Umstrittene Steingärten: Fröndenberger wünscht sich Verbot, Stadt setzt auf Aufklärung

dzUmwelt und Klima

Erst Feuerwerk, nun auch noch Steingärten: Wenn es um den Umwelt- und Klimaschutz geht, wird der Wunsch nach radikalen Verboten immer lauter. Auch unter Fröndenberger Bürgern.

Fröndenberg

, 23.02.2020, 04:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Bei einem Spaziergang durch den Lindenweg und Umgebung ist einem Fröndenberger jüngst „mit Erschrecken bewusst geworden“, wie viele Steingärten dort in letzter Zeit angelegt wurden. Ironischerweise in den Straßen, die Baumnamen tragen.

Das gefiel dem Fröndenberg gar nicht, er reichte einen Bürgerantrag im Rathaus ein, das ein Verbot der steinernen Gärten fordert. In Zeiten, in denen die Jugend für den Klimaschutz auf die Straße gehe, andere Kommunen wie etwa Hagen Steingärten verbieten würden, stellt er die Frage: „Ist das nicht auch in Fröndenberg möglich?“

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Dass die Steingärten hübsch aussehen können, möchte der umweltbewusste Bürger gar nicht bestreiten. „Optisch haben sich die Anwohner zum Teil scheinbar größte Mühe gegeben“, schreibt er in seinem offiziellen Antrag auf ein Steingarten-Verbot an die Stadt.

Aber Bienen, Schmetterlinge und andere Insekten hätten in diesen Gärten keine Chance, Nahrung zu finden. „Geschweige denn, etwas zu bestäuben und uns Nahrung zu ermöglichen“, ergänzt der Antragsteller. Außerdem würden die Steingärten zur Erderwärmung beitragen.

Die Natur- und Umweltschutz-Akademie NRW empfiehlt Stauden für einen blühenden Vorgarten. Mit wenig Pflegeaufwand würde es vor dem Haus lange blühen.

Die Natur- und Umweltschutz-Akademie NRW empfiehlt Stauden für einen blühenden Vorgarten. Mit wenig Pflegeaufwand würde es vor dem Haus lange blühen. © Astrid Hattebier

Aus Sicht des Fröndenbergers ist es höchste Zeit, dass jeder etwas zum Erhalt der Natur beiträgt: „Gehören da nicht Blumengärten statt Steingärten dazu?“

Naturnaher Garten


Das sind die Vorteile für Natur und Umwelt

  • Naturnahe Gärten erhöhen die Artenvielfalt und schaffen einen ökologischen Ausgleich.
  • Feinstaub wird gebunden, zusätzlicher Sauerstoff produziert, die Luft verbessert sich.
  • Grünflächen wirken Hitzeinseln entgegen und kühlen die Umgebung. Asphalt- und Pflasterflächen werden je nach Bepflanzung beschattet, heizen weniger auf.
  • Natürliche oder naturnahe Böden nehmen Niederschlagswasser auf, reduzieren die Abwassermengen.

Bauamtsleiter Martin Kramme würde diese Frage wohl mit „ja“ beantworten. Von einem grundsätzlichen Verbot halte die Stadtverwaltung allerdings nichts. Vielmehr setze sie bereits seit einiger Zeit auf Aufklärung – unter anderem mit Informationsmaterial, das Bauwilligen an die Hand gegeben wird.

Im Haverkamp gibt es viele Steingärten

„Im Haverkamp gibt es solche Steingärten“, weiß Martin Kramme. Für die Baugebiete Am Obsthof und Gosemark II seien Interessenten bereits konkret dazu angehalten worden, Gärten mit Grün zu planen.

Ein generelles Verbot für das gesamte Stadtgebiet auszusprechen, sei zudem rechtlich schwierig. Für Neubaugebiete ließen sich entsprechende Regelungen im Bebauungsplan festhalten.

Ist ein Verbot ausgesprochen, stelle sich auch die Frage der Kontrolle und Ahndung von Verstößen, die ohnehin bei den vielen Regelungen im Baurecht schwierig sei. Grundsätzlich wäre das dann nicht mehr Aufgabe der Stadt, sondern des Kreises Unna.

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Ganz neu sei das Thema auch in der politischen Beratung nicht, so Bauamtsleiter Martin Kramme. Bereits im Zuge der Planungen für das Baugebiet Am Obsthof stand zur Debatte, wie mit Steingärten umgegangen werden sollte.

Die Debatte ist nun neu entfacht und eine Lösung liegt in den Händen der Politik. Dennoch würde es die Verwaltung begrüßen, wenn von einem Verbot abgesehen, weiterhin auf Aufklärung und die im Zuge der Klimadebatte wachsende Vernunft der Anwohner gesetzt wird.

Wer glaubt, einen Schottergarten nicht pflegen zu müssen, irrt.

Wer glaubt, einen Schottergarten nicht pflegen zu müssen, irrt. © Stefan Milk

Wer nun darüber nachdenkt, seinen eigenen Vorgarten naturnaher zu gestalten, und damit etwas Gutes für Artenvielfalt und Klima zu tun, erhält Informationen dazu auf der Homepage der Stadt Fröndenberg. Die Verwaltung hat dort das Informationsmaterial bereitgestellt, dass sie auch Eigentümern an die Hand gibt.

  • Von der Natur- und Umweltschutz-Akademie NRW (NUA NRW) werden Blütenstauden und Zwiebelpflanzen für den Vorgarten empfohlen. Mit wenig Arbeit würden Gärten so lange blühen.
  • Durch Bodenabdeckungen mit Rindenmulch oder flächigen Pflanzungen mit bodendeckenden Stauden wird der Boden geschützt. Er kann mehr Wasser speichern und es muss weniger Unkraut gezupft werden.
  • Die Pflege von Fugen in Pflasterflächen empfindet wohl jeder Hobbygärtner als aufwendig. Begrünte Fugen – etwa mit Moos – können laut NUA NRW eine natürliche Alternative sein.
  • Gehölze gliedern einen Garten und zeigen durch Blüten, Düfte, Blätter oder Herbstfärbung besondere Aspekte.
  • Außerdem rät die Natur- und Umweltschutzakademie zu unterirdischen Tröpfchenbewässerungsanlagen in Rasen- und Beetflächen. Sie würden das Wasser je nach Bedarf verlustfrei dorthin leiten, wo es benötigt wird.

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