Solarzellen auf dem Dach sind vielerorts ein gewohntes Bild. Doch wenn man das Dach für Sonnenenergie nicht nutzen kann oder will, gibt es auch andere Möglichkeiten. Die Installation kleiner Photovoltaikanlagen – etwa am Balkon oder an der Gartenmauer – ist relativ unkompliziert. Im Prinzip werden die Geräte einfach an eine Steckdose angeschlossen. © picture alliance / Daniel Reinhardt/dpa
Klimamanager im Kreis Unna

Stecker-Photovoltaik: Rasieren und staubsaugen mit Sonnenkraft vom Balkon

Bei der Energiewende zählt jede Kilowattstunde Solarstrom: Mit der Stecker-PV lässt sich vielerorts Sonnenkraft einfangen und im Haushalt nutzen. Die Klimamanager im Kreis Unna werben dafür.

Wer das Dach seines Hauses nicht nutzen kann, darf oder will, hat für Solarstrom aus Photovoltaikanlagen andere, wenn auch kleinere Möglichkeiten: Was dabei zu beachten ist, erläutern eine Klimamanagerin, ein örtlicher Versorger und ein Spezialist für regenerative Energien.

Was bedeutet Stecker-Photovoltaik?

Praktisch lassen sich bis zu zwei PV-Module direkt mit einer Steckdose verbinden. Jedes Modul hat maximal 300 Watt, sodass bis zu 600 Watt Leistung über eine Stecker-PV erzeugt werden können.

Die Anlagen werden „steckerfertig“ verkauft, überwiegend noch im Internethandel. Zum Gesamtpaket gehört neben Modul und Stecker auch der sogenannte Wechselrichter. Dieser wandelt den erzeugten Gleich- in Wechselstrom um, den man im Haushalt nutzen kann, erläutert Ilja Ljevar, Spezialist bei der Firma Entec Solar in Fröndenberg-Altendorf.

Wo kann man die Module anbringen?

Wer als Eigentümer keine für Photovoltaik geeignete Dachfläche hat oder Mieter ist, kann stattdessen andere Flächen am oder vor dem Haus nutzen, die eine gute Sonnenausrichtung haben.
„Bei mir zuhause denke ich darüber nach, einen sechs Meter langen Balkon, der südlich ausgerichtet ist, dafür zu nutzen“, sagt Diane Bruners, Klimamanagerin der Stadt Fröndenberg. Schöner Nebeneffekt: Die dunklen PV-Module könnten sogar viel dekorativer sein als manche Balkonbrüstung.

Auch an Gartenmauern lassen sich die Module befestigen; ein entsprechend längeres Stromkabel ist dann natürlich einzuplanen. Häufig werde Stecker-PV auch schon am Campingwagen angebracht und bediene kleinere Stromabnehmer auf der Reise wie eine Kaffeemaschine, weiß Ilja Ljevar.

Wie lässt sich der Solarstrom nutzen?

Die bis zu 600 Watt Leistung reichen nicht für den Ofen, betont Ilja Ljevar. Denn es können nur „einphasige“ Geräte bedient werden, „Starkstrom“, wie man landläufig sagt, also dreiphasiger Strom – drei unter Spannung stehenden Stränge des dicken Stromkabels – kann nicht erzeugt werden. Für den Rasierapparat oder andere Elektrokleingeräte reicht es aber. „Die Grundlast wird abgedeckt, zum Beispiel auch der PC im Homeoffice“, nennt Michael Freitag, Vertriebschef bei den Stadtwerken Fröndenberg-Wickede ein weiteres Beispiel.

Wie sicher ist eine Stecker-PV-Anlage?

Die Steckdose, die genutzt wird, sollte schon abgesichert sein. „In einem uralten Haus mit dünner Leitung“, so Ilja Ljevar, sei von dem Anschluss der Solarmodule abzuraten. Kabelbrände seien dann tatsächlich nicht ausgeschlossen.
Der Experte für Dachanlagen, der selbst die Stecker-PV nicht vertreibt, verweist insofern auf das Elektrohandwerk. Auch auf YouTube gebe es mittlerweile unzählige Tutorials, die diese Technik gut erklären.

Darf Solarstrom einfach ins Hausnetz gespeist werden?

Nein. Auch eine Stecker-PV mit bis zu 600 Watt, die komplett selbst genutzt und nicht ins öffentliche Netz eingespeist werden sollen, muss beim örtlichen Netzbetreiber angemeldet werden.
Das sehen nicht nur Anschlussbedingungen ausdrücklich vor. Praktisch könne es auch passieren, dass bei alten analogen Stromzählern die Uhr rückwärts läuft, weil Solarstrom ins Hausnetz eingespeist wird, erläutert Michael Freitag. Bei digitalen Stromzählern passiere dies allerdings nicht mehr.
Auch bei der Bundesnetzagentur, so Freitag, ist die Stecker-PV anzuzeigen.

Lohnt sich eine Stecker-PV überhaupt?

Habe man eine optimale Neigung der Anlage zur Sonne eingestellt und werde der Solarstrom für die Grundlast im Haus regelmäßig abgenommen, könnten rund 255 kW/h pro Jahr verbraucht werden, rechnet Michael Freitag einen individuellen Fall hoch.

Angesichts von durchschnittlich 3000 kW/h Stromverbrauch von zwei Personen, sei das zwar nicht übermäßig viel. Nach einigen Jahren amortisiere sich der Kauf aber auf jeden Fall. „Man macht mit bei der Energiewende“, gibt Freitag aber zu bedenken, dass auch dieser kleine Beitrag wichtig sei und in der Masse entsprechend viel Sonnenstrom zusammenkomme – schließlich sollen bei der CO2-Reduktion bundesweit bestimmte Ziele erreicht werden.

Wie kann man sich informieren?

Die Klimamanager sämtlicher Kommunen im Kreis Unna haben ein Netzwerk gebildet. In einer Vortragsreihe wollen sie für Verbraucher interessante Energiethemen erläutern.

Diane Bruners startet am 6. Juli mit einem Online-Vortrag zum Thema „Stecker-PV“. In Kooperation mit der Verbraucherzentrale Schwerte wird ein Referent des Bundesverbandes informieren und Tipps geben. Eine Anmeldung für alle Interessierten ist ab sofort möglich unter [email protected]. Alle Teilnehmer erhalten einen Link zur Teilnahme an der Zoom-Konferenz.

Über den Autor
Redaktion Fröndenberg
Geboren 1972 in Schwerte. Leidenschaftlicher Ruhrtaler. Mag die bodenständigen Westfalen. Jurist mit vielen Interessen. Seit mehr als 25 Jahren begeistert an lokalen Themen.
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Marcus Land

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