Suche nach einem neuen Schmied bislang erfolglos verlaufen

dzKettenschmiedemuseum

Seit rund einem Jahr suchen die Förderer des Fröndenberger Kettenschmiedemuseums aktiv nach Verstärkung am Schmiedefeuer. Bislang ohne Erfolg – weil es den Beruf eigentlich gar nicht mehr gibt.

Fröndenberg

, 23.08.2019, 09:08 Uhr / Lesedauer: 2 min

Norbert Muczka betont Gelassenheit – und doch bereitet ihm wie auch den anderen Förderern des Kettenschmiedemuseums die Suche nach einem weiteren Schmied durchaus Kopfzerbrechen. „Finden Sie mal jemanden für einen Beruf, den es so nicht mehr gibt“, sagt Muczka.

Mehrere Interessenten sprangen schlussendlich wieder ab

Die Suche per Stellenanzeige verlief bislang jedenfalls ergebnislos. Zwar seien in den vergangenen Monaten vier, fünf Interessenten da gewesen, sagt Muczka. Doch selbst ein Aspirant aus dem näheren Umland, der gleich mehrfach ins Museum an die Ruhrstraße gekommen und scheinbar ernsthaft interessiert war, machte schlussendlich einen Rückzieher. Über das Warum können die Suchenden freilich nur spekulieren. „Die Interessenten waren da und haben auch geschmiedet – entweder klappte es nicht oder sie haben gemerkt, dass es doch ganz schön anstrengend ist“, sagt Muczka.

„Finden Sie mal jemanden für einen Beruf, den es so nicht mehr gibt.“
Norbert Muczka

Denn: So leichtgängig es für Zuschauer bei Dagobert Köster auch aussieht – das Schmieden einer Kette ist harte Arbeit. Der 66-Jährige, der über 50 Jahre lang beruflich den Hammer geschwungen hat, hat die nötige Erfahrung, Kraft und Technik. „Ein Auge für die Temperatur haben, den richtigen Punkt zum richtigen Zeitpunkt treffen – das kann man nicht mal eben so“, sagt Muczka. Und weil schmieden nicht gleich schmieden ist, gestaltet sich die Suche nach einem weiteren Teammitglied ebenso schwierig.

Den Beruf des Kettenschmieds gibt es heute nicht mehr

Ein Kettenschmied ist spezialisiert auf die Herstellung von Kettengliedern aus Eisen im Schmiedefeuer. Infolge der Industrialisierung wurde die Arbeit zunehmend mechanisiert und das Handwerk selbst durch neue Techniken schließlich obsolet. Den Beruf des Kettenschmieds gibt es heute nicht mehr – und die Arbeit des heute noch existenten Hufschmieds beispielsweise ist kein Vergleich.

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„So ganz haben wir die Hoffnung noch nicht aufgegeben“, sagt Muczka und berichtet zuversichtlich vom Besuch einer Veranstaltung im LWL-Freilichtmuseum Hagen, wo sich jüngst Schmiede aus mehreren Ländern zu einem Austausch getroffen haben. Dort habe man vielversprechende Kontakte zu Firmen und Vereinen knüpfen können. Ob die am Ende etwas bringen, muss sich zeigen. Schließlich sollte derjenige welche bestenfalls aus der Region kommen, um für seine Einsätze nicht zu weit anreisen zu müssen. Viel zu verdienen gibt es schließlich nicht; eher so eine Art Aufwandsentschädigung.

Einzigartige Hochzeitszeremonie langfristig sichern

Vorerst schwingt aber ohnehin noch Dagobert Köster den Hammer im Kettenschmiedemuseum – unterstützt von Dieter und Philipp Styra, die aber nur am Wochenende aushelfen können. „Uns geht es darum, für den Notfall vorbereitet zu sein“, betont Muczka. Schmied Köster erfreue sich abgesehen von kleinen Wehwehchen guter Gesundheit „und hat uns bislang noch nicht einmal bei einem Termin versetzt“. Er sei die Zuverlässigkeit in Person. Und doch wolle man gerüstet sein für den möglichen Fall, dass er mal kurz- oder langfristig ausfällt. Und letztlich gehe es auch darum, perspektivisch einen Nachfolger zu finden, um die einzigartige Hochzeitszeremonie in Fröndenberg langfristig sichern zu können. Immerhin kommen inzwischen Paare aus ganz Deutschland, um sich in Fröndenberg im Schein des Schmiedefeuers das Ja-Wort zu geben und anschließend die symbolträchtigen Kettenglieder zu schmieden.

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