Startup mit Fröndenberger Fabian Gruß entwickelt App für digitale Kassenbons

dzKassenbonpflicht

Die Kassenbonpflicht brachte Anfang des Jahres Einzelhändler und Kunden auf die Barrikaden. Ein Startup um den Fröndenberger Fabian Gruß hat eine App für papierlose Belege entwickelt – und die ist sogar kostenlos.

Fröndenberg

, 18.11.2020, 18:36 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die einen schimpften über das Bürokratiemonster, die anderen über nutzlosen Papierverbrauch: Die Kassenbonpflicht hat sich nun ein findiges Jungunternehmen um den aus Fröndenberg stammenden Fabian Gruß zunutze gemacht. Ihre App ist auch als Haushaltsbuch geeignet.

»Ich kann heute schon mit dem Handy oder mit der Armbanduhr bezahlen, aber es wird immer noch ein Zettel ausgedruckt.«
Fabian Gruß

Vor allem auf der Theke von Bäckereien, für die Kassenbons bisher kaum ein Thema waren, waren sie seit Januar zu sehen: kleine Kartons, aus denen unzählige Kassenbons quillen. Hinterlassenschaft der Kunden, die sich solidarisch zeigten und dem Finanzminister quasi eine Quittung geben wollten für gefühlten Unsinn.

Zwei Jahrhunderte im selben Verkaufsraum

Epap – so heißen das Startup-Unternehmen und auch ihre Entwicklung, mit der die vier Gründer am liebsten in ganz Deutschland Smartphones ausstatten wollen. Auf die Idee für die App, die digitale Kassenbons erzeugt, kamen Fabian Gruß und seine Unternehmer-Freunde schon vor der Bonpflicht.

„Ich kann heute schon mit dem Handy oder mit der Armbanduhr bezahlen“, sagt Fabian Gruß, „aber es wird immer noch ein Zettel ausgedruckt.“ Das 20. Jahrhundert auf der einen, das 21. Jahrhundert auf der anderen Seite des Verkaufstresens also.

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Der digitale Kassenbon auf dem Vormarsch: Fabian Gruß (vorn), der in Fröndenberg aufgewachsen ist, hat mit drei Freunden in Hannover das Startup epap gegründet. Die von epap entwickelte App macht Kassenbons aus Papier überflüssig.

Der digitale Kassenbon auf dem Vormarsch: Fabian Gruß (vorn), der in Fröndenberg aufgewachsen ist, hat mit drei Freunden in Hannover das Startup epap gegründet. Die von epap entwickelte App macht Kassenbons aus Papier überflüssig. © privat

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Der studierte Fahrzeuginformatiker störte sich aber nicht nur an den kleinen Zetteln in seinem Portemonnaie. Auch seine Finanzen wollte der 27-Jährige besser im Blick behalten. „Und das geht mit dem Smartphone deutlich einfacher.“

Mit seinen drei Studienkollegen aus Hannover, Sebastian Berger, Jannis Dust und Gerd Trang, war der Forschergeist in Fabian Gruß geweckt. Sie wussten zwar, dass es bereits digitale Lösungen auf dem Markt gab.

Wie die Wallet für digitale Flugtickets

„Eine richtig coole Lösung“, so Gruß, sei aber nicht darunter gewesen. Was er damit meint? Allein aus einem papierenen Kassenbeleg einen digitalen zu machen sei ihnen zu wenig gewesen. Daher statteten sie ihre App mit allerlei zusätzlichen Funktionen aus, die sich selbst auch privat wünschten.

Mit ihrer Lösung sind sie nun ziemlich zufrieden. Die Grundfunktion ist vergleichbar mit der Wallet-App, die Flugreisende gern nutzen, um völlig ohne Tickets aus Papier abheben zu können. In dieser Brieftasche (Wallet) auf ihrem Handy speichern sie alle Flugscheine und scannen sie beim Bording ein.

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Die Funktionsweise der App epap, die unter anderem von Fabian Gruß aus Fröndenberg entwickelt worden ist.

Die Funktionsweise der App epap, die unter anderem von Fabian Gruß aus Fröndenberg entwickelt worden ist. © privat

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Zur Sache

Datenschutz und Kompatibilität

  • Kassenhersteller und Handelsketten, wie beispielsweise Rewe, beschäftigen sich ebenfalls bereits mit der Digitalisierung ihrer Belege. „Unser Vorteil ist es, mit fast jeder Ausgabestelle digitaler Belege kompatibel zu sein und auch gedruckte Belege via Scan zu digitalisieren, sodass wirklich alle Belege an einem Ort gesammelt werden“, sagt Sebastian Berger von epap.
  • Somit könne den Nutzern der App eine detaillierte Auswertung ihrer persönlichen Finanzen geboten werden. Gleichzeitig biete die App die Möglichkeit eines anonymen Logins, um Privatsphäre und Datenschutz zu sicherzustellen.
  • Eine Karte in der App zeigt nicht nur epap-Partnerkassen, sondern alle verfügbaren Lösungen deutschlandweit an. Damit auch neu angeschlossene Kassensysteme mit digitalen Belegen auf der Karte erscheinen, setzt das epap-Team auf die Community.
  • „Wir haben eine Funktion integriert, mit der unsere Nutzer Händler auf der Karte markieren können, bei denen sie einen digitalen Beleg erhalten haben“, so Sebastian Berger, Co-Founder und Entwickler bei epap.

Mit der Kassenbon-App epap lassen sich ebenfalls alle Rechnungen aus einer Ladenkasse über einen QR-Code auf dem Kassen-Bildschirm einscannen – der Papierbon entfällt.

Digitale Finanzübersicht nach Waren geordnet

Der Mehrwert ihrer App, sagt Fabian Gruß, liegt vor allem darin, dass sie „granular“ arbeitet. Die Software kann nämlich die Rechnungen auswerten und nach bestimmten Warengruppen oder Geschäften sortieren. Es entsteht eine Art digitales Haushaltsbuch: Wie viel Euro gingen im laufenden Monat schon fürs Tanken drauf oder sollte man statt Chips demnächst mehr Gemüse kaufen?

Ihre Entwicklung ist bereits auf dem Markt. Bislang nutzen sie schon rund 4000 Verkaufsstellen, überwiegend Bäckereien und kleinere Lebensmittelhändler. In nächster Zeit soll eine größere Kette aus der Bekleidungsbranche hinzukommen.

Bislang 15.000 Kunden – bei 20 Milliarden Kassenbons

Für Kunden ist die Grundversion der App kostenlos; die Exportfunktion in andere Buchhaltungssysteme kann hinzugebucht werden. „Monetarisieren“, also zu Geld machen, will das Startup seine Entwicklung bei den Händlern – die könnten künftig auf einige Tausend Meter Papierrollen verzichten.

Rund 15.000 Kunden nutzen die App bereits – eine Zahl die in den Augen von Fabian Gruß ausbaufähig ist. Das Statistische Bundesamt, so Fabian Gruß, erwarte in diesem Jahr rund 20 Milliarden Kassenbelege.

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