer, Scherben oder Schlingen zu erkennen. Sogar verdächtige Emotionen und Verhaltensmuster soll das System erkennen und Alarm auslösen. Ein Unternehmen aus dem sächsischen Chemnitz erhielt den Zuschlag für die Entwicklung einer entsprechenden Software.

Bildschirmüberwachung rund um die Uhr sehr anstrengend

Nach Ansicht von JVK-Verwaltungsleiter Wolf würde so ein System „die Beobachtung deutlich erleichtern“. Heute sei die Überwachung eine sehr anstrengende Aufgabe für die Kollegen im Vollzugsdienst, die deshalb auch regelmäßig abgelöst würden. Über Bildschirme beobachten sie die mit Kameras ausgestatteten Patientenzimmer, um verdächtiges Verhalten rechtzeitig zu erkennen und sofort einzuschreiten. Laut Ministerium soll künstliche Intelligenz präventive Maßnahmen wie diese nicht vollständig ersetzen, sondern sinnvoll ergänzen.

Erst Entwicklung, dann Testphase, dann Pilotprojekt

Ob und wann das Justizvollzugskrankenhaus Fröndenberg mit entsprechender Technik ausgestattet wird, ist gegenwärtig allerdings noch völlig offen. Wenn das System entwickelt ist, schließt sich eine Testphase an. Erweist es sich als hilfreich, sollen in einem Pilotprojekt zunächst in einer Justizvollzugsanstalt suizidgefährdete Gefangene mit künstlicher Intelligenz überwacht werden.

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