Staffelgeschoss wird Ehepaar aus Frömern vor die Nase gesetzt

dzBaurecht

Nicht alles, was als Unrecht empfunden wird, ist es auch auf dem Papier. Das Ehepaar Lindenblatt aus Frömern muss diese Erfahrung gerade machen.

Fröndenberg

, 29.11.2018, 12:43 Uhr / Lesedauer: 2 min

Manfred und Magrit Lindenblatt wohnen seit 32 Jahren in Frömern am Ende der Straße Tharloh. Aus dem Wohnzimmerfenster hatte das Ehepaar einen schönen Blick über ihr eine leichte Steigung hinauf verlaufendes Grundstück. Hinter dem Garten trennt ein schmaler Weg das nächste Grundstück von ihrem ab. Auf dem stand bisher ein eingeschossiges Haus, das gut versteckt hinter der Gartenhecke kaum sichtbar war. Bisher: In den vergangenen Wochen haben Bauarbeiter damit begonnen, ein sogenanntes Staffelgeschoss aufzusetzen. Die Wände sind bereits hochgezogen.

Ehepaar hat von nichts gewusst

Das alles – und das ist der Punkt, der das Ehepaar Lindenblatt so stört – völlig überraschend. Niemand hat die Anwohner über die Baupläne ihres Nachbarn informiert. Das sei auch gar nicht notwendig wie Max Rolke, Pressesprecher beim Kreis Unna, erklärt. „Wir sind für Fragen von Bürgern offen, haben aber im Voraus solcher Umbauten keine Informationspflicht“, sagt er.

Für die baurechtliche Klarheit ist in Fröndenberg der Kreis Unna zuständig, erklärt Rolke. Entweder liege für Wohngebiete ein Bebauungsplan der Stadt Fröndenberg zugrunde, oder An- und Neubauten müssten zur Architektur der Nachbarschaft passen. Letzterer Fall wäre der kompliziertere, weil es Diskussionsspielraum gibt.

Bestandsgebäude wird aufgestockt

Bei dem Haus, das im Sichtfeld des Ehepaars Lindenblatt liegt, handle es sich um ein Bestandsgebäude, das vom Eigentümer gerade aufgestockt wird – mit einem sogenannten Staffelgeschoss. Das bedeutet, dass die obere Etage leicht nach innen versetzt wird. Da ein Bebauungsplan der Stadt Fröndenberg vorliegt, der Zweigeschossigkeit vorsieht, ist der Umbau rechtens, solange entsprechende Abstände eingehalten werden.

Staffelgeschoss wird Ehepaar aus Frömern vor die Nase gesetzt

Das Staffelgeschoss wurde innerhalb kurzer Zeit hochgezogen. © Hornung

„Wir haben mit den Leuten gesprochen“, so Max Rolke vom Kreis Unna. Zudem seien Mitarbeiter des Kreises in dieser Woche noch einmal am Tharloh gewesen, um den Umbau zu überprüfen. Der Bebauungsplan werde eingehalten und somit sei alles in Ordnung. „Wenn nach Jahrzehnten solche Veränderungen eintreten, in diesem Fall auch für das Sichtfeld, dann ist das für Anwohner oft ungewohnt und verständlicherweise mit Ärger verbunden“, gibt der Pressesprecher zu.

Auch Gespräch mit der Stadt brachte keine Lösung

Die Lindenblatts ärgert es trotzdem, dass sie als direkte Nachbarn gar nicht informiert wurden. „So wurde uns doch das recht auf Widerspruch genommen“, bedauert Magrit Lindenblatt. Sie wollen zumindest noch das Gespräch mit einem Anwalt suchen, der sie in der Sache weiter berät. Auch mit der Stadt Fröndenberg und dem Ortheimatpfleger haben sie über ihren Kummer gesprochen. Fazit bisher: Nichts zu machen. Unklar sei auch, so Magrit Lindenblatt, wie das Haus zukünftig genutzt wird. Der Eigentümer wolle ein privates Mehrgenerationenhaus einrichten. Lindenblatt wittert auf lange Sicht ein Seniorenheim.

Zur Nutzung kann der Kreis Unna nichts sagen: „Das ist Sache des Eigentümers“, so Max Rolke.

Informationen zur Flächennutzung und zu Bebauungsplänen der Stadt Fröndenberg erhalten interessierte Bürger im Internet unter www.o-sp.de/froendenberg/start.php. Der Fachbereich Planen/Bauen ist auch telefonisch erreichbar unter Tel. (0 23 73) 9 76 27.
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