Stadtplaner zur Idee des Rathaus-Neubaus: „Wunde in der Innenstadt schließen“

dzPlanungsgruppe Stadtbüro

Ein Rathaus-Neubau auf dem Karl-Wildschütz-Parkplatz ist in der Diskussion. Aus der Idee muss erst noch ein Projekt werden. Ein Stadtplaner, der Fröndenberg analysiert hat, sieht Vorzüge.

Fröndenberg

, 23.11.2018, 15:28 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Planungsgruppe Stadtbüro aus Dortmund hat 2017/2018 im Auftrag der Verwaltung eine Einzelhandelsstudie für die Fröndenberger Innenstadt erstellt. Diplom-Ingenieur Carsten Schäfer stellte der Politik im Frühjahr die Ergebnisse vor: Besucherfrequenzen an verschiedenen Standorten der City, die Analyse der Branchen, die Kundenströme in den einzelnen Lagen. Im Gespräch mit unserer Zeitung hatte Schäfer damals bestätigt, dass man die Zukunft des Karl-Wildschütz-Parkplatzes sehr „ambivalent“ betrachte, zwiespältig sei die Frage, ob man ihn mit Geschäftshäusern bebaue oder Wohnbauten vorzuziehen seien. Sinnvoll sei „grundsätzlich eine Bebauung mit Wohnangeboten“, sagte Schäfer damals. Hierdurch werde die Nachfrage für den örtlichen Einzelhandel in unmittelbarer Nachbarschaft erhöht.

Logik bei Neubauten: Was bringt ein Gebäude der Innenstadt?

Der Auftrag der Stadt war mit der Studie für das Dortmunder Planungsbüro zwar abgeschlossen. Auf die Idee eines Rathaus-Neubaus an dieser Stelle angesprochen, zeigte sich der Stadtplaner aber positiv überrascht. „Man muss die Bebauung des Platzes aus der Logik heraus denken, was ein solches Gebäude für die Innenstadt bringt“, so Schäfer. Die Kundenzählungen und -befragungen im Rahmen seiner Studie hätten vor einigen Monaten bereits gezeigt, dass sich der Schwerpunkt des Einzelhandels und damit der Kundenströme eindeutig Richtung westliche Fußgängerbereiche, also Winschotener Straße und Bruayplatz, verlagert habe. Dagegen sei der Bereich östlich des Marktplatzes, einschließlich Alleestraße, mittlerweile „stärker durch Dienstleistung geprägt“. Ein Rathaus mit seinen Dienstleistungen sei daher in diesem Bereich grundsätzlich gut aufgehoben. Zumal die Mitarbeiter der Stadtverwaltung und die Besucher der Ämter aus den Stadtteilen dann bereits diesseits der Bahnlinie ankommen, eine gefühlte Barriere, die Geschäfte spontan aufzusuchen, also wegfalle.

Dichte Wohnbebauung im Umfeld des Platzes ist zu bedenken

Zudem sei die dichte Umbauung des Platzes mit Wohnhäusern zu bedenken. Ein Discounter mit langen Öffnungszeiten und Anlieferverkehr würde das Umfeld vor allem in puncto Lärm viel stärker belasten als der Publikumsverkehr eines Rathauses. Nicht zuletzt könne ein „architektonisch ansprechend“ gestaltetes Rathaus ein Gewinn für das Stadtzentrum sein und „eine Wunde in der Innenstadt schließen.“ Auch mit Blick auf den von Aldi angekündigten Neubau am Bruayplatz, der die dortige Situation zementiere, sei eine künftige Nutzung des Wildschütz-Parkplatzes für Einzelhandel weniger zu empfehlen, um Fröndenberg als Einkaufsstadt nicht zu „zerreißen“. Carsten Schäfer: „Von außen betrachtet sollte man sich auf einen starken Kern konzentrieren.“ Schon zum Zeitpunkt seiner Studie im Herbst 2017 habe er auch keine Anzeichen dafür gesehen, dass der Karl-Wildschütz-Parkplatz anderweitig bebaut werden soll, „ansonsten würden ja die Investoren Schlange stehen.“

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