Stadtwerke Fröndenberg wollten den Gaspreis senken - eigentlich

dzEnergiekosten in Fröndenberg

Gas sollte in Fröndenberg zum kommenden Jahr eigentlich günstiger werden. Die Preise an der Börse sprachen dafür. Eine Steuererhöhung, die viele nicht auf dem Schirm haben, macht einen Strich durch die Rechnung.

Fröndenberg

, 18.11.2020, 12:06 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wer viel Gas verbraucht, bekommt dafür künftig eine höhere Rechnung ausgestellt. Die Stadtwerke Fröndenberg geben eine Steuererhöhung an ihre Kunden weiter. Die Marktpreise hätten dagegen eine Preissenkung zugelassen.

»Wir hätten das Potenzial für eine Senkung gehabt.«
Michael Freitag, Vertriebschef Stadtwerke Fröndenberg

Ab dem 1. Januar 2021 schraubt der lokale Energieversorger den Preis für Erdgas ein Stück nach oben: Der Zuschlag von 0,2 Cent netto pro Kilowattstunde wirkt sich für einen typisierten Haushalt mit einem Plus von 35,70 Euro aus.

Michael Freitag, Vertriebschef an der Graf-Adolf-Straße, legt bei dieser Zahl einen Durchschnittsverbrauch von 15.000 kw/h im Jahr zugrunde. In Neubauten, sagt er, werden in der Regel aber nur 10.000 bis 11.000 kw/h Erdgas genutzt, in Altbauten mit schlechterer Isolierung können es auch bis zu 20.000 kw/h sein.

CO2-Steuer ist Ursache für Preisanstieg

Der Preisanstieg hat nach den Worten Freitags eine zentrale Ursache: die CO2-Steuer. Die Besteuerung der fossilen Brennstoffe schlägt 2021 mit rund 0,45 bis 0,5 Cent pro Kilowattstunde Erdgas zu Buche.

„Das macht brutal viel aus“, sagt Freitag. Denn dieser staatliche Zuschlag sei wirtschaftlich vom Unternehmen kaum aufzufangen. Dass lediglich ein Plus von 0,2 Cent an die Verbraucher weitergegeben werde, liege am günstigen Gaspreis.

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Entwicklung des Erdgas-Tarifs

  • Die Preiserhöhung bei den Stadtwerken Fröndenberg bezieht sich auf den Tarif RuhrPur Komfort.
  • Bei einem Jahresverbrauch zwischen 10.001 und 30.000 kw/h Erdgas steigt der Arbeitspreis ab dem 1. Januar 2021 auf 6,82 Cent. In dem Preis sind neben dem reinen Beschaffungspreis die Gassteuer, die CO2-Steuer und Netznutzungsentgelte enthalten.
  • Seit dem 1. Januar 2019 galt ein Preis von 6,58 Cent/Kilowattstunde brutto. Die Entwicklung seit dem 1. Januar 2017 können Verbraucher unter www.stadtwerke-froendenberg.de (Erdgas) nachvollziehen.
»Das ist eine Dimension, die auch mich erschrocken hat.«
Michael Freitag

„Wir hätten das Potenzial für eine Senkung gehabt“, betont Freitag. Die Stadtwerke beschaffen wie im Grunde alle Energieversorger das Erdgas über den Börsenhandel. Dort schwankten die Preise zwar auch ständig, derzeit sind sie allerdings verbraucherfreundlich niedrig, sodass auch entsprechend eingekauft werden kann.

Weil auch die eigentliche Gassteuer konstant bleibt, hätte Stadtwerkechef Bernd Heitmann seinem Aufsichtsrat eigentlich eine moderate Senkung des Arbeitspreises für Erdgas vorschlagen können.

CO2-Steuer macht 25 Prozent des Gaspreises aus

Nun kommt es anders. „Das ist eine Dimension, die auch mich erschrocken hat“, räumt Michael Freitag ein. Bezogen auf einen Preis von 2 Cent pro Kilowattstunde Gas sei ein Anteil von 0,5 Cent allein für die CO2-Steuer enorm.

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Um die CO2-Klimaschutzziele zu erreichen, verteuere der Staat quasi künstlich die fossile Verbrennung, erläutert Freitag, der das aber wertneutral meint. Die Lenkung des Verbraucherverhaltens durch höhere Steuern trifft schließlich nicht nur auf den Energiemarkt zu.

Freitag kann den Kunden im Übrigen keine Aussicht auf künftig wieder sinkende Gaspreise machen: Bis zum Jahr 2025 soll die CO2-Steuer auf 1,1 Cent pro Kilowattstunde Erdgas wachsen.

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